Lokalsport

Kommentar

Hut ab, Rolf Baumann: Nachdem der 45-jährige Fußballlehrer den VfL im vergangenen Herbst in nahezu aussichtsloser Lage übernommen hatte, steuert das Flaggschiff des Kirchheimer Fußballs inzwischen wieder in ruhigeren Gewässern. Vier Pünktchen hatte der VfL in zehn Spielen vor Baumann geholt. Unter seiner mittlerweile 19 Partien währenden Regie sind es bislang stolze 32 – der im Winter noch utopisch erscheinende Klassenerhalt ist fünf Spieltage vor Saisonschluss zum Greifen nah. Nicht zuletzt dank Rolf Baumann, der seit seinem Amtsantritt nie müde wurde zu betonen, dass die Mannschaft oberligatauglich sei und lediglich Zeit brauche, sich zu entwickeln. Das VfL-Märchen der vergangenen Wochen: lediglich das Werk eines Zweckoptimisten?

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Nicht nur, denn im Gegensatz zu seinem so grandios gescheiterten Vorgänger Dietmar Sehrig versteht Baumann das Fußballgeschäft. Er weiß, wie er mit einer jungen Mannschaft umgehen, wie er seine Philosophie verkaufen muss, damit alle mitziehen und sich in den Dienst der Mannschaft stellen. Baumann hat nichts anderes geschafft, als die in jeder Mannschaftssportart erfolgshindernden Egoismen zu bändigen. Dass dabei langjährige Identifikationsfiguren wie Mario Grimm oder Patrick Gühring auf der Strecke blieben, ist zwar bedauerlich, aber angesichts des zu erwartenden Klassenerhalts zu verschmerzen.

Bemerkenswert(er) macht die Wandlung des VfL vom Abstiegskandidaten zum Oberligaschreck die Kürze der Zeit, in der diese Entwicklung stattfand. Innerhalb von gerade mal einem halben Jahr hat Baumann die entmoralisierte Truppe wieder aufgerichtet und ihr den Glauben an sich selbst zurückgegeben. Profitiert haben davon viele: Neuzugänge wie Nico Kauffmann oder Hans-Alex Thies sind unter Baumanns Führung zu unverzichtbaren Führungsspielern gereift, während arrivierte Kräfte wie Ferdi Er oder Christopher Eisenhardt dank seiner Methoden wieder zu alter Form zurückfanden. Begünstigend für den so positiven Saisonverlauf wirkte sich auch die Rückkehr von Antonio Tunjic sowie die Verpflichtung von Baumanns einstigem Weggefährten aus Ulmer Bundesligazeiten, Oliver Otto, aus.

Der Coach selbst reicht die Blumen derweil lieber weiter, verteilt Lob an das Umfeld und die Spieler. „Ich gebe nur vor, die Mannschaft setzt es um“, sagte Baumann nach dem jüngs­ten Sieg über Crailsheim – erfolgreich und bescheiden: zwei Eigenschaften, die an der Jesinger Allee lange nicht zusammenpassen wollten. Nicht nur deshalb können sich die Verantwortlichen glücklich schätzen, dass sein Vertrag über die Saison hinaus noch bis Juni 2010 läuft. Die Verpflichtung Baumanns war nach dem Megaflop mit Dietmar Sehrig und dem uninspirierten Kurzgastspiel von Hansi Kleitsch vor allem eines: ein Glücksfall für den Kirchheimer Fußball, der im zweiten Jahr in Folge vor dem Fall in die Bedeutungslosigkeit gerettet zu sein scheint. PETER EIDEMÜLLER