Lokalsport

Langes Bangen um das Schicksal des Trainers

Nach vielen Stunden der Ungewissheit und ersten schlimmen Befürchtungen gab es gestern gottseidank das Dementi: VfL-Fußballtrainer Michael Rentschler, derzeit mit Freundin auf vierwöchigem Abenteuerurlaub in Birma, hat die Flutkatastrophe in Südasien gänzlich unbeschadet überstanden.

THOMAS PFEIFFER

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KIRCHHEIM Dies ist eine Geschichte, die zwischen den Kontinenten Europa und Asien spielt und deren Inhalt diese hochrelevante VfL-Personalfrage war: Wo ist Michael Rentschler? Der Kirchheimer Verbandsliga-Trainer, am 6. Dezember zusammen mit Freundin Ilona zu einem vierwöchtigen Trecking-Urlaub nach Birma entschwunden, hatte die VfL-Verantwortlichen seit kurzem förmlich zittern lassen: Birma liegt just in Südostasien an der Peripherie jenes Katastrophengebiets, das nach einer Jahrhundertflut schon zig tausend Opfer forderte und die Welt seit Tagen in Aufregung hält.

Wo ist Michael Rentschler? Die Spurensuche, die gestern vormittag begann, eröffnete der Sportliche Leiter des VfL. "Wir haben keinen Kontakt mehr zu Michael", erklärte Norbert Krumm am frühen Dienstagnachmittag auf Teckboten-Anfrage. Kurt Antel wisse vielleicht mehr: Der hätte dem Trainer schließlich absprachegemäß immer E-Mails mit neusten Fußballinformationen gesendet. Was der VfL-Geschäftsführer bejahte. "Ich habe Michael regelmäßig Zeitungsberichte geschickt, die wollte er dann in Internetcafes abrufen." Antel: "Ob er sie aber wirklich gelesen hat, kann ich nicht sagen. Es gab nämlich keine Lesebestätigung."

Wo ist Michael Rentschler? Der Mann, der am 6. Dezember zusammen nach Bangkok abgeflogen war, um später in Birmas Metropole Rangun endzulanden und ab da das Land auf eigene Faust als Fitnesstest zu durchwandern, machte sich völlig rar zumindest dem VfL gegenüber. "Aber es war auch nicht ausgemacht, dass sich Michael Rentschler ständig beim Verein meldet" (Antel).

Die einseitige Kommunikation ging bis Weihnachten gut bis zur großen Katastrophe. Als die ersten Horrormeldungen mit Tausenden von Toten und Hunderten von Touristen aus dem südasiatischen Krisengebiet eintrafen, kamen VfL-Funktionäre ins Grübeln. "Viele haben bei mir angerufen und sich nach dem Befinden von Michael Rentschler erkundigt. Ich konnte ihnen nichts Konkretes sagen", wie Abteilungsleiter Winfried Scholz meinte. Wie alle im Club tappte Scholz im Dunkeln: Vom Trainer nach der Jahrhundertflut nicht ein einziges Lebenszeichen.

Wo ist Michael Rentschler? Bis gestern wusste keiner was, Spekulationen schossen ins Kraut, erste Befürchtungen machten die Runde. "Wir alle zittern", erklärte VfL-Sportleiter Krumm ganz offen und meinte auch die Mannschaft. Das ungeklärte Schicksal ihres Trainers irgendwo auf hochkritischem südasiastischem Krisenterrain hielt alle in Atem.

Michael Rentschler, in Birma ohne Handy unterwegs: unerreichbar. Wohnort seiner Eltern oder möglicher Geschwister: unbekannt. Nachname der Freundin: unbekannt. Das waren die dünnen Voraussetzungen, mit der gestern die Nachforschung begann eine hektische Suche nach irgendwelchen Menschen, die Michael Rentschler näher kennen (könnten) und die über den Verbleib des Trainers deshalb vielleicht schon ein wenig schlauer sind.

Sie wurden recherchiert, doch ob VfB-Sportmanager Jochen Schneider, der mit Rentschler zusammen kickt ("ich habe keine Nachricht"), Ditzingens Spielleiter Jochen Kremer oder ein Journalistenkollege alle winkten ab. Keiner konnte Näheres sagen.

Bis die entscheidende Information dann doch noch in die Redaktionsstube durchdrang: Michael Rentschlers Vater wohnt in Brötzingen bei Pforzheim. Anruf also dort, gegen 17 Uhr: Helmut Rentschler nimmt ab und zeigt sich erleichtert. "Seit sechs Tagen habe ich von meinem Sohn nichts mehr gehört, gestern eine schlaflose Nacht gehabt. Vor genau zwei Minuten habe ich aber die erfreuliche Nachricht gehalten, dass es Michael und seiner Freundin gut geht, sie unverletzt außerhalb jeder Gefahr sind. Es geht ihnen so gut, dass sie ihren Urlaub wie geplant bis Anfang Januar in Birma fortsetzen wollen."

Als Norbert Krumm das Happyend kurz danach erfuhr, war das die "beste Nachricht des Tages" für den sportlichen VfL-Leiter.

Und so etwas wie Seelenbalsam für viele quälenden Stunden und Tage zuvor.