Lokalsport

"Mannsweiber" räumen mit Vorurteilen auf

WEILHEIM Bei einer rund 75 Jahre langen Fußballtradition staunte der TSV Weilheim nicht schlecht, als es Mitte Mai dieses Jahres hieß: Wir wollen eine Frauenfußballmannschaft gründen. Dabei war

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ANDREA RAU

für die Weilheimer Frauenfußball durchaus nicht völliges Neuland. Die Fußballmädels der B-Jugend, die schon nach einem Jahr den Aufstieg feierten, gibt es seit 2004. Weil Fußball immer noch als reiner Männersport abgestempelt wird, wurde die Idee, eine Damenmannschaft zu gründen, im Verein zunächst belächelt.

Der weiblichen B-Jugend entwuchsen unter der Limburg immer mehr Kickerinnen, die den Fußballsport trotz Alterslimits nicht aufgeben wollten, und somit wuchs auch der Wunsch nach einer Frauenmannschaft. Das Interesse war groß und die Trainer Stefan Scherer und Marco Gronbach beide aktive Spieler beim TSV nahmen kurzentschlossen die Verantwortung auf sich. Aus den anfangs zwölf Spielerinnen wurden schnell mehr. In der inzwischen 36-köpfigen Mannschaft stehen Spielerinnen im Alter von 17 bis 36 Jahren. "Am Anfang haben es viele als Witz aufgefasst und nicht geglaubt, dass wir es schaffen, eine Mannschaft aufzubauen.", berichtet Scherer. Doch nach der positiven Resonanz stieg auch die Akzeptanz im Verein und das Frauen-Team kann sich dort inzwischen auf Hilfe und Unterstützung verlassen. Das einzige, was derzeit noch fehlt, ist ein zahlungskräftiger Sponsor für die Trikots. Schließlich wollen die TSV-Damen auch optisch ihren Gegnerinnen in nichts nachstehen.

Die Spielerinnen selbst nehmen ihren Sport sehr ernst. Bei dem zweimal pro Woche stattfindenden Training nehmen regelmäßig zwischen 20 und 25 Kickerinnen teil, ein Beweis für die große Motivation. Und wie steht es mit den alt bekannten Vorurteilen? "Ich bin positiv überrascht", meint Marco Gronbach. "Es geht hier genauso zur Sache wie bei den Männern. Die Mannschaft ist heiß auf das Training und sogar bei schlechtem Wetter kaum zu bremsen." In Zweikampf-Situationen wird der Ball keineswegs kampflos aufgegeben. Im Gegenteil: Die Spielerinnen erweisen sich oft als ehrgeiziger in ihrem Spielverhalten als die Männer.

Der Schwachpunkt der Mannschaft ist die Tatsache, dass sie fast ausschließlich aus Anfängerinnen besteht. Im Grundlagentraining legten die zwei Trainer daher vor allem Wert auf Technik und Regelkunde, um eine Grundlage zu schaffen. Nachdem diese Hürde überwunden wurde, beginnt nun die Vorbereitungsphase, in der Kraft und Ausdauer gestärkt werden. "Es gibt noch viel zu tun", stellt die erfahrenste Spielerin, Alice Flauto, selbstkritisch fest. Sie steht seit zehn Jahren auf dem Platz, unter anderem beim damaligen Verbandsligisten FV Faurndau.

Wie bereits in Neidlingen hilft Flauto nun in Weilheim aus und gibt ihr Wissen an die jüngeren Spielerinnen weiter. Erfahrungsgemäß weiß sie, dass nach anfänglicher Euphorie viele wieder aussteigen. Daher wird sich erst nach den insgesamt 16 Saisonspielen zeigen, wer zum harten Kern der Mannschaft gehört. Im September beginnt die offizielle Spielrunde der Damen in der Bezirksliga. Anders als bei den Männern gibt es für die Weilheimer Kickerinnen in den Vereinen rund um die Teck keine Konkurrenz. Lange Anfahrtsstrecken müssen daher in Kauf genommen werden, da fast alle Spiele in Ulm und Umgebung stattfinden.

Die meisten der Spielerinnen haben bereits in anderen Sportarten Ehrfahrungen gesammelt. Die Gründung der Fußballfrauenmannschaft stellte für sie eine ganz neue Herausforderung dar. Nach den ersten Trainingsstunden war jede Skepsis verflogen und die Kickerinnen mit großem Spaß bei der Sache. "Mit Freundinnen gemeinsam Sport zu treiben in einer für Frauen eher untypischen Sportart das reizte uns", erläutert Spielführerin Inge Glatz. Der Mannschaftssport Fußball erwies sich dafür als ideale Chance. Der große Zusammenhalt und das gute Mannschaftsgefühl spiegeln sich auch in außersportlichen Aktivitäten wieder: Bei gemütlichen Grillabenden oder einem Glas Wein werden Taktiken und Spielzüge ausgeklügelt.

Das Feedback von Freunden und Verwandten fiel unterschiedlich aus. Schnell als "Mannsweib" abgestempelt, mussten sich die Spielerinnen gegen so manches Vorurteil wehren. Dem Zweifel der Väter und dem Bedenken besorgter Mütter folgte jedoch schnell Begeisterung. Beim Testspiel am heutigen Freitag gegen die weibliche B-Jugend des TSV Weilheim können sich die Damen somit der lautstarken Unterstützung sicher sein. Anspiel ist um 19 Uhr auf dem Nebenplatz des Lindachstadions.