Lokalsport

Knights tanzen Samba

Fulminante erste Halbzeit beschert 101:92-Auswärtssieg beim FC Bayern

Volles Haus und heiße Rhythmen: München scheint sich zu einem guten Pflaster für die VfL Kirchheim Knights zu entwickeln. Unter dem Jubel von 150 mitgereisten Kirchheimer Fans bezwangen die Korbjäger von der Teck den FC Bayern München mit 101:92 (65:46). Zum Abschluss der Vorrunde findet sich der Aufsteiger auf einem großartigen vierten Platz wieder.

München. MBC, Cuxhaven, Bremen und nun auch noch München: die VfL-Liste der besiegten Teams liest sich wie das Who is who der Pro A. „Von einer Top-Mannschaft sind wir aber noch ein Stückchen entfernt“, dämpfte Knights-Coach Ignjatovic gleich aufkommende Euphorie. Grund für seine Verstimmung war die Leistung seiner Spieler in der zweiten Halbzeit, in der sie durch unkonzentrierte und überhastete Spielweise den großen Vorsprung aus der ersten Hälfte noch fast verspielt hätten.

Vorausgegangen war allerdings ein Feuerwerk der Schwaben, dem die Münchner in den ersten 20 Minuten nichts entgegenzusetzen hatten. Vielleicht ließen sich die Knights von Ehrengast Giovane Elber und seinen beiden brasilianischen Tänzerinnen inspirieren, die vor Spielbeginn zu den Rhythmen von „Samba di Janeiro“ die Zuschauer anheizten. Die Basketballkunst, die Tomasevic, Scott und Baumann aufs Parkett brachten, war deutlich mehr als solide deutsche Wertarbeit und hatte einen Hauch von lateinamerikanischem Ballzauber. Vor allem Topscorer Gordon Scott begeisterte die Fans und avancierte zum wertvollsten Spieler des Abends. Unbeeindruckt von den Alley-Oops des Bayern Jamar Howard in den ersten Spielminuten und strittigen Schiedsrichterentscheidungen setzten sich die Knights durch ihr schnelles Spiel Punkt für Punkt ab und erzielten im ersten Viertel bereits 32 Punkte. Die FCB-Abwehr war nahezu nicht existent, wobei auch die Defense der Knights immer wieder Lücken aufwies. Mit einer 32:24-Führung gingen die Ritter ins zweite Viertel.

Dort steigerten sich die Gäste nochmals und legten die Grundlage für den späteren Sieg: unterstützt durch die lautstarken Fans und dem eigens mitgereisten Maskottchen Knighty ließen alleine Tomasevic, Scott und Heyden sieben Mal die orangefarbene Kugel jenseits der 6,25-m-Linie durch die Reuse rauschen. Und als Center Philipp Heyden in der letzten Sekunde der ersten Halbzeit seinen zweiten Dreier verwandelte, schien beim Spielstand von 46:65 die Bayern-Demontage nahezu perfekt.

Crawford führte sein Team in bewährter Manier in die zweite Halbzeit. Bis Mitte des dritten Drittels bauten er und seine Kollegen den Vorsprung auf 77:50 aus. Der Dunking Baumanns zur 27-Punkte-Führung dokumentierte 4.43 Minuten vor Viertelende gleichzeitig den Bruch im Spiel der Knights. Der Bruch war für alle Zuschauer deutlich zu bemerken. Die nach wie vor aggressive Manndeckung der Münchner verleitete die Schwaben zu Fehlern, unnötige Hektik und Unsicherheit prägte plötzlich das Spiel der Knights. Das Fehlen der foulbelasteten Baumann und Crawford verstärkte diesen Eindruck. Mehr als drei Minuten ohne Punkterfolg ließen den Vorsprung der Kirchheimer schmelzen. Erst der wichtige Korberfolg Crawfords nach dessen Wiedereinwechslung zum 81:63 in der letzten Spielminute brachte Ruhe ins Spiel. Allerdings nur kurzfristig, denn für den Knights-Spielmacher war das Match nach einem offensiven und dem darauf folgenden technischen Foul gleich nach Beginn des Viertels zu Ende.

Vor allem Münchens Jamar Howard und Kelvin Parker nutzten nun die Schwäche der Gäste und brachten ihr Team bis auf acht Punkte heran. Letztendlich war es aber einem der herausragenden Knights-Spieler dieses Abends, Philipp Heyden, vorbehalten, den 100. und 101. Punkt per Freiwurf zu markieren.

Platz vier zur Halbzeit: welch ein Erfolg. „Wir sind sehr stolz auf unser Team“, sprach Knights-Geschäftsführer Stefan Schmauder für das gesamte Management, „Vater des Erfolges ist Trainer Frenkie Ignjatovic. Er hat den Knights seine Handschrift aufgedrückt.“ Auch Teammanager Volker Oesterle sparte nicht mit Lob für den Übungsleiter: „Kirchheim kann stolz sein, einen Ignjatovic in seinen Reihen zu haben.“

Am kommenden Samstag starten die Knights mit dem verlegten Spiel in Jena in die Rückrunde, bevor am Sonntag, 25. Januar, das Heimspiel gegen Essen ansteht. bs

Bayern München – Kirchheim Knights 92:101

FC Bayern München: Rotim 3, Parker 28, Howard 20, Buse n.e., Brooks 2, Morris 22, Schütz n.e., Robbins 6, Wagner n.e., Weiß 2, Hübner 9

VfL Kirchheim Knights: Tomasevic 20 (4/8 Dreier), Chennoufi 4, Baumann 22 (0/2), 6 Rebounds), Crawford (1/1, 8 Assists), Scott (24, 5 Reb., 5 Ass.), Lenger n.e., Klemm P. n.e., Howard n.e., Klemm T. 7, Heyden 15 (5 Reb.), Hornig 2, Reichmuth n.e.

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