Lokalsport

"Lado Fumic ist mein großes Vorbild"

Entweder Mountainbike-Profi oder Realschullehrer: Die derzeit präferierten Berufsalternativen des 17-jährigen Benedict Bosler. Das Nachwuchstalent des MTB-Clubs Teck fährt derzeit auf Freiburg ab: Dort hat er sich seit Dezember 2004 im Sportinternat eingeschrieben und verfolgt hohe sportliche Ziele.

THOMAS PFEIFFER

KIRCHHEIM/FREIBURG Leichtgefallen ist Benedict Bosler der Umzug nach Freiburg gewiss nicht. Die alten Kumpels weg, die Klassenkameraden auch, die Familie, die man nur noch an ausgesuchten Wochenenden zu Gesicht bekommt für einen heimatverwurzelten 17-Jährigen kann eine derartige Zäsur ganz schön hart sein.

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Für das Jungtalent des Mountainbike-Club Teck, das zum baden-württembergischen Landesjugendkader zählt, war die Wohnortverlagerung von Kirchheim nach Freiburg auch nicht von Pappe. Doch jetzt, nach knapp einem halben Jahr im Breisgau, hat er sich gut eingelebt. "Mit gefällt's hier ausgezeichnet", bestätigt er. Benedict Bosler ist Schüler am Sportinternat Freiburg ein Privileg. Stolz zählt er jene Mitschüler(innen) auf, die wie er die Aufnahmekriterien erfüllt haben, jetzt zusammen mit ihm im Katholischen Lehrlingsheim der Stadt wohnen und am nahe gelegenen Olympiastützpunkt die Doppelausbildung Schule/Sport genießen: "Zwei Ruderer, zwei Leichtathleten, zwei Ringer, ein Basketballer, ein Fußballer." Kommen noch die Montainbiker hinzu: Die stellen im Heim das absolute Gros (6).

Benedict Bosler hatte die Wahl: entweder Olympiastützpunkt Stuttgart oder Olympiastützpunkt Freiburg. Dass er letztlich die Kaderschmiede im Dreiländereck vorzog, hatte auch persönliche Gründe: Vater Albert, nach knapp 14-jähriger Tätigkeit als Ringertrainer des VfL Kirchheim inzwischen zum Mountainbike-Fachwart des Württembergischen Radsport-Verbandes (WRSV) aufgestiegen, kennt den MTB-Landes- und Freiburger Stützpunkttrainer Bernd Ebler (Kirchzarten) gut. Der Rest ging schnell. Benedict Bosler ("in Freiburg gibt's die besseren Trainingsbedingungen") hat seine Ortswahl in keiner Sekunde bereut.

Der junge Mann will hoch hinaus am liebsten auf den Spuren eines Lado Fumic: "Einmal Mountainbike-Profi zu werden, ist mein größter Traum", sagt Benedict Bosler, "Fumic ist mein Vorbild." Fürs große Ziel setzt er sich täglich bis zu fünf Stunden auf sein Mountainbike, spult zwischen 60 und 100 Kilometer herunter. Der Vater findet's gut, sagt: "Das Beste ist, dass er die Trainingsstrecken direkt vor der Haustür hat." Albert Bosler, der fürs Sportinternat jeden Monat 225 Euro hinblättern muss, verknüpft die schulische und sportliche Schinderei seines Sohnes mit der Hoffnung, dass dieser in den nächsten Jahren zweifach reüssieren wird: Neben dem angestrebten Abitur (2007) käme auch ein Profivertrag für Benedict gerade recht. "Er träumt von der Aufnahme im Rothaus-Cube-Team", sagt Albert Bosler.

Der Sohnemann steckt voller Ehrgeiz und Tatendrang ist aber kein Illusionist: Dass europaweit weniger als 50 Mountainbiker richtig gut leben können von Profi-Tantiemen, weiß auch er. Was also, wenn's in naher Zukunft nichts wird mit einem Kontrakt und der großen Mountainbike-Karriere? "Dann schaffe ich mir eben ein anderes Standbein: Ich studiere und werde Realschullehrer", sagt Benedict Bosler. Neulich traf der 17-Jährige im Kraftraum übrigens einen, dem der Sprung in die Schlagzeilen dereinst problemlos gelungen war: Skisprung-Weltmeister Martin Schmitt. Der hatte nachweislich überdurchschnittlich viel Talent wie viel Talent bringt Benedict Bosler mit? Der junge Kirchheimer, der in seiner noch kurzen sportlichen Vita die Plätze 16 (2003) und 8 (2004) bei deutschen Jugendmeisterschaften als auffälligste Erfolge stehen hat, bastelt in Freiburg an der Selbstfindung: Die zwei kommenden Internat-Jahre werden ihm den Weg endgültig weisen. Bosler junior will "ein gutes Abitur machen und im Leistungssport nach vorne kommen", wie er selber sagt.

Dieses Marschziel findet sich übrigens auf der Homepage des Olympiastützpunktes Freiburg wieder, allerdings in anderen Worten und in getoppter Version. "Die Schule schaffen und Weltmeister werden", lautet dort die Empfehlung an die Internats-Eleven.