Lokalsport

Lauf ja Wurf nein

Um die baulichen Gegebenheiten des Kirchheimer Stadions ranken sich seit dessen Umbau im Sommer 1987 etliche Gerüchte: Die Rundbahn sei zu kurz, der Rasen zu tief, Wettkämpfe und

PETER EIDEMÜLLER

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Meisterschaften könnten deshalb nicht stattfinden. Was ist dran an diesen Vermutungen? Um als Wettkampfstätte im Sinne der vom Württembergischen Leichtathletikverbandes (WLV) gestellten Forderungen anerkannt zu sein, muss bei der Bauabnahme ein so genanntes Vermessungsprotokoll erstellt werden. Demnach hat die Rundbahn exakt 400 Meter zu umfassen, keinen Zentimenter mehr oder weniger. Dieses "Bahnzeugnis" wurde auch im Kirchheimer Fall nach Abschluss der Umbauarbeiten im Jahre 1987 erstellt, als das Stadion eine moderne Tartanbahn erhielt. Es besagt, "dass die Bahnen für die Durchführung von Laufwettbewerben qualifiziert sind", wie der Leiter des Grünflächenamts der Stadt Kirchheim, Jürgen Völker, der Bauakte von damals entnimmt. Im gleichen Atemzug bestätigt Völker jedoch, dass es sich bei den Wurfanlagen anders verhält. Diese entsprächen nicht den Anforderungen des WLV, da das Rasenspielfeld tiefer liegt als die Rundbahn und das dadurch entstehende Gefälle keine genauen Weitenmessungen erlaubt.

Rückblende: Im Mai 1986 hatte der Gemeinderat beschlossen, das Kirchheimer Stadion für 1,42 Millionen Mark (plus 115 000 Mark für Stehstufen und Flutlichtanlage) umzubauen. Allein die Tiefbau- und landschaftsgärtnerischen Arbeiten wurden auf 1,09 Millionen Mark veranschlagt. Die veralteten Aschenbahnen sollten durch modernere aus Kunststoff ersetzt werden. Sinn und Zweck der Übung: Das Kirchheimer Stadion auch als Wettkampfstätte auf Landesebene nutzbar zu machen.

Hierzu wäre es allerdings nötig gewesen, das Rasenspielfeld den Bahnen von der Höhe her anzupassen. Dies geschah auf Betreiben der Fußballabteilung jedoch nicht. In der Saison 1986/87 war der VfL als Oberliganeuling auf Rang fünf gestürmt, die Fußball-Euphorie an der Jesinger Allee war groß. Abteilungsleiter Hans Köber bastelte für die zweite Oberligasaison an einem knapp 550 000 Mark schweren Etat. Darin inbegriffen: 70 000 Mark einer Münchener Firma, die auf angemessene Präsentation ihrer Werbung pochte selbstverständlich im Stadion. Im Falle einer Nivellierung des Rasens hätte der VfL für etliche Spiele auf andere Sportplätze ausweichen müssen. "In Jesingen und Nabern wollte man uns aber nicht", erinnert sich der inzwischen 78-jährige Köber knapp 20 Jahre später. Also blieb der Rasen unberührt, der bayerische VfL-Sponsor zahlte obwohl die Stadt damals die Mittel gehabt hätte, um die Kosten für eine Nivellierung des Rasens zu stemmen. Schließlich wurden für das Jahr 1988 geplante Sanierungsarbeiten der Stadionhochbauten noch zusätzlich 1,75 Millionen Mark vom Gemeinderat bewilligt. Eine Nivellierung des Rasens hätte damals etwa eine halbe Million Mark gekostet, schätzt Köber, der über Jahrzehnte als Gartenbauunternehmer tätig war und heute offen sagt: "Wenn man so will, bin ich verantwortlich, dass am Rasen nichts gemacht wurde."

Die Kicker-Lobby innerhalb des Rathauses muss damals groß gewesen sein, bedeutet dieses Entgegenkommen doch in letzter Konsequenz, dass im teuer umgebauten Kirchheimer Stadion heute zwar Laufwettbewerbe, jedoch keine sämtliche Disziplinen umfassenden Meisterschaften stattfinden können König Fußball regiert halt doch die Welt.