Lokalsport

Lindachtal-Trio trotzt dem härtesten Rennen der Welt

„Wenn der Teufel Ski fahren würde, wäre das Infernorennen in Mürren seine erste Wahl“. Diesem Motto folgte auch heuer ein Trio der Renngemeinschaft Lindachtal ins Berner Oberland zur 66. Auflage des größten und härtesten Amateurskirennens der Welt.

Mürren. Erstmals 1928 von skiverrückten Engländern ausgetragen, gilt das Infernorennen als größtes Amateurskirennen der Welt. Die Teilnehmerzahl ist auf 1 800 beschränkt und jedes Jahr müssen ebenso viele Startwillige abgewiesen werden. Die abwechslungsreiche, spezielle Topografie macht den Reiz dieser 15,8 Kilometer langen Strecke aus.

Der Start liegt unterhalb des kleinen Schilthorn in 2850 Metern Höhe. Danach folgt der steile Hang hi­nunter in die Schilthorntraverse. Hier sind schnelle Ski und eine tiefe Hocke entscheidend. Durch das Kontrolltor Engetal geht es entlang der Schwarzgrattraverse durch das lang gezogene „Heiße Egg“ bevor man ins Kanonenrohr schießt. Nach einem weiteren Doppel-S und der scharfen Links-Rechts-Kombination beim Kontrolltor Höhenlücke, beginnt der Aufstieg im Wald. Die abschließende Abfahrt bringt die Rennläufer hi­nunter nach Winteregg und von dort auf einem sechs Kilometer langen Waldweg bis nach Lauterbrunnen auf 820 Metern.

Für Bernd Holl, den Kombinierer im Lindachtal-Team, begannen die Wettkämpfe mit einem Nachtlanglauf durchs verschneite Dorf Mürren. Die zwei Kilometer lange Strecke mit dem langen, steilen Aufstieg „Palace-Run“ galt es dreimal zu umrunden. Für den Weilheimer zahlte sich das wochenlange Training am heimischen Hesel bei Böhringen aus: Holl belegte den 29. Rang.

Tags drauf erfolgte auf der Mürrener Fis-Rennstrecke der Start zum Riesentorlauf. Die Rennleitung flaggte auf dem kupierten Gelände einen anspruchsvollen aber fairen Lauf aus, bei dem Bernd Holl den 36. Platz errang. In der Zwischenrangliste bedeutete dies den 30. Platz unter den 400 Kombinierern.

Der anschließende Ruhetag brachte Regen bis auf 1800 Meter, oberhalb davon gab es ergiebige Schneefälle und Sturm. Zum Abend hin sank die Schneefallgrenze bis ins Tal – bange Gesichter bei der Pressekonferenz im Seminarraum des Hotels Eiger. Das Organisationskomitee gab die Hoffnung, das Rennen auf der kompletten Originalstrecke durchführen zu können, aber nicht auf und vertagte die Entscheidung über den Startort auf den nächsten Morgen. Der Neuschnee und die starken Verwehungen im oberen Teil der Strecke machten Lawinensprengungen notwendig. Da um das Schilthorn und die Mittelstation Birg immer noch orkanartige Windböen tobten, konnten die Helikopter mit den Sprengteams an Bord nicht aufsteigen. So wurde der Start zum Leidwesen der drei Lindachtaler auf den 900 Höhenmeter niederer gelegenen Allmendhubel verlegt – durch diese Verkürzung der Strecke auf 9,6 Kilometer fiel ausgerechnet der technisch schwierige Teil weg, auf dem das Trio in der Vergangenheit dak ihres Könnens entscheidende Zeit herausgefahren hatte.

Bernd Holl ging als erster des Teams auf die dennoch anspruchsvolle, im unteren Teil extrem eisige, ruppige und kräftezehrende Strecke. Sein Ski, mit dem der österreichische Weltcupfahrer Michael Walchhofer mehrere Siege erzielt hat, brachte ihn auf den 89. Rang. Kurze Zeit später wurde Thomas Nußbaumer aus dem Starthaus gelassen. Mit recht ordentlichem Material belegte er den 170. Platz in der Endabrechnung. Nachdem es im weiteren Verlauf immer sonniger,­ aber auch kälter wurde, konnten auch Fahrer mit hohen Startnummern noch gute Zeiten fahren. Diesem Umstand verdankte auch Frieder Ratzel, der mit der Startnummer 1451 das Rennen aufnahm, seinen 330. Platz. In der Inferno-Superkombination aus Langlauf, Riesentorlauf und Abfahrt kam Bernd Holl auf den 28. Platz.

Getreu des Mottos „Nach dem Inferno ist vor dem Inferno“ will das Trio auch bei der 67. Auflage wieder am Start sein. nu

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