Lokalsport

"Manchmal musst du einen Schritt zurückgehen, um voran zu kommen"

Skilanglauf auf der Alb statt Kilometerfressen in Südafrika. Die Fumic-Brüder haben im Jahr eins nach T-Mobile die Liebe zur heimischen Scholle neu entdeckt. Form und Selbsvertrauen hat dies nicht geschadet: "Wir sind fit", lautet drei Wochen vor dem Weltcup-Auftakt im belgischen Spa die Botschaft an die Konkurrenz.

BERND KÖBLE

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KIRCHHEIM "FBI" prangt in weißer Schrift auf den schwarzen Hosen mit den drei Streifen. Ein PR-Gag im Kampf gegen die organisierte Langeweile, so scheint es. "FBI Fumic Brothers International" ist freilich mehr als nur ein Gag. Es ist gleichzeitig Headline für die bevorstehende Mountainbike-Saison des Kirchheimer Brüderpaares auf internationalem Parkett. Wo Fumic drin ist, soll künftig auch wieder Fumic drauf stehen. "Zurück zu den Wurzeln", lautet die schlichte Botschaft nach dem Ausstieg des übermächtigen Sponsors T-Mobile.

Die Rückkehr zum alten Racing-Team und der für 2005 verkündete Alleingang hat die Neugier der Fachwelt geschürt, die inzwischen auch ohne den Lockstoff Magenta gespannt in Richtung Teckstadt blickt. Damit hat das Erfolgsduo sein erstes Etappenziel bereits erreicht. Schließlich gilt es, das als "Bereinigungsjahr" apostrophierte nacholympische Vakuum zur Weichenstellung zu nutzen. Nach Olympia ist vor Olympia. "Wir sind auf der Suche nach einem neuen starken Partner, um nächstes Jahr eins drauf zu setzen", verrät Manuel Fumic.

Dass das Selbstbewusstsein der beiden Profi-Biker durch die Zäsur zum Jahresende Schaden nehmen würde, durfte ohnehin schwerlich befürchten, wer die beiden kennt. Klappern gehört zum Geschäft und dies beherrscht das schwäbische "FBI" wie kein anderer in der Szene. Doch spätestens wenn am 17. April im heimischen Münsingen der Startschuss beim Bundesliga-Auftakt fällt, heißt es Farbe bekennen. Dann zählt allein die Leistung.

Nach sieben Albaufstiegen schmeckt die Pizza auch direkt aus dem Karton. Im Teambüro in der Kirchheimer Alleenstraße herrscht lockere Atmosphäre. Der Regen am Morgen hat den Zeitplan ins Rutschen gebracht, um 19 Uhr ist endlich Zeit, die Beine hochzulegen. Nach endlosen Grundlagenkilometern ist Tempotraining angesagt. "Den Motor langsam auf Touren bringen", beschreibt Lado Fumic die Trainingsumstellung, die den Körper allmählich an die hohe Belastung im Wettkampf gewöhnen soll. Rauer Albwind statt sanfter Brise aus den Tafelbergen, Neidlinger Steige statt Kap der guten Hoffnung. Die Vorbereitung auf die neue Saison war gegenüber dem Vorjahr in zweierlei Hinsicht eine neue Erfahrung: Noch nie zuvor habe er ein solches Pensum absolviert, verrät ein gutgelaunter Manuel Fumic. Mehr als 8 000 Kilometer hat der U23-Welt- und Europameister seit Dezember abgespult selbst für einen Berufspendler mit Pkw eine beachtliche Leistung.

Während der 23-Jährige bereits vor Weihnachten auf Mallorca die ersten Grundlagenkilometer hortete, ließ es Lado locker angehen und als der kleine Bruder im Februar schon unter der Sonne Zyperns schwitzte, reiste Lado erst zehn Tage später nach, weil er im Schneechaos auf der Autobahn seine Maschine verpasste. Von Trainingsrückstand will er dennoch nichts wissen: "Wir haben gut trainiert", sagt er. Der lange Winter vor der Haustür bescherte allenfalls ein neues Sportgerät: Statt auf dem Rad eine Erkältung zu riskieren, ging es auf Langlaufskiern in die Loipe. Dass beider Formkurve nicht identisch verläuft, ist durchaus gewollt: "Manni will im Frühjahr schnell sein, ich konzentriere mich eher auf die zweite Hälfte der Saison", meint der ältere der beiden Brüder. Am 4. September trifft sich die Weltelite in Livigno zur WM. Dort will der 28-Jährige sein Missgeschick in Athen vergessen machen und endlich seine erste Medaille bei internationalen Titelkämpfen holen. Leichter wird diese Aufgabe nicht werden, denn die Spitze ist enger zusammengerückt. Starke Nachwuchsfahrer aus dem U23-Lager komplettieren das Elite-Feld. Allen voran Manuel Fumic, dem Insider in dieser Saison einiges zutrauen. Er sich selbst im Übrigen auch: "Die bisherige Spitze wird sich in diesem Jahr warm anziehen müssen", meint er forsch. Einen klaren Saisonfavoriten jedenfalls gibt es für beide nicht. "In diesem Sport hängt zu viel von Glück und der Tagesform ab", sagt Lado.

Seit Mittwoch treten die beiden bei der Mallorca-Rundfahrt für Straßenamateure in die Pedale. Weil sich Kraftausdauer am besten auf der Straße tanken lässt, stehen auch in diesem Jahr Rundfahrten wie die Sachsentour Ende Juli oder die Regio-Tour Anfang August im Terminkalender. Glaubt man den beiden, bringt die neu gewonnene Freiheit im eigenen Team etliche Vorteile mit sich: "Wir lassen uns unsere Renntermine nicht mehr diktieren, reisen als kleine Gruppe und werden über den Olympia-Stützpunkt in Stuttgart bestens betreut", sagt Lado Fumic.

Das fünfköpfige Team hat demnach alles, was es braucht: Einen Mechaniker, mit Uwe Wetzig einen eigenen Manager und Vater Marco, der als Betreuer auf sämtlichen Rennen mit dabei ist. "Manchmal musst du einen Schritt zurückgehen, um voran zu kommen", meint Lado, der vieles von dem, was zu T-Mobile-Zeiten als hochprofessionell galt, heute als aufgebläht empfindet. "Authentisch sein", ist ein Begriff, den beide gerne in den Mund nehmen. Es geht um den Mountainbikesport und darum, als Vorbilder zu wirken. Deswegen will das Familiengespann auch die Basis nicht aus den Augen verlieren und sich künftig verstärkt um den Nachwuchs kümmern. Ein Jugendcamp als feste Einrichtung ist nach wie vor ein Ziel, das sie im Auge haben. "Der Sport ist für uns Lebenseinstellung, nicht irgendein Job", sagt Lado. Deshalb wolle man in diesem Jahr tun, was die vergangenen vier nicht möglich war: alle Möglichkeiten ausloten. Man darf gespannt sein.