Lokalsport

Land in Sicht

Bei den Knights lichtet sich allmählich das Lazarett

Man kann es auch positiv sehen: Gegen die beiden unumstrittenen Topteams aus Würzburg und Gießen hätten Kirchheims Zweitliga-Basketballer vermutlich auch in Vollbesetzung den Kürzeren gezogen. Die Frage ist nur, welche Spuren die beiden vernichtenden Niederlagen vor dem Heimspiel am Samstag hinterlassen haben.

Chemnitz: Basketball-Bundesliga ProA. BV Chemnitz 99 (Niners) vs. Kirchheim KnigtsEnosch Wolfgegen Alexander Heide. Foto: Peter
Chemnitz: Basketball-Bundesliga ProA. BV Chemnitz 99 (Niners) vs. Kirchheim KnigtsEnosch Wolfgegen Alexander Heide. Foto: Peter Zschage

Kirchheim. Stürmische Zeiten für Michael Mai: Weil das Orkantief über Deutschland den Bahnverkehr zwischen Gießen und Hannover lahmgelegt hatte, musste Kirchheims Headcoach nach Spielende am Sonntagabend erst Kurs Richtung Norden nehmen. Seine Lebensgefährtin, die zum ersten Mal ein Kirchheimer Spiel besuchte, musste schließlich irgendwie nach Hause kommen. Mindestens genauso heftig wie das Gebläse vor der Gießener Halle war der Orkan, der drinnen über die Ritter hinwegfegte. 14:30 stand es nach den ersten zehn Minuten. Eine Kopie des desaströsen Anfangsviertels in Würzburg die Woche zuvor. Da hatte es 16:32 gestanden. Immerhin blieb den Knights in Würzburg die Demütigung in dreistelliger Ergebnisform noch erspart. 103:71 gegen Gießen – das ist eine schallende Ohrfeige, nach der sich kein Gegner einfach nur schüttelt und zur Tagesordnung übergeht.

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Entsprechend heftig fielen die Reaktionen am Tag danach aus. Von einem „Debakel“ sprach Kirchheims Sportchef Karl-Wilhelm Lenger, der Trainer gestand, eine „schlaflose Nacht“ verbracht zu haben. Da hilft es nur wenig, dass es gute Gründe für die Kirchheimer Chaos-Wochen gibt. Erklärungen liefert im Basketball bekanntlich ein Überangebot an Statistik. 28:40 Rebounds, 42:63 Prozent Wurfquote, 15:10 Turnovers. Trainer wissen: Damit gehst du in jeder Halle unter. Entscheidender als das, was sich auf dem Spielfeld offenbarte, ist allerdings das Geschehen im Training unter der Woche. Maximal sechs gesunde Spieler hatte Michael Mai bei der Vorbereitung auf die Spiele gegen die beiden Topteams der Pro A beisammen. Fast der gesamte Frontcourt fiel aus, nachdem sich zuletzt auch noch Ben Beran, Julian Sensley und Tobias Heintzen erkältet abgemeldet hatten. Beran und Sensley gaben ihr Bestes, doch ohne die lange Garde in Normalform standen auch Smithson und Dority im Spielaufbau auf verlorenem Posten.

Was ein ausgeglichener Kader und eine tiefe Bank bewirken, bekam vor allem Bryan Smithson zuletzt zu spüren. Die Qualitäten des Kirchheimer Spielmachers sind beim Gegner inzwischen hinlänglich bekannt. Wer es sich leisten kann, der stellt gleich mehrere gleichwertige Sonderbewacher für den US-Guard ab – Würzburg und Gießen hatten damit keinerlei Problem. „Dass wir uns mit unserem Kader in der Pro A auf dünnes Eis begeben, war vor der Saison klar“, meint Sportchef Karl Lenger. „Mit zwei Verletzten sind wir für Gegner zu leicht auszurechnen.“ Da kommt einiges zusammen: körperliche Erschöpfung, nachlassende Konzentration, fehlende Größe und Foulprobleme.

Gegen Baunach ist Besserung in Sicht. Enosch Wolf wird nach siebenwöchiger Verletzungspause wohl zurückkehren (siehe Interview rechts). Jordan Wild, der seit zehn Tagen mit einer entzündeten Patella-Sehne kämpft, könnte zumindest ein paar Minuten Einsatzzeit bekommen. Mit einem gesunden Ben Beran und der Abgezocktheit eines Julian Sensley könnte es gegen die Franken am Samstag und die Woche darauf gegen Vechta womöglich gelingen, den Schalter umzulegen. Der sturmerprobte Trainer setzt diesmal auf Rückenwind in eigener Halle. „Ich hoffe auf die Kirchheimer Fans und viel positive Energie in diesen beiden wichtigen Spielen.“

Franken-Derby sorgt für Zuschauer-Boom

Es sind die Spiele, die jeder Sport und jede Liga braucht: Vor der Saison-Rekordkulisse von knapp 5 000 Zuschauern in der Bamberger Brose Arena hat Pro-A-Aufsteiger Baunach am Sonntag im Franken-Derby gegen den Tabellenführer aus Würzburg nur knapp eine Sensation verpasst. Der ehemalige Serienmeister aus Bamberg hatte für das Spiel seine Arena zur Verfügung gestellt, nachdem klar war, dass in der 1 500 Zuschauer fassenden Halle im Nachbarort Baunach ein Großteil der Fans würden draußen vor der Tür bleiben müssen. Allein die Würzburger reisten am Sonntag mit sechs Bussen zum Auswärtsspiel nach Oberfranken. Die Begegnung, die der Favorit vom Main erst nach Verlängerung mit 98:95 gewann, war an Dramatik kaum zu überbieten. bk