Lokalsport

Konkurrenzkampf tobt

8:1 gegen den SV Fellbach: psychologisch gesehen hat die Saison für den Fußball-Verbandsligisten VfL Kirchheim am Freitagabend quasi noch einmal von vorne begonnen.

REIMUND ELBE

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KIRCHHEIM Der Trainer? Felsenfest im Sattel. Die Neuzugänge? Eine Bereicherung. Der Konkurrenzkampf? Neu entfacht. Die Perspektive? Stark verbessert. Das sind die wichtigsten Antworten nach dem denkwürdigen Offensivspektakel der Kirchheimer Verbandsliga-Fußballer am vergangenen Freitag an der Jesinger Allee.

Die gute Laune in den VfL-Reihen war natürlich nach dem richtungsweisenden Heimerfolg nicht zu toppen. Und so hatte es zum Beispiel Kirchheims Trainer Michael Rentschler in der Pressekonferenz nach dem Spiel nicht leicht. Einer der Vorredner war nämlich Norbert Krumm, der Sportliche Leiter des VfL Kirchheim. Jener war am Freitagabend nicht nur aushilfsweise in die Rolle des Stadionsprechers geschlüpft, sondern auch erstmals in die des Pressekonferenzleiters. Im Überschwang der Gefühle wurden die Begrüßungsworte an die Adresse der Presse sowie anwesende VfL-Sympathisanten und Gästefunktionäre zu einer mehrminütigen Lobeshyme auf das Gewinnerteam.

Der Monolog endete mit einem verbalen Schulterklopfen für Trainer Rentschler. Krumm hatte zuvor schon als Stadionsprecher Entertainerqualitäten entwickelt, dabei die Zuschauer nicht nur ständig mit Informationen gefüttert ("der eben eingewechselte Heiko Eberhardt ist aus Botswana zurück schön, dass Du wieder da bist"), sondern auch den einen oder anderen Treffer live ("Tooor") per Mikrofon quasi übertragen. Der niedergeschlagene Torwart des gedemütigten SV Fellbach, Sven Kraft, war freilich weniger begeistert: "Diese ständigen Kommentare haben mir heute den Rest gegeben."

Das freitägliche Match hat jedenfalls neuen Schwung in die VfL-Reihen gebracht. Eine weitere Erkenntnis: Es geht auch ohne Michael Rentschler auf dem Platz. Der leidenschaftliche Fußballer zog es erstmals vor, die Kickstiefel zu Hause in Stuttgart zu lassen: "Wir haben nach den zwei Neuverpflichtungen und der Genesung von Torsten Raspe nun eine personelle Situation, die es mir erlaubt, mich ganz auf das Traineramt zu konzentrieren", sagte der VfL-Übungsleiter zu seinem freiwilligen Verzicht.

Für den Ex-Ditzinger wurde es somit ein schöner und weitgehend stressfreier lauer Sommerabend. Der genesene Raspe durfte vier Monate nach seiner Achillessehnenoperation auch wieder ran. In der 60. Minute löste der Ex-Profi den wie entfesselt spielenden und im späteren Verlauf erschöpften Angreifer Cem Korkmaz ab. Der Vierfachtorschütze herzte nach der Auswechslung erstmal innig seinen Coach, dankte damit symbolträchtig für seine Nominierung und musste anschließend erst einmal die aufregenden Minuten verarbeiten: "Mir war das heute fast schon unheimlich", meinte Korkmaz kopfschüttelnd.

Torsten Raspe blieb nach seinem Comeback vorsichtig: "Ich bin zwar schmerzfrei, aber habe noch nicht das volle Leistungsvermögen erreicht", stellte der frühere Spieler der Stuttgarter Kickers fest. Zu den Strahlemännern des Abends gehörten auch die Gebrüder Meha. Unter den Augen der Familie gelang Feriz Meha zum VfL-Debüt ein Trefferdoppelpack, Alban Meha setzte mit seinem Tor zum 8:1 den Schlusspunkt unter diesen ungewöhnlichen Abend: "Es ist ein schönes Gefühl, mit so einem Sieg bei einem neuen Verein zu starten", sagte Alban Meha, "aber wir müssen uns schon jetzt auf das nächste Spiel konzentrieren. Da fangen wir wieder bei Null an."

Realistische Töne des Neuen, die Trainer Michael Rentschler gerne hören wird. Am Freitagabend in Bonlanden wartet ein ganz spezieller Härtetest. Beim seit wenigen Monaten von Klaus Kämmerer trainierten SVB stehen aktuell mit Abwehrspieler Thomas Edelmann, Mittelfeldakteur Panagiotis Deligiannidis und Torwart Christoph Leibl drei frühere VfL-Akteure unter Vertrag. Unvergessen sind zudem die Oberliga- und Verbandsligaduelle gegen den SVB. Zumindest rückt der VfL diesmal mit einem überzeugenden Erfolgserlebnis im Rücken in Filderstadt an . . .