Lokalsport

Leftakis erlebt die "Hölle"

Erfreulicher kann ein Basketball-Wochenende für einen Protagonisten wie VfL-Coach Theo Leftakis nicht verlaufen: "Seine" drei Mannschaften gewannen ihre Spiele allesamt die Knights, Deutschland und Griechenland.

KIRCHHEIM Statt in der Kirchheimer Sporthalle Stadtmitte weilte Leftakis am Samstag in der Belgrad-Arena und bejubelte die dramatischen Halbfinalsiege seiner beiden Teams Griechenland und Deutschland bei der Europameisterschaft mit jeweils nur einem Punkt. Den meisten Spielern und Verantwortlichen des VfL war klar gewesen: Der Angestellte des griechischen Basketball-Verbandes würde, wenn Griechenland das Halbfinale erreicht, nicht zum Spiel der Knights gegen Leimen erscheinen. "Es war kein Problem, den Flug von Samstag auf Montag umzubuchen. Bezahlen muss das sowieso der Verband", erklärte der inzwischen 61-Jährige und beschrieb die Stimmung in Belgrad so "Hier ist die Hölle los, ich bin die ganze Zeit total beschäftigt."

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Vor allem viele "V.I.P.s" und solche, die es gerne wären, wollen plötzlich ganz viele Eintrittskarten von Leftakis: Vom griechischen Minister bis hin zum Ex-Abteilungsleiter des VfL, Andreas Arnold, der seine Früchte-Geschäfte ja hauptsächlich von Belgrad aus führt. "Klar habe ich Andi eine V.I.P.-Karte zum Halbfinale besorgt, und zum Finale werde ich ihn auch irgendwie reinboxen", so Leftakis.

Vom überzeugenden 81:54-Sieg seiner Jungs, die er zum Teil noch kaum kennt, erfuhr er erst nach der Schluss-Sirene in Belgrad, als Dirk Nowitzki Deutschland ins Finale geschossen hatte: Ein Anruf bei Hallensprecher Karl-Wilhelm Lenger gegen 22.45 Uhr klärte ihn auf: "Da war mein Dreifach-Sieg perfekt", freute sich Leftakis. Von seinem Assistenten Pasko Tomic übernimmt der Trainer-Guru ein intaktes Team, das wurde am Samstagabend deutlich. Tomic war natürlich weder überrascht noch nachtragend: "Ich habe gewusst: Wenn Griechenland im Halbfinale spielt, bleibt er. Da haben doch alle Verständnis dafür." Der direkte Handy-Kontakt klappte zwar nicht, da Tomic seines meist abstellt, doch über Jorgo Tsouknidis und Kai-Uwe Kranz erfuhr Tomic dann doch noch, was er sowieso ahnte.

Der Kirchheimer Scharfschütze Kranz, am Samstag mit vier von elf Treffern (36 %) von der Linie gut, ist ebenfalls ein Anhänger seines Teams: "Man hat gesehen, dass wir eine gute Mannschaft sind. Mit der Betonung auf Mannschaft." Das Team hat 40 Minuten ununterbrochen gefightet. Das musste auch Gästecoach Michael Haidle anerkennen: "Heute gabs für uns nix zu holen. Aber was wir gezeigt haben, baut mich eher auf: Bei uns kann was zusammenwachsen, Platz sieben oder acht müsste drin sein."

Die Kirchheimer Ziele sind da natürlich etwas höher, aber nach diesem ersten Spieltag sind Spekulationen über die wahre Stärke des VfL wie der Konkurrenz natürlich unsinnig. Im Spitzenspiel FV Weißenhorn gegen SSC Karlsruhe (97:94) machte am Ende Al Elliott (vorher MTV Stuttgart) den Unterschied aus, SSC-Coach Drazan Salavarda lobte den Gegner: "Die haben eine sehr clevere Mannschaft."

Am Sonntagabend siegte im Südwest-Derby der neben Kirchheim andere Topfavorit und Titelverteidiger KGJ Schwenningen beim bärenstarken Aufsteiger TV Konstanz dann doch souverän 87:72 (39:37). Fazit des Spieltages: Die Favoriten Schwenningen, Kirchheim und Weißenhorn sind wohl tatsächlich so stark, wie der Rest befürchtet hatte die Fans erwartet eine tolle Saison.

mad