Lokalsport

Leblos und reglos

VfL: Jeder scheint zu sehr mit sich selbst beschäftigt

„Verbandsliga, wir kommen!“ mit diesen Worten reagierte ein enttäuschter VfL-Fan auf das trostlose Gekicke in Gmünd. Noch hat es der Tabellenvorletzte bei immerhin zehn Heimspielen in der Hand, sich zu retten. Wenngleich bei mindestens drei, wahrscheinlich vier oder sogar fünf, theoretisch sogar sechs Absteigern die Herkules-Aufgabe mit jeder Niederlage immer schwerer wird.

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Klaus SChlütter

Schwäbisch Gmünd. Das Debakel im ersten Punktspiel des neuen Jahres hatte mehrere Ursachen. Der VfL hat seit 7. Februar kein Testspiel mehr bestritten – warum eigentlich? Die Mannschaft von Trainer Rolf Baumann startete quasi von Null auf Hundert. Im Gegensatz zur Normannia die wesentlich eingespielter wirkte. Der enge Kunstrasenplatz war ein deutliches Handicap für die Teckstädter. Die Normannen sind dessen Ausmaße und den stumpfen Belag gewohnt. Kirchheim verfügt zwar auch über einen Kunstrasenplatz, doch der enthält Granulat und hat ganz andere Spieleigenschaften, taugte daher also nicht, um sich gezielt auf die Gmünder Verhältnisse vorzubereiten.

Kirchheim musste auf drei wichtige Spieler verzichten. Emrah Polat und Ferdi Er standen zwar auf dem Spielberichtsbogen, waren aber beide noch angeschlagen. Vielleicht sind sie bis zum Hoffenheim-Spiel am kommenden Freitag (Anpfiff an der Jesinger Allee um 19.30 Uhr) wieder einsatzfähig. Fit wäre bei Er allerdings übertrieben. Mit 25 leidet er schon an einer Arthrose im Knie, die immer wieder Schmerzen bereitet.

Der dritte im Bunde der Abwesenden war Mathias Koch. Ein wertvoller Abwehrspieler, der aber offenbar sein Privatleben nicht richtig in den Griff bekommt. Donnerstag fehlte er beim Abschlusstraining, angeblich wegen einer Erkältung. Zufällig hatte an jenem Tag seine Freundin Geburtstag. Der Trainer hat sich seinen eigenen Reim daraus gemacht und Koch für das Gmünder Spiel nicht berücksichtigt. Für ihn musste Linksfuß Selim Altinsoy rechts verteidigen, während Rechtsfuß und Kapitän Christopher Eisenhardt links in der Viererkette spielte – ob‘s umgekehrt nicht mehr Sinn gemacht hätte?

Zu spielerischen und taktischen Unzulänglichkeiten gesellt sich beim VfL der Umstand, dass die Mannschaft leblos wirkt. Es fehlt an der Kommunikation auf dem Platz. Es gibt keinen Spieler, der in kritischen Situationen wie nach dem 0:2 lautstark versucht, deprimierte Kollegen wieder aufzurichten und mitzureißen. Jeder ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Reglos in solchen Situationen auch die Trainerbank. Rolf Baumann trage „olympisches Flair“ in die Pressekonferenz, hieß es bei der Vorstellung der Trainer nach dem Spiel. Schließlich habe Dieter Baumann 1992 in Barcelona die Goldmedaille über 5 000 Meter gewonnen. Rolf schmunzelnd: „Danke für das Kompliment, ich werde es weitergeben. Ich bin aber der Bruder.“

Mit Spannung erwartet wurde der Auftritt seines Gmünder Kollegen Alexander Zorniger. Schließlich gab es schon tagelang vorher Meldungen in der Lokalpresse, dass er sein Traineramt zu Saisonende niederlegen werde. „Ich habe eine Entscheidung getroffen. Nach sieben geilen Jahren will ich gucken, ob das System Zorniger auch woanders funktioniert. Jetzt wollen wir aber noch ein halbes Jahr genießen und eine richtig gute Rolle in der Oberliga spielen“, erklärte er unter großem Beifall. Einen neuen Job habe er noch nicht in Aussicht, wobei Normannen-Insider am Rande des Spiels immer wieder den VfL Nagold ins Gespräch brachten. Die Mannschaft hatte Zorniger, unter dem der FC 2007 den WFV-Pokal gewann, schon unmittelbar nach dem Abpfiff auf dem Platz über seinen Abschied informiert.

Glück im VfL-Unglück: Der Tabellenletzte Offenburger FV verlor 0:1 gegen Crailsheim, hat weiter fünf Punkte Rückstand auf Kirchheim. Mitabstiegskandidat VfR Mannheim hingegen ist dem VfL per 2:1-Sieg über die Stuttgarter Kickers II um drei Zähler enteilt.