Lokalsport

„Letztes Jahr hat einfach alles gepasst“

Der Kirchheimer Jugendnationalmannschafts-Mountainbiker Lukas Kuch hat die WM im Visier

Der Kirchheimer Junioren-Mountainbiker Lukas Kuch gehört seit dieser Saison fest zum deutschen Nationalkader. Internationale Luft im Deutschlanddress durfte der 17-Jährige zum ersten Mal im vergangenen Jahr schnuppern. Sein nächstes Ziel: die Weltmeisterschaft im September in Kanada.

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Sascha meissner

Kirchheim. Zum Interview kommt er standesgemäß mit seinem Arbeitsgerät: „Bei dem Wetter ist Fahrradfahren doch ein Traum“, schwärmt er. Morgens drückt Lukas Kuch noch die Schulbank in der Kirchheimer Schöllkopf-Schule, mittags geht‘s trainieren. Fünf bis sechs mal pro Woche schwitzt er streng nach einem individuellen Trainingsplan, den er vom Nationaltrainer erhält. Logisch, dass die Schule da manchmal ein wenig leidet: „Klar schwinge ich mich lieber aufs Rad statt zu lernen“, schmunzelt er. Was er beruflich nach der Schule machen will, weiß er noch nicht genau. „Am liebsten was mit Sport, vielleicht Physiotherapie.“

Später einmal vom Mountainbiken zu leben, kann er sich schwer vorstellen. „Mountainbiking ist nicht planbar“, meint der Nationalfahrer, „aber ich will auf jeden Fall mein Bestes versuchen.“ Dass er während der Saison abends nie mit Freunden weggehen und auch keine anderen Hobbys pflegen kann, stört ihn nicht so sehr, wie man vermuten könnte. Er erklärt es so: „Jeder muss eben seine Prioritäten setzen. Wenn ich für Deutschland bei Weltcups gute Platzierungen einfahren kann, macht mich das zufriedener als abends feiern zu gehen“, meint er. „Da muss man auch der Typ dafür sein.“ Der Erfolg gibt ihm Recht: Bei seinem ersten Einsatz fürs Junioren-Nationalteam erreichte er auf Anhieb den 13. Platz und war damit bester Deutscher.

Da zahlt sich das tägliche, bis zu vier Stunden lange Training aus. Dabei radelt der Nachwuchsfahrer nicht nur, sondern geht zusätzlich noch ins Fitnessstudio oder macht koordinative Übungen. Auch Langlauf im Winter gehört zum Training. In den zurückliegenden vier Jahren, die er seinen Sport erst ausübt, ging es steil nach oben. Die Gründe dafür sieht er auch in seiner körperlichen Entwicklung: „Ich war schon immer einer der Kleineren, aber je älter ich werde, desto mehr gleicht sich das aus“, sagt der Kirchheimer. „Ich habe jedes Jahr einen Leistungssprung gemacht“, stellt er fest. „Letzte Saison hat dann alles gepasst.“

An sein erstes Rennen für den BDR erinnert er sich noch genau: „Ich war tierisch aufgeregt, das war etwas ganz Besonderes.“ So aufgeregt, dass er bei seinem zweiten Einsatz im Nationaldress seine Fahrradhandschuhe vor dem Start vergaß. „Mein Trainer ist dann zum Auto gerannt und hat sie geholt“, erzählt er lachend. Genützt hat es nicht viel. Mit dem Startschuss hatte Kuch die Handschuhe zwar in der Hand, aber keine Zeit mehr, sie anzuziehen. Kurzerhand warf er sie weg, um sie in der nächsten Runde schließlich überzustreifen.

Sein Erfolgsrezept: Weißbrot mit Erdbeermarmelade vor dem Rennen. Ein Leben strikt nach Ernährungsplan – das fällt ihm nicht immer leicht, wie er augenzwinkernd verrät. Zum Mountainbiken kam Lukas Kuch über verschiedene andere Sportarten. Er hat gekickt und ist Ski gefahren, doch als er mit Radfahren begann und relativ schnell die ersten Rennen fuhr, musste der Rest zurückstecken. „Wenn man schon Rennen bestreitet, will man ja nicht hinterherfahren“, beschreibt er seinen Einstieg in die Radwelt.

Dieses Jahr möchte er seinen Platz im Nationalteam verteidigen und zur Junioren-WM nach Kanada fahren. „Ein Podestplatz in der Junioren-Bundesliga wäre auch nicht schlecht.“ Den Grundstein dafür kann er bereits am morgigen Sonntag legen. In Buchs (Schweiz) fährt er für den MTB Teck beim Racers Cup sein erstes Saisonrennen. Mit dabei sind auch seine Nationalmannschaftskollegen, da­runter sein Vereinskamerad Christian Pfäffle. Das Rennen soll ein erster Härtetest für die neue Saison sein: „Ich will vor dem Bundesligastart in zwei Wochen in Münsingen meine Form testen.“ Das Streckenprofil hält einige steile Anstiege bereit. Für einen Kletterexperten wie ihn keine schlechten Voraussetzungen.

Welche Schlagzeile er gerne einmal über sich lesen würde? „Ungern würde ich vor einem Rennen lesen, dass ich unbedingt eine bestimmte Platzierung erreichen muss. Es reicht, wenn danach drinstehen würde, dass alles gut gelaufen ist.“ Auf der Internetseite seines Vereins MTB Teck klingt das schon forscher. Motto: „Wer bremst, verliert.“ 2010 will er seinen Führerschein machen. „Bisher hatte ich noch keine Zeit dazu“, sagt er. Sein Mountainbike-Motto sollte er beim Fahren auf vier Rädern dann allerdings nicht wörtlich nehmen.