Lokalsport

Kreuzritter setzen auf Seeadler

Worauf ganz Amerika seit Wochen hinfiebert, sorgt auch in der schwäbischen Provinz für immer größere Begeisterung: Die Übertragung des Super Bowls in der Nacht von Sonntag auf Montag lassen sich die Footballer der Albershausen Crusaders nicht entgehen. Zu einer eigens organisierten Privatparty werden rund 100 Vereinsmitglieder erwartet.

American Football im Fokus: Die Übertragung des Super Bowl lockt am Sonntag auch die Albershausen Crusaders vor den Fernseher. F
American Football im Fokus: Die Übertragung des Super Bowl lockt am Sonntag auch die Albershausen Crusaders vor den Fernseher. Foto: afp

Albershausen. Ob ungezähmte Pferde oder Fischadler stärker sind, kann kein Biologe der Welt beantworten. Es sei denn, er verfolgt wie rund 800 Millionen anderer Menschen auf der Erde am kommenden Sonntag das Endspiel der amerikanischen Footballliga NFL zwischen den Denver Broncos und den Seattle Seahawks.

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Das als größtes Einzelsportereignis der Welt propagierte Duell um Yards, Field Goals und Touchdowns lockt auch in Deutschland immer mehr Fans vor den Fernseher. „Überall dort, wo es Footballteams gibt, ist der Super Bowl ein Fixtermin“, weiß Mirko Mosenthin. Der 35-jährige Kirchheimer ist seit den Gründertagen der Albershausen Crusaders vor rund 15 Jahren mit dem Football-Fieber infiziert und wie all seine Teamkameraden jedes Jahr am ersten Sonntag im Februar begeisterter Super-Bowl-Gucker.

Um sich nicht alleine um den Schlaf zu bringen – die Übertragung auf Sat 1 beginnt erst um Mitternacht – werden die Crusaders erstmals in einer größeren Gruppe vor dem Fernseher sitzen. „In der Vergangenheit waren es immer hier ein paar, dort ein paar. Diesmal haben wir eine Privatparty organisiert, für die sich rund 100 Vereinsmitglieder angemeldet haben“, sagt Mosen­thin, der den Ort des TV-Meetings allerdings nicht verraten darf – die Crusaders planen, in Zukunft jedes Jahr öffentlich zum Super-Bowl einzuladen, wollen jedoch erst den kommenden Sonntag abwarten, um den potenziellen Veranstalter nicht zu überrumpeln.

Unabhängig davon ist die Vorfreude bei den Albershausenern bereits so groß, dass die meisten für den Tag danach vorgesorgt haben. „Wenn du am ersten Montag im Februar frei nimmst, weiß dein Chef, dass du Football-Fan bist“, grinst Mirko Mosenthin. Ganz so arbeitgeberfreundlich sind die Fans in den USA übrigens nicht: Dort melden sich am Tag nach dem Super Bowl rund sechs Prozent mehr Menschen krank als an gewöhnlichen Montagen. Kein Wunder: Wer mithilft, im Schnitt eine Milliarde Chicken Wings, 14 000 Tonnen Chips und 4 000 Tonnen Popcorn mithilfe von 120 Millionen Litern Bier zu verputzen, muss es ja mit dem Magen bekommen – von der Aufregung um das Endspiel mal ganz abgesehen.

Auch bei der Party der Kreuzfahrer aus Albershausen wird es an Essen und Trinken nicht fehlen. Schließlich will man das Spiel zünftig amerikanisch verfolgen. Und wer gewinnt? „Das wird eine ganz enge Kiste, viel wird von der Tagesform abhängen“, wagt Mirko Mosenthin keinen ultimativen Finaltipp.

Gönnen würde er den Sieg jedoch eher den Fischadlern aus Seattle, die als Außenseiter gelten. Zu eindrucksvoll die Leistungen der ungezähmten Pferde aus Denver, die in der laufenden Saison als erstes Team der NFL-Geschichte die 600-Punkte-Grenze knackten (606), einen neuen Touchdown-Rekord aufstellten (76) und durch Quarterback Peyton Manning zwei Saisonbestmarken für Touchdowns (55) und Raumgewinn (5 477 Yards) erzielten. Dem Offensivdrang der Broncos stellen die Seahawks ein Defensivbollwerk entgegen, das den gegnerischen Teams in der regulären Spielzeit gerade mal 231 Punkte gestattete – just darin sieht Mirko Mosenthin einen Vorteil für Seattle. „Im Football heißt es: Offense wins games, defense wins championships – das würde eigentlich für die Seahawks sprechen.“