Lokalsport

Lenningen zum richtigen Zeitpunkt hellwach

Mit die schönste Ansage bei der Jahresfeier des TV Unterlenningen am Samstagabend war das Spielergebnis des Handball-Knüllers SG Lenningen gegen den TSV Weilheim. Moderator Werner Schubert verpackte den 29:25(16:15)-Sieg der Lenninger in launige Worte, die im tosenden Beifall untergingen. Kurz zuvor hatte es in der Sporthalle Standing ovations für die Blauen gegeben.

LENNINGEN Es war ein Spiel, das mit hohem Tempo und Dynamik von beiden Seiten geführt wurde und das trotz seiner großen Bedeutung äußerst fair blieb. Der Lenninger Erfolg ruhte auf drei Säulen: einem absoluten Siegeswillen, Teamarbeit und drei Spielern, die dem Abend ihren Stempel aufdrückten: Marc Segeritz und Christoph Wiesinger, denen vorne fast alles gelang und hinten ein gewohnt sicherer Abwehrchef Jochen Renz, der vor allem in der zweiten Hälfte die Weilheimer Angriffszentrale ausschaltete.

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Die Gäste blieben 60 Minuten lang in der eigenen Taktik gefangen. Dabei begann Weilheim stark. Aus dem Rückraum trafen Martin Weiss und Heiko Binder nach Belieben. Über ein 5:3 zog Weilheim auf 8:6 weg. Vor allem auf der linken Seite deckte Andreas Bleher anfängliche SG-Abwehrschwächen gnadenlos auf. Lenningens Torhüter Sven Lamparter, zunächst rat- und chancenlos, konnte in der 20. Minute den ersten Ball abwehren. Plötzlich führte Lenningen 13:11. Ein halbes Dutzend von Marc Segeritz brachte Lenningen auf die Siegerstraße. Ob knallhart unterdie Latte oder langgezogen die Nummer vier der Gastgeber traf nach Belieben und TSVW-Coach Dieter Schlichtenmayer nahm eine Auszeit.

Horst Patek ging und Markus Mayer wechselte auf Weilheimer Seite zwischen die Pfosten. Der kam besser ins Spiel, ohne jedoch die Lenninger am weiteren Ausbau ihres Vorsprungs zu hindern. Schnellstarter Christoph Wiesinger war auf der linken Seite nicht zu halten. Drei Chancen, drei Tore. Erst beim vierten Versuch setzte er den Strafwurf über die Latte. Aber Weilheim blieb dran. Schnelle Ballwechsel zogen die SG-Abwehr auseinander. Ganz links hatte Andreas Bleher Freiräume, weil Jens Kirschmann sein Helfersyndrom nicht abschütteln konnte. Er rückte auf die Halbrechtsposition, Bleher war frei und traf ins lange Eck. Es blieb spannend.

Blitztor vor dem PausenpfiffVolker Allgaier, immer noch verletzungsgeplagt, jagte den Ball eine Minute vor der Pause zum 15:15 ins Netz und alle dachten, das wäre der Halbzeitstand. Doch Christoph Wiesinger bestrafte die Weilheimer Sorglosigkeit. Sekunden vor dem Pfiff bescherte sein Blitztor die 16:15-Pausenführung. Bei Pausengesprächen analysierten beide Fan-Lager das Spiel. Den TSVW-Anhang beschäftigte vor allem die Frage, wie Weilheim sein Angriffsspiel variabler gestalten würde. Die rechte Außenbahn war im ersten Durchgang so gut wie nicht besetzt. An Markus Gomringer lief das Spiel vorbei.

Zunächst hielten die Gäste Kontakt. Volker Allgaier mit kurzem Antritt verkürzte zwei Minuten nach Wiederanpfiff auf 16:17. Zwei gute Kontermöglichkeiten wurden nicht genutzt. Dann Aufstöhnen bei den SG-Fans: Steffen Kazmaier scheiterte zweimal an Markus Mayer. Jetzt rückten zusehends die Torhüter ins Blickfeld. Weilheims Rückraum, bei Jochen Renz weitgehend abgemeldet, hatte lange Laufwege und rieb sich auf. Die Entscheidung fiel dann Mitte der zweiten Hälfte. Auf halblinks hatte Wiesinger an der Neun-Meter-Marke freie Auswahl und setzte den Ball flach ins lange Eck.

Im SG-Torreigen mischten jetzt auch Jochen Leitner, Jochen Gökeler und Hagen Braunwarth mit. Geschickt fädelten Steffen Kazmaier und Marc Segeritz Anspiele ein. Die beschränkten sich auf Weilheimer Seite auf Gerhard Bächle: Zweimal angespielt, zweimal erfolgreich. Doch dies war zu wenig. Auch deshalb, weil die Limburgstädter ihre Außen gänzlich vergaßen. Die SG hingegen hatte Segeritz und Wiesinger, deren Torhunger an diesem Abend nicht zu stillen war. Über 23:18 setzte sich der Tabellenführer auf 26:20 ab.

Wo blieb die Weilheimer Taktikänderung? Selbst als Lenningen im Angriff patzte, führten Gegenstöße der Roten nicht zum Erfolg, weil bereits im Mittelfeld die Bälle verloren gingen. Auch aus SG-Zeitstrafen in den letzten zehn Minuten drückten drei Spieler die Strafbank, konnte Weilheim kein Kapital schlagen. Im Gegenteil: Segeritz legte in Unterzahl nochmals zum 28:22 nach. Lenningen mit den schnelleren Beine im Finish. Wie sehr die SG ans Limit ging, bewies ein Segeritz-Konter Sekunden vor Schluss, als ihn nur ein Wadenkrampf stoppen konnte.

döl

SG Lenningen:

S. Lamparter, Tombrägel, Segeritz (10), Wiesinger (9), Gökeler (3), Braunwarth (2), J. Lamparter (2), Leitner (2), Renz (1), Kazmaier, Kirschmann Schwohl.TSV Weilheim:

Patek, Mayer; Binder (6/2), Allgaier (5), Weiss (4), Bleher (3), Schill (3), Bächle (2), Traxler (1), Dörr (1) Gomringer, Rack.Zuschauer:

480 Schiedsrichter:

Illg/Illg (Remshalden) hatten das Spiel im Griff.