Lokalsport

Knights thronen wieder ganz oben

Das könnte ein Pyrrhus-Sieg gewesen sein: Beim 82:74 (35:40)-Erfolg über den SSC Karlsruhe, der die Tabellenführung in der Regionalliga zurückbrachte, brach sich Knights-Center Chuks Neboh den kleinen Finger der rechten Hand.

KIRCHHEIM Noch am gleichen Abend verpasste die chirurgische Ambulanz im Kirchheimer Krankenhaus Neboh einen Gips (siehe Extra-Artikel). Bis diese Hiobsbotschaft bekannt war, konnten alle Beteiligten, sofern sie auf Kirchheimer Seite standen oder neutral waren, von einem tollen Basketballabend sprechen. Das Ausweich-Domizil Walter-Jacob-Halle wider Erwarten knackvoll, ein mit Emotionen, Klasse und Dramatik angereichertes Basketball-spiel, einige Helden und einen Bösewicht.

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Den gab eher unabsichtlich der Karlsruher Neuzugang Edwin Ofori Attah. Mitte des dritten Viertels führte der SSC 51:41 und bei Kirchheim lief nicht viel zusammen. Nach einem vergebenen Wurf der Gäste rangelten sich der Neu-Karlsruher und Ross Jorgusen um den Ball und nach vielleicht einem kleinen Schubs in den Rücken schien Jorgusen im Vorteil. Doch Ofori Attah erwischte den Kirchheimer Wirbelwind bei der Drehung zum Ball wohl mit dem Ellenbogen am Kopf, Jorgusen knallte aufs Spielfeld und das Spiel bekam seine entscheidende Wende. Die Halle kochte von nun an vollends über, und das kam nur den Knights zugute.

Die aufmerksamen Schiedsrichter ahndeten die Aktion überdies als unsportliches Foul, Jorgusen verwandelte die fälligen Freiwürfe und fabrizierte aus dem nächsten Angriff zwei weitere Punkte zum 45:51. Von nun an wurde der Juniorennationalspieler, bis dahin vielleicht der stärkste Karlsruher, bei jeder Ballberührung mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert eingedeckt und machte bis zur letzten Minute nur mehr ein Pünktchen.

Den endgültigen Durchbruch besorgte dann Tomi Martinovic. Seine drei Dreier in weniger als zwei Minuten, machten (unterstützt von zwei Neboh-Freiwürfen) aus dem 53:55 das 64:58 zur letzten Viertelpause. Neboh traf zu Beginn des Schlussviertels erneut, Martinovic setzte seinen vierten Dreier obendrauf und beim 69:60 (33.) war die Angelegenheit so gut wie durch und der VfL konnte sich zur endgültigen Ankunft des neuen Flügelspielers im Team beglückwünschen.

Der Rest war die Routine des Spitzenreiters. Zwischen der 18. und dieser 25. Minute war davon allerdings gar nichts zu sehen. Da drohte das Team fast auseinanderzufallen. Karlsruhe machte aus seinem 32:35-Rückstand innerhalb dieser schlimmen sieben Minuten eben jene 51:41-Führung, die für manchen schon der Sargnagel auf die Aufstiegshoffnungen der Knights war.

Dabei hatte alles so gut angefangen. Chuks Neboh traf im ersten Viertel aus allen Lagen, die Defensive stand felsenfest, nach acht Minuten schien das beim 18:8 ein gemütlicher Abend zu werden. Aber die Knights fanden ihren Größten fortan nicht mehr, der SSC fand dafür einige Löcher in der Abwehr des VfL, und so war die Partie bis zu jener erwähnten 18. Minute eine sehr ausgeglichene Angelegenheit.

Mit der Schlusssirene kam dann auch die Nachricht von der hohen 69:90-Niederlage des Tabellenführers TV Rastatt-Rheinau in der Walter-Jacob-Halle an: Die Knights hatten die Spitze zurückerobert. Das beherrschte den Kirchheimer Basketball bis zu Nebohs Hiobsbotschaft, die freilich die ganze Saison ruinieren könnte.

mad

VfL Kirchheim: Goehrke (6), Hayden (6/1), Hountondji, Ifuly (n.e.), Jaballah (n.e.), Jorgusen (19), Kranz (17/2), Lenger (2), Lukic, Martinovic (14/4), Neboh (18), Tsouknidis.SSC Karlsruhe: Watson (11/1), Mladenov (2), Kustos (17/1), Gundlach (8), Ofori Attah (14/1), Kann (6), Hübner (12), Simovic (4).Dreier: 7 (VfL), 2 (SSC).Fouls: 23 (VfL), 22 (SSC).Freiwürfe: 19:23/82,6 % (VfL), 11:15/73,3 % (SSC).Viertel: 18:16, 17:24, 29:18, 18:16.Schiedsrichter: Alen Vukic (Böblingen) und Midhad Bahtijarevic (Stuttgart) machten einen guten Job.Zuschauer: 700