Lokalsport

Leise Töne vorm Sprung über den großen Teich

Zurückhaltung statt der sonst üblichen Offensiv-Parolen begleitete die Fumic-Brüder beim Abflug zum fünften Weltcup-Lauf im kanadischen Mont Sainte Anne. Stefan Sahm indes freut sich auf ein "richtiges Mountainbike-Rennen."

EDGAR VELOCI

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KIRCHHEIM Die Tonlage hat sich zumindest vorübergehend verändert. Vor den ersten vier Weltcup-Rennen dieser Saison hatten Lado und Manuel Fumic ihre Ziele hoch gesteckt. Aus verschiedenen Gründen blieben sie hinter ihren eigenen Erwartungen zurück zumindest was die nackten Resultate angeht. Erst der Doppelsieg bei den deutschen Meisterschaften in Albstadt genügte den eigenen Ansprüchen.

Dass sich das Duo jetzt, zwei Tage vor dem nächsten Weltcup im kanadischen Mont Sainte Anne in Zurückhaltung übt, hat mit veränderten Prioritäten zu tun: Manuel Fumic hat beschlossen, sich auf die EM Ende Juli in Belgien und die WM Anfang September im italienischen Livigno zu konzentrieren. Deshalb hat er nach den deutschen Titelkämpfen bereits begonnen, längere Einheiten zu trainieren. Daraus erklärt sich, warum er die Frage nach seinen Zielen in Mont Sainte Anne etwas verhalten beantwortet: Er wolle abwarten, wie die Beine sind, sagt er. "Ich will schon ein super Ergebnis, aber ich weiß, dass die Vorbereitung dafür nicht optimal ist."

Der technisch sehr schwere und unrhythmische Kurs in Mont Sainte Anne ist eigentlich ein gutes Pflaster für die beiden Kirchheimer. Manuel lag letztes Jahr auf Rang acht und war auf dem Weg zu seinem bis dahin besten Weltcup-Resultat, als der Regen einsetzte und die falschen Reifen ihn noch auf Platz 13 zurück warfen. Mit Ausnahme des vergangenen Jahres, als ihm kurz vor dem Rennen der Rahmen gebrochen war, verzeichnete Lado mit einem fünften (2002) und einem dritten Platz (2003) in Kanada Top-Ergebnisse. Und was erwartet er in diesem Jahr? Lado Fumic zuckt vielsagend mit den Schultern: Die Ambitionen sind zweifellos vorhanden, doch es schwingt auch Unsicherheit mit.

Um die bisherige Weltcup-Bilanz aufzupolieren bieten sich freilich nicht mehr allzu viele Gelegenheiten. Die nächste Station Brasilien lassen die Fumic-Brüder wie alle anderen deutschen Fahrer aus. Nur Sabine Spitz und Ivonne Kraft vertreten die nationalen Farben in Santa Catarina. Zu Weltcup Nummer sieben in New Mexico (USA) wird der deutsche Tross vermutlich noch einmal über den großen Teich jetten. Zum Ende bleibt nur noch das Finale in Schottland.

"Top-Ten im Gesamtweltcup wäre gut, aber wichtiger ist ein Einzel-Ergebnis", sagt Lado Fumic. Auch er hat die Europa-und Weltmeisterschaft im Kopf. Dabei bietet der Kanada-Weltcup am Samstag (Start 20 Uhr MEZ) durchaus gute Chancen, weit vorne zu landen. Olympiasieger Julien Absalon (Frankreich) verzichtet auf einen Start, aus der Schweiz sind nur Ralph Näf und der Weltcup-Führende Christoph Sauser dabei. Auch der Drittplatzierte Marco Bui (Italien) hat sich verletzt abgemeldet.

"Ich freu mich auf ein richtiges Mountainbike-Rennen." Der ironische Unterton in der Stimme von Stefan Sahm ist nicht zu überhören. Das flache, technisch einfallslose Bundesliga-Rennen vom vergangenen Samstag ist dem Bissinger in schlechter Erinnerung geblieben. Der fünfte Weltcup-Lauf in Übersee hingegen ist Cross-Country pur. Mont Sainte Anne, eine Autostunde nordöstlich von Quebec entfernt am St.-Lorenz-Strom gelegen, ist ein Traditionsort für die Mountainbiker. Der Kurs ließe sich als typisch kanadisch bezeichnen: Steile Anstiege und zahlreiche Passagen, in denen Steuerkunst gefragt ist. "Ich liebe Kurse, auf denen man mit Auge fahren muss", sagt Stefan Sahm. Keine Frage, dass er sich für Samstag einiges vorgenommen hat. Zumindest das, was ihm vergangenes Jahr durch einen Kettendefekt verwehrt geblieben ist: ein Platz unter den besten 20.