Lokalsport

Kollektiver Jubel nach Sensationssieg

So schön kann Siegen sein: Mit einem verdienten 80:75-Sieg gegen BV Chemnitz 99ers haben sich die Kirchheimer Zweitligabasketballer in der Tabelle einen Platz nach vorne gearbeitet und das Herz ihrer Fans im Sturm erobert.

THOMAS AUERBACH

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KIRCHHEIM So viele glänzende Augen, Freudentänze und La Olas bei den jubelnden Fans hat die Sporthalle Stadtmitte lange nicht mehr gesehen. Am Samstag gab es guten Grund dafür. Schon die ersten Sekunden ließen keinen Zweifel daran, dass die Kirchheimer Ritter hochmotiviert in das Spiel gingen. Tom Klemm passte herrlich auf Toni Sivorotka und der hämmerte den Ball mit einem beherzten Dunk durch den Ring.

Was die Zuschauer danach sahen, dürfte eines der besten Viertel der Knights gewesen sein. Toni Sivorotka versenkte den ersten Dreier des Abends, Andre Bynum setzte sich zweimal durch, Tim Burnette steuerte sechs Punkte bei und Alex Zyskunov zeigte mit zwei schönen Treffern, was in ihm steckt. Das Highlight zum Schluss des ersten Viertels setzte aber ein an diesem Abend kaum zu bremsender Kai-Uwe Kranz. Binnen weniger Sekunden zischten zwei Dreier des Kirchheimer Scharfschützen durch die Reuse, bevor Andre Bynum mit zwei Solos zum 27:15 punktete die Fans waren aus dem Häuschen.

Sichtbar schockiert waren zu diesem Zeitpunkt die Chemnitzer. Headcoach Mike Smith wechselte seine Bank durch ohne Erfolg. Zu dicht stand die Kirchheimer Verteidigung. "Die Jungs haben eine sehr, sehr gute Defense gespielt", lobte nach dem Spiel auch Kirchheims Coach Pat Elzie sein Team. In der Statistik zeugen am Ende alleine 20 Ballverluste der Niners von dieser effektiven Arbeit.

Im zweiten Viertel ließ der Druck auf Chemnitz etwas nach. Elzie wechselte durch, um mit den Kräften hauszuhalten. Das Spiel wurde auf Chemnitzer Seite intensiver, aber auch mit sichtlicher Anspannung geführt. Sichtbares Indiz dafür war, dass in den ersten fünf Minuten des zweiten Viertels nur vier Feldtreffer auf beiden Seiten zu verzeichnen waren. Aber Kirchheim hielt den Favoriten aus Sachsen auf Distanz und ging mit 43:34 in die Halbzeitpause.

In der Kabine schien man auf Chemnitzer Seite die richtigen Worte gefunden zu haben, denn zur Mitte des dritten Viertels gingen die Niners beim 51:53 erstmals in Führung. Aber Kirchheim kämpfte, stellte sich dem offenen Schlagabtausch und zeigte dank souveränen Coachings durch Trainer Pat Elzie gute Nerven. Bemerkenswert in dieser Phase Bill Goehrke, normalerweise nicht gerade vom Freiwurfglück gesegnet, der drei von vier Freiwürfen traf und somit den Anschluss für sein Team wahrte. Enorm wichtig auch der erfolgreiche Dreier von Andre Bynum in der Schlussminute Kirchheim ging mit 63:60 ins letzte Viertel.

Wer bis dahin nicht wusste, was Spannung bedeutet, sollte im letzten Viertel Anschauungsunterricht erhalten. Zunächst bekamen die 1200 Zuschauer in der ausverkauften Sporthalle Stadtmitte nur wenige Treffer zu sehen. Bis vier Minuten und 30 Sekunden vor Schluss hatte sich zwar die Spannung erhöht, die Punktekonten schienen bis zum 64:64-Ausgleich jedoch wie eingefroren. Dann traf Kai-Uwe Kranz mit einem traumhaften Dreier aus schier unmöglicher Position. Andre Bynum legte zum 69:64 nach. Aber erneut verkürzten die Chemnitzer durch Kazarnowski mit einem Zweierwurf und anschließendem Bonusfreiwurf auf 67:69, bevor J. R. Christ und Tim Burnette Kirchheim mit sechs Punkten wieder etwas deutlicher in Führung brachten. Aber Chemnitz kam erneut zurück. Auszeit Kirchheim dann beim Stand von 73:70, noch 1.57 Minuten zu spielen. Es folgten Ballverluste auf beiden Seiten. Andre Bynum behauptet sich 72 Sekunden vor dem Ende, hält den Ball lange und zieht unwiderstehlich zum 75:70 zum Korb. Auf der Gegenseite zischt der zweite Dreierversuch der Chemnitzer durch die Reuse. Noch 21 lange Sekunden, um den hauchdünnen Zweipunktevorsprung über die Zeit zu retten.

