Lokalsport

Last Exit Offenburg?

Fumic-Brüder starten auch beim Heim-Weltcup – Sperre wohl ab Montag

Im Clinch zwischen dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR), der Nationalen Antidoping-Agentur (Nada) und den Fumic-Brüdern wird die Lage immer verworrener. Nach dem Weltcupauftakt in Houffalize erteilt der BDR auch einem Start in Offenburg grünes Licht. Für die Kirchheimer, denen eine Sperre droht, vielleicht die letzte Chance auf wichtige Weltcup-Punkte.

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bernd köble

Kirchheim. Am kommenden Sonntag macht der Weltcupzirkus der Mountainbiker Station in Deutschland. Im badischen Offenburg hat die nationale Elite zum zweiten Mal die Chance, wichtige Zähler für eine Olympianominierung zu ergattern. Für Lado und Manuel Fumic stand bis gestern außer Frage, dass sie wie schon vergangene Woche beim Auftaktrennen im belgischen Houffalize mit von der Partie sein werden. Mit Weltcup-Punkten hatten beim Saisonstart in den Ardennen beide Kirchheimer nichts zu schaffen. Das fiel insofern nicht ins Gewicht, als bis gestern Uneinigkeit darüber herrschte, ob die vom Sportgericht ab 14. April verhängte dreimonatige Sperre nun rechtskräftig ist oder nicht.

Die größte Unsicherheit in dieser Frage herrscht offenbar beim Verband selbst, der beiden Kirchheimern sowohl am vergangenen Wochenende in Belgien, als auch fürs kommende Rennen in Offenburg grünes Licht gab. Begründung: Die Sperre aufgrund zweier Meldepflichtverstöße bei der Nada treten frühestens nach Ablauf einer zweiwöchigen Einspruchsfrist in Kraft. Die Entscheidung über ein mögliches Revisionsverfahren habe aufschiebende Wirkung. Doch selbst Fumic-Anwalt Markus Höss weiß nichts von einer solchen Klausel. „Der BDR praktiziert hier offensichtlich ein Geheimrecht“, amüsiert sich der Stuttgarter Jurist und meint: „Was der Verband vertritt, lässt sich im Sportrecht nirgendwo entnehmen.“ Ein Blick in die Sportordnung des BDR schafft Klarheit. Dort steht: „Revision gegen eine Maßnahme aufgrund Doping-Vergehens ist zulässig, hat aber keine aufschiebende Wirkung.“ Gestern nun scheint man beim BDR in diesem Punkt das hektisch gesuchte Hintertürchen endlich gefunden zu haben. Es geht um die Definition des Begriffs „Doping-Vergehen“. Als dieser im Paragraf 3.7.1 (2) der BDR-Sportordnung formuliert worden sei, habe es seitens der Nada noch gar keine Abgabepflicht sogenannter „Whereabouts“ gegeben. Eine solche existiert erst seit 1. Juli 2007. „Der Passus bezog sich auf Athleten mit positivem Befund in analysierten Dopingproben“, teilt der Verband in einer Pressemitteilung mit.

Eine Wortklauberei, die an der eigentlichen Sache deutlich vorbei schrammt, denn um ein nachweisliches Dopingvergehen geht es im Fall Fumic selbstredend nicht. Nicht einmal um einen Dopingverdacht. Erst am vergangenen Sonntag nach dem Rennen in Houffalize unterzog sich Lado Fumic einem routinemäßigen Dopingtest. Es ist vielmehr die Weigerung der beiden Kirchheimer, den strikten Meldepflichten der Nada nachzukommen, die das Sportgericht Mitte März auf den Plan rief. Im Kampf gegen den gläsernen Athleten sehen sich die Brüder in einer Vorreiterrolle. Die jetzige Kraftprobe ist der vorläufige Höhepunkt jahrelanger Scharmützel mit den Kon­trollinstanzen.

Tatsächlich ist es ein bisher einmaliger Fall, mit dem sich am 30. April das Frankfurter Landgericht in erster Verhandlung zu befassen hat. Dort wollen Lado und Manuel Fumic klären lassen, ob die Auflagen der obersten Dopingwächter mit bürgerlichen Grundrechten vereinbar sind. „Der Fall ist außergewöhnlich“, bestätigt auch Rechtsanwalt Markus Höss, der eine 40 Seiten umfassende Akte bei Gericht eingereicht hat und von einem langwierigen Prozess ausgeht. Mehr als eine 50-prozentige Chance auf Erfolg mag der auf Sportrecht spezialisierte Jurist seinen Mandanten jedoch nicht einräumen. „Da wird es sehr viele Details zu klären geben.“ Die Krux: Das Ganze müsse im Gesamtkontext betrachtet werden, in dem der Radsport derzeit steht, fürchtet Höss.

Bei der Prozess-Eröffnung am Mittwoch geht es zunächst um eine Rechtsgüterabwägung. Dabei wird zunächst die Frage zu beantworten sein, ob der Verstoß gegen die Meldepflichten als schwerwiegend genug anzusehen ist, um über die beiden Mountainbike­profis ein Berufsverbot zu verhängen. Soll heißen: Ob das laufende Verfahren aufschiebende Wirkung hat und die beiden bis zu einem abschließenden Urteil ihrem Sport nachgehen können. Die Gretchenfrage für Lado und Manuel Fumic, denn von ihr hängt womöglich ab, ob die beiden weiterhin von einem Start bei den Olympischen Spielen träumen dürfen.

Die besseren Karten hält dabei der jüngere der beiden Brüder in der Hand, der nach WM-Platz fünf in Fort William 2007 das Ticket schon halb in der Tasche hat. Ihm würde theoretisch eine Top-Ten-Platzierung genügen, um beim letzten Weltcup der Saison am 8. Juni an selber Stelle die Norm zu knacken.