Lokalsport

Lukas Erdmanns Credo:"Du musst Respekt vor deinen Hürden haben"

KIRCHHEIM Das Spielchen vor dem Start ist immer dasselbe Vorlaufen zur ersten Hürde und das Wichtigste im Kopf noch mal durchgehen. Wenn der Starter die Namen

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PETER EIDEMÜLLER

verliest, den Konkurrenten noch schnell Glück wünschen. "Dann, im Startblock, bin ich nur noch bei mir", beschreibt Lukas Erdmann die letzten Momente vor dem Sprint über 110 Meter, auf dem zehn Hürden jedes Mal aufs Neue auf ihn warten. Angst kennt der 22-Jährige beim Überqueren der 105 Zentimeter hohen Hindernisse nicht, obwohl er zugibt: "Du musst Respekt vor deinen Hürden haben."

Ohne den wäre es dem Athleten im Dress der LAZ Salamander Kornwestheim auch kaum gelungen, bei den deutschen Hallenmeisterschaften Anfang des Jahres in Sindelfingen Siebter über die 60 Meter Hürden zu werden. Neben zahlreichen Titeln, die er in den diversen Altersklassen bei baden-württembergischen Meisterschaften gewonnen hat, ist dies der bisher größte Erfolg Erdmanns, wie er auch selber sagt: "Bei dem Lauf hat von vorne bis hinten alles gepasst." Die Zeit von 7,92 Sekunden ließ ihn darüber hinaus darauf hoffen, in der Freiluftsaison ein lange anvisiertes Ziel erreichen zu können: Über 110 Meter Hürden unter 14 Sekunden zu laufen.

Doch die Vorbereitung geriet nach dem verheißungsvollen Rennen in Sindelfingen ins Stocken. Studiumsbedingt nahm sich der angehende Diplom-Handelslehrer, der an der Uni Hohenheim Wirtschaftspädagogik im vierten Semester büffelt, eine dreiwöchige Auszeit. "Da war nur Lernen für Klausuren angesagt." Prompt schlug sich das in seinen sportlichen Leistungen nieder die angestrebten Zeiten bleiben aus, dazu kam noch eine Kapselentzündung in der linken Kniekehle, die ihn weitere vier Wochen Pause kostete. Ohne diese Rückschläge, so meint auch sein Trainer Micky Corucle, wäre es ihm wohl schon gelungen, an die 14-Sekunden-Marke heranzulaufen. "Wenn du in der Halle 7,90 läufst, müssten im Freien normalerweise 13,80 oder 13,90 drin sein", rechnet Erdmann vor.

Inzwischen hat er seine Ziele nach unten korrigiert, will in dieser Saison "wenigstens noch 14,10 laufen." Diese Zeit würde zur Aufnahme in den B-Nationalkader berechtigen, was für ihn als Mitglied des baden-württembergischen L-Kaders der nächsthöhere Schritt wäre. Und dann? "Klar, eine Teilnahme bei den Olympischen Spielen in Peking in drei Jahren wäre das absolut Größte", sagt der mit 1,90 Metern nahezu dem Gardemaß eines Hürdensprinters entsprechende Youngster. Ihm gehe es momentan aber vorrangig um den Spaß, den er in der Trainingsgruppe bei Corucle manchmal zu kurz kommen sieht. "Klar, da geht's schon leistungsorientiert zu. Aber man muss auch mal ein bisschen Quatsch im Training machen können." Als einziger Hürdensprinter hat er es in der ansonsten nur aus reinen Sprintern wie Tobias Unger oder Anja Wackershauser bestehenden Gruppe nicht immer leicht.

Aber Lukas Erdmann ist einer, der sich quälen kann. Unlängst hat er auch seine Ernährung umgestellt und verzichtet auf so manches, was Gleichaltrige in ihrer Freizeit tun. "Abends mal in die Disco zu gehen, ist einfach nicht drin", sagt er, "oder mit Freunden Beachvolleyball spielen. Da muss ich dann sagen: Sorry, Jungs, ich darf mich nicht verletzen." Als Ausgleich zu allen Entbehrungen sieht er ein Stück weit seine neben dem Sport zweite große Passion, das Motorradfahren. Als stolzer Besitzer einer 900er-Kawasaki macht er schon mal längere Touren, plant für den Sommer einen Trip nach Italien was bei seinem Coach für regelmäßiges Kopfschütteln sorgt. "Der Micky sagt dann oft: Lukas, was machst du immer für einen Scheiß", kolpotiert er lachend. Ähnlich habe es sich bei einem Geburtstagsgeschenk verhalten: Zu seinem 22. Wiegenfeste bekam er einen Fallschirmsprung geschenkt, Corucle habe die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. "Den Sprung mache ich aber erst nach der Saison", so Erdmann.

Die kommenden Wochen werden für ihn, der seine Karriere bei der LG Teck im Alter von sechs Jahren begonnen hatte, kein Spaziergang. "Ich will und muss so viel laufen, wie es geht", gibt er als Marschroute vor. Heute geht er bei der DLV-Jugendgala in Mannheim, morgen bei der regionalen Ausgabe der deutschen Mannschaftsmeisterschaften in Ludwigsburg an den Start. In diesem Rhythmus soll es den Sommer über weitergehen, damit vielleicht doch noch die gewünschten Zeiten heraus-springen. Kein Problem für Lukas Erdmann, der dazu augenzwinkernd sagt: "Unter Druck entstehen ja bekanntlich die besten Diamanten."