Lokalsport

Kurz und schmerzhaft gegen die Uhr

Wenn die Beine wie Feuer brennen und der Puls im Grenzbereich hämmert, dann tickt auf der Bissinger Meile wieder einmal die Uhr. Der TV Bissingen erklärt am morgigen Fronleichnamstag das Asphaltband zwischen Dachs-bühl und Breitenstein zum neunten Mal zur Rennstrecke für Hobbyradler.

BERND KÖBLE

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Jede Sportart hat ihr eigenes Schreckgespenst. Bekommen manche Leichtathleten schon beim Gedanken an die Stadionrunde schwere Beine, lässt den Radsportlern jedes Bergzeitfahren über kurze Distanz den Puls schon vor dem Start in die Höhe schnellen. Der Turnverein der Seegemeinde mit seiner Alpin- und Radsportabteilung hat 1998 sein eigenes lokales Format in dieser Sparte kreiert. Damals stellten sich etwa 100 Hobbyradler dem Kampf gegen die Uhr. Inzwischen sind es doppelt so viele, die dem inneren Schweinehund auf der Bissinger Meile die Stirn bieten. Auf einer Strecke, die es in sich hat: 1,6 Kilometer lang, mit einer Höhendifferenz von knapp 100 Metern. Zu Beginn leicht abschüssig, später sanft aber stetig ansteigend. Der asphaltierte Wirtschaftsweg, auf dem ansonsten Traktoren zu den Feldern knattern, ist ein echter Härtetest für alle, die ihre Leistungsgrenze kennen lernen und sich dabei mit Gleichgesinnten messen wollen.

"Der Vergleich mit anderen macht den Reiz der Bissinger Meile aus", meint Vereinssprecher Rolf Braun. Trockenes Wetter mit angenehmen Temperaturen um die 20 Grad sagen die Meteorologen für den morgigen Feiertag voraus optimale Bedingungen also für Höchstleistungen unter freiem Himmel. Ob damit auch die bisherige Bestmarke in Gefahr gerät, ist die spannende Frage, die sich nicht nur der Veranstalter stellt. "Nach vier Jahren wäre eigentlich mal wieder ein neuer Streckenrekord fällig," versucht Rolf Braun den Ehrgeiz der Teilnehmer zu schüren.

In weniger als 2.50,56 Minuten müsste die Strecke allerdings hinter sich bringen, wer als neuer Rekordhalter gefeiert werden will. So schnell war 2002 der Kirchheimer Jürgen Bauer (TSV Weilheim) und seitdem keiner mehr. Vielleicht gelingt es ja ihm, die eigene Marke zu unterbieten, denn nach letztjähriger Abstinenz, will der Titelverteidiger morgen wieder am Start sein. Bei den Frauen hat die Bestmarke gar länger überlebt: Die 3.47,15 Minuten der Kirchheimerin Heike Schall stammen aus dem Jahr 2000.

Bei allem Ehrgeiz hat auch der Spaß seinen Platz auf der Bissinger Meile. Das beweist die Vielfalt der Gefährte, mit denen sich manche auf die Strecke wagen. Ob mit Rennrad, Mountainbike, Tandem, auf Inlinern oder mit dem Fahrradanhänger, in dem der Nachwuchs juchzt der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. "Mit dem Einrad war bisher noch niemand am Start", sagt Rolf Braun. "Darauf warten wir noch." Gestartet wird morgen wie immer in getrennten Klassen: Von 10 bis 15 Uhr dürfen die Radler ran; von 15 bis 16 Uhr sind dann die Inline-Skater an der Reihe. Die Siegerehrung findet gegen 17 Uhr vor dem Festzelt statt.