Lokalsport

Lenninger machen Unmögliches möglich

Unverhofft kommt oft. Der bereits angezählte Handballlandesligist SG Lenningen hat sich mit einem 26:25-Sieg gegen den Tabellenführer HC Wernau eindrucksvoll im Kampf gegen den Abstieg zurückgemeldet.

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Lenningen. Es scheint so, als ob den Lenningern Mannschaften aus der oberen Tabellenregion besser liegen. Schon im Hinspiel in Wernau, das knapp mit 22:23 verloren ging, rief die Kiedaisch-Sieben eine gute Leistung ab. Noch besser war sie am Samstag, was jedoch nicht das einzige war, das auf Wernauer Seite für Frust sorgte. „Uns wurden bei der Zeitnahme zehn Sekunden gestohlen. Da bin ich von der SG ein anderes Fair Play gewohnt“, grantelte HC-Coach Frank Ziehfreund, der trotz der Niederlage keine Vorschusslorbeeren in Sachen Titel annehmen will. „Ich kann es nicht mehr hören – überall wo wir hinkommen, wird uns schon zur Meisterschaft gratuliert“. Sein Spielfazit: „Am Schluss haben wir einfach zu viel verworfen und unglückliche Schiedsrichterentscheidungen waren auch dabei“.

In einer ganzen anderen Gefühlslage bewegte sich da SG-Trainer Holger Kiedaisch: „Heute haben wir endlich einmal wieder das Siegesbewusstsein ausgestrahlt, das uns in den letzten Spielen so gefehlt hat. Es war einfach super, wie wir in der ersten Hälfte die Gegenstöße verwertet haben“. Und davon gab es eine ganze Handvoll. Einer der wertvollsten Passgeber war Jens Kirschmann der mit Christoph Wiesinger einen kongenialen Partner zur Seite hatte. Das wäre jedoch gegen die tempostarken Wernauer zu wenig gewesen. Angriffspower bis zur letzten Minute zeigten auch Ricki Austen, Timo Haid und Jan Lamparter.

Nach dem 1:2-Rückstand legten die Gastgeber richtig los. Die SG-Fans trauten ihren Augen nicht. War das die Mannschaft, die in der Vorwoche noch in Dettingen untergegangen war? Bereits nach 15 Minuten musste Ziehfreund eine Auszeit nehmen, nachdem Haid das 7:4 geworfen hatte. Bei der HC reduzierte sich das Angriffsspiel auf Ivan Toldo, Manuel Tremmel und Matthias Bristle – das war zu wenig. Im Abwehrverbund arbeitete Lenningen konzentriert, was die Aufgabe für Matthias Carrle im Tor erleichterte. Und der biss nach einem Kopftreffer von Ralf Burkhart die Zähne zusammen, parierte einen Strafwurf und nahm dem HC noch weitere 17 Würfe weg. Zur Pause führte die SG 13:10.

Bei den SG-Fans drehten sich die Pausengespräche darum, ob diese Leistung auch im zweiten Abschnitt abgerufen werden konnte – sie konnte. Nach dem zweiten 30-Meter-Pass von Kirschmann warf Wiesinger das 15:11 (34.) und Haid mit einer Trefferquote von 80 Prozent legte zum 16:12 (36.) nach. Nur bei Toldos schnellen Antritten hatte die Lenninger Abwehr Probleme. Probleme anderer Art gab es auf der SG-Bank, die das Aus- und Einwechselmanagement nicht beherrschte. Folge: Zwei Mal zwei Minuten Strafzeit. Verunsichert zeigten sich die Gastgeber deshalb nicht. Erst, nachdem Austen im Liegen einen langen Ball auf Wiesinger gespielt hatte und dieser zum 23:18 (48.) traf, war zu spüren, dass der SG die Kraft ausging – der Vier-Tore-Vorsprung schmolz wie Schnee.

Thomas Götz und Manuel Tremmel drehten das Spiel und warfen die 24:23-Führung (55.) heraus. Als dann Haid und Pisch zwei Chancen nicht nutzen konnten und Carrles Abwurf zu kurz geriet, wankte die SG. Lenningen, jetzt etwas kopflos aber mit einem großen Kämpferherz, schaffte das Unmögliche: Austen und Haid sorgten mit ihren Treffern für den umjubelten 26:25-Endstand. döl

SG Lenningen: Carrle, Attinger – Austen (7), Haid (6), Wiesinger (5), Lamparter (4), Ringelspacher (2), Braunwarth (1), Kirschmann (1), Pisch, Schur, Wald

HC Wernau: Müske – Tremmel (8/3), Bristle (5), Blansche (3), T. Götz (3), Toldo (3), Benignus (2), Burkhart (1), Fehringer, A. Götz, Kehle, Leuze, Scheerer, Zeeb

Zuschauer: 220

Schiedsrichter: Kern/Kommer (Reutlingen)