Lokalsport

Massenstart, Video, Rennsimulation: Hahnweide erlebt "Quantensprung"

Roland Stuck sagt's drastisch. "Wir müssen mehr für die Öffentlichkeit tun. Ohne Attraktivierung stirbt unser Sport wohl aus."

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THOMAS PFEIFFER

Stuck, seit Jahren oberster Segelflug-Kommissar des Weltluftsportverbandes FAI, ist zwar Pensionär, aber keiner vom alten Schlag. Seinem Lieblingssport die alten Zöpfe abzuschneiden würde er lieber heute als morgen.

Derzeit ist der Franzose aus dem Elsass in offizieller Mission auf der Hahnweide, wo die Fliegergruppe Wolf Hirth einen von neun weltweit ausgetragenen Grand Prix-Qualifikationswettbewerben organisiert. Nicht nur, weil der FAI-Mann die Lizenz zum Intervenieren hat, gibt und gab der 130-Mitglieder-Club von der Teck beim Managen alles. Auch Geld im Vorfeld. "Für fixe Unkosten, die die Veranstaltung verschlingt, haben wir allein 25 000 Euro vorgeschossen", erzählt Wolf-Hirth-Vorsitzender Johann Puskeiler. Die Hoffnung, nach der Wettkampfwoche in die Finanzbilanz auf Grund der Einnahmen aus dem eigenen Wirtschaftsbetrieb "eine schwarze Null" zu schreiben, hegt Puskeiler gleichwohl: "Durch Sponsoren sind fast alle Ausgaben abgedeckt."

Ausgaben, die für neues Veranstaltungs-Equipment wie Videowand (6000 Euro Miete), Minisender zur Datenübermittlung vom Pilotencockpit ins Hahnweid-Büro (6000 Euro Miete) sowie für das kulturelle Rahmenprogramm an jedem Abend (10 000 Euro an Gagen) flossen. Doch die Großinvestition scheint sich auszuzahlen. "Am Sonntag hatten wir viel mehr Zuschauer als erhofft", berichtet Puskeiler, der nun darauf setzt, dass das neuartige Wettbewerbsambiente mit Moderator (Tilo Holighaus), Minirummel (Schieß- und Verköstigungsstand) und Biertischen im Außenbereich seine Außenwirkung auch an den restlichen Renntagen nicht verfehlt.

Ursprünglich hatten die Kirchheimer Veranstaltungsmacher sogar daran gedacht, die Hahnweid-Zuschauer während eines Grand Prix-Tages mit bewegten Live-Bildern aus den Cockpits zu versorgen. Das Zusatz-Gimmick platzte, als der angesprochene Minikamera-Verleiher wenige Wochen vor Veranstaltungsbeginn verstarb. Was die Kulisse jetzt zu erwarten hat, ist freilich auch nicht von schlechten Eltern: Erstmals in der Geschichte des Kirchheimer Segelflugsports kann das Publikum ein Luftrennen in digitalisierter Form an einer Videoleinwand mitverfolgen. Ein kleiner schwarzer Sender, der jede zehn Sekunden aus dem Pilotencockpit relavante Daten an die Hahnweide versendet, macht's möglich: Nach dem Massenstart wird das Rennen so simuliert (mit leichter zeitlicher Verzögerung wegen der Datenübertragung), dass der Zuschauer am Boden ein Komplettbild des Rennverlaufs erhält. Mit dem Ende der Videoübertragung steht auch der Rennsieger fest. Keine abendfüllenden Auswertungen mehr.

Die neue Segelflug-Präsentation ist für Siegmund Maier, der kraft seiner Vergangenheit als "Mister Hahnweide" gilt, ein "Quantensprung". Auch Roland Stuck, der hahnweid-präsente FAI-Funktionär, hat in diesen Tagen seinen Spaß.