Lokalsport

Mehr als nur gewinnen oder verlieren

„Fußball – mit und ohne Handicap“ begeistert Jung und Alt in Weilheim

Für viele scheint das Thema Inklusion ein hoch komplexer Prozess. Alles was Stephan Cardenas vom TSGV Albershausen dafür braucht, sind „ein Ball, ein Sportplatz und schönes Wetter“. Für sein Projekt „Fußball – mit und ohne Handicap“ wurde er am Sonntag im Rahmen eines Aktionstages beim TSV Weilheim mit einer Urkunde der Sepp-Herberger-Stiftung auf DFB-Ebene bedacht.

Spaß haben und Tore schießen - beim Projekt