Chemnitz beginnt zu foulen. Zunächst ohne nennenswerte Folgen, da es erst das vierte Mannschaftsfoul in diesem Viertel war. Dann mit einem unsportlichen Foul. Die fälligen Freiwürfe verwandelt Kai-Uwe Kranz sicher zum 77:73 und Kirchheim bleibt im Ballbesitz. Noch 17 Sekunden: Diesmal wird Tim Burnette gefoult und erhöht mit einem Freiwurftreffer zum vorentscheidenden 78:73. Chemnitz gelingt noch ein Gegentreffer, den folgenden Fastbreak nutzt Tom Klemm zum 80:75-Endstand. An diesem hätte auch der letzte vergebene Dreier der Chemnitzer nichts mehr geändert, das Spiel ist aus.

Nach der Schlusssirene kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Fans, Management und Spieler lagen sich in den Armen. Eine La Ola nach der anderen schwappte durch die Halle. Kirchheim hat sich an diesem Abend nach dem guten Spiel gegen Kaiserslautern und dem deutlichen Sieg gegen Rastatt endgültig freigespielt. Eine erneut starke Teamleistung mit einer bärenstarken Verteidigung zwang Chemnitz wiederholt zu Ballverlusten und Fehlwürfen. Der Chemnitzer Assistenzscoach Rayk Lorz analysierte: "Wir haben Andre Bynum nicht in den Griff bekommen. Wir wollten den Ball ans Brett spielen, um über unsere Großen zu punkten. Das ist uns nicht gelungen. Außerdem haben wir zu schlecht von außen getroffen."

Pat Elzie sparte an diesem Abend nicht mit Lob. "Die Jungs kämpfen wie verrückt, mehr kann ein Coach von seiner Mannschaft nicht erwarten." Seiner Ansicht nach hätte das Ergebnis sogar noch höher ausfallen können. Und die Perspektiven für die Zukunft? "Mit diesem Team ist alles möglich", zollte Elzie der Mannschaft Respekt. Und Rayk Lorz lobt die Knights: "Kirchheim hat gut gefightet. Wenn Sie weiter so spielen, steht dem Klassenerhalt nichts im Weg, besonders mit diesen Fans."

Spielstatistik

VfL Kirchheim Knights:

Kranz, (17 Punkte/5 Dreier, 5:10 Würfe, 5:9 Dreier, 2:2 Freiwürfe, 20:29 Min.), Bynum (15 Punkte/1 Dreier; 7:20 Würfe; 1:5 Dreier; 0:2 Freiwürfe; 8 Assists, 4 Steals, 6 Rebounds, 34:27 Min.), Burnette (23 Punkte/2 Dreier, 9:17 Würfe, 2:7 Dreier, 3:6 Freiwürfe, 33:56 Min.), Karamatskos (0 Punkte, 0:1 Würfe, 2 Rebounds, 10:54 Min.), Christ (5 Punkte, 2:4 Würfe, 1:2 Freiwürfe, 3 Rebounds, 19:16 Min.), Goehrke (7 Punkte, 2:4 Würfe, 3:4 Freiwürfe, 6 Rebounds, 16:58 Min.), Howard (0 Punkte, 5:45 Min.), Sivorotka (7 Punkte/1 Dreier, 3:6 Würfe, 1:2 Dreier, 4 Rebounds, 19:43 Min.), Klemm (2 Punkte, 1:3 Würfe, 25:48 Min.), Zyskunov (4 Punkte, 2:3 Würfe, 5 Rebounds, 12:54 Min.), Hountondji (n.e.), Jan Reichmuth (n.e.).BV Chemnitz 99ers:

Doubley (8 Punkte), Ahnsehl, Braun (5 Punkte/1Dreier), Virijevic (6), Djatschenko (3/1), Klein (8/1), Harris (16/2), Cecotti (3), Kazarnovski (12), Mbassa (14), Worenz (n.e.).Würfe:

31:68/45,6 % (VfL), 23:55/41,8 % Chemnitz.Dreier:

9:23/39,1 % (VfL), 5:18/27,8 % Chemnitz.Freiwürfe:

9:16/56,3 % (VfL), 24:34/70,6 % Chemnitz.Rebounds:

37:44.Ballverluste:

11:20Assists:

12:10.Ballgewinne:

6:3.Fouls:

24:17.Schiedsrichter:

Husein Kursumovic (Erding), Herbert Prax (München).Zuschauer:

1200.