Lokalsport

Lado Fumic gibt nicht auf: Peking neues Fernziel


THOMAS PFEIFFER

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KIRCHHEIM/ATHEN Samstag, 28. August 2004, gegen 12 Uhr Athener Ortszeit: Der schwärzeste Tag in der Laufbahn des Mountainbike-Profis Lado Fumic. Wegen eines noch aus ungeklärten Gründen sich in seine Einzelteile auflösenden Karbonsattels hatte der Kirchheimer nach einem Tempostart bis an die Spitze des Pulks aufgeben müssen eine bittere Enttäuschung. "Ich habe geweint", rekapitulierte Fumic gestern die Schreckminuten am Berg Parnitha, wo er als Mitfavorit angetreten war, sich und Deutschland einen Medaillentraum zu erfüllen. Vier Jahre harte Trainingsarbeit wegen eines seltenen Materialfehlers mit einem Schlag zunichte gemacht Fumic fühlte sich am Olympiaberg so, als hätte man "mir die Familie weggenommen, und gleichzeitig brennt dein Haus noch ab." Ohnmächtig vor Wut eben.


In der Stunde tiefster Enttäuschung denkt jeder über Konsequenzen nach. Fumic tat das in Athen auch, und als erstes nach dem Olympiadesaster wollte er sich eigentlich abreagieren: "Den kaputten Sattel wollte ich in meiner ersten Wut auf der Stelle zerhacken." Der Mann kroatischer Abstammung tat's nicht, sinnierte aber kurz darüber, die Brocken ganz hinzuwerfen. "In solchen Situationen geht einem viel durch den Kopf", sagte Fumic, der sämtliche Rücktrittsgedanken aber wieder verwarf. Der Frust freilich saß tief der Frust über ein unverschuldetes Olympia-Aus. "All unsere Vorbereitung war ausschließlich auf die Olympischen Spiele ausgerichtet", sagte der Kirchheimer, "und jetzt das."


Gestern, drei Tage nach dem Rennen, warteten Lado Fumic und Bruder Manuel (23) dem strahlenden Überraschungs-Achten gegen 12 Uhr mittags auf den Rückflug nach Deutschland. Stimmung am Athener Flughafen: weiterhin etwas gedrückt. "Solch ein Pech bei Olympischen Spielen steckt man nicht so einfach weg", sagte Lado Fumic. Trotz des Rückschlags wolle er seinen Job als Mountainbike-Profi auch in den nächsten Jahren ausüben. "Ich mache weiter", erklärte er, "meine Planungen gehen ab sofort in Richtung der Spiele 2008 in Peking." Dort soll, womöglich wieder im "Doppelpack" mit Bruder Manuel, alles besser laufen, besser als in Athen.


Vorher wird Lado Fumic, sagt er selbst, "erstmal in ein Loch fallen". Wie lange die olympische Wunde schmerzt, ist offen, sicher indes, dass sie rasch abheilen muss: Die nächsten Mountainbike-Rennen warten. Schon bei den bevorstehenden Weltmeisterschaften im französischen Les Gets (9. bis 12. September) bietet sich Lado Fumic die Chance, mit einem Treppchenplatz Olympia vergessen zu machen. Er selbst, im Vorjahr Achter, ist diesbezüglich allerdings skeptisch ("ich muss jetzt neue Spannung aufbauen, aber nach den Olympischen Spielen fällt das schwer").


Kein Skeptiker ist Florian Kurz. Der befand das Abschneiden der T-Mobile-Mountainbiker in Athen als "nicht so schlecht". Kurz, Manager des weltweit stärksten Rennstalls und Augenzeuge des Wettbewerbs: "Mit dem Niederländer Bart Brentjens haben wir immerhin einen Bronzemedaillengewinner in unseren Reihen, und Manuel Fumics achter Platz war ja auch ganz ordentlich." Nur mit dem Rennverlauf bei Lado Fumic haderte auch er. Kurz kündigte eine genaue Ursachenforschung über den seltenen Sattelriss an.


Die Auflösung wird auch Manuel Fumic interessieren. Der 23-Jährige, aus nationaler Sicht einer der Gewinner der Spiele, konnte sich nach dem unfreiwilligen "Kurzbahn"-Rennen seines Bruders so recht nämlich auch nicht freuen.

Frust und Lust in Athen: Manuel Fumic (r.) jubelte über Platz acht Bruder Lado (l.) packte nach einem Satteldefekt, der ihm das vorzeitige Aus beschied, die kalte Wut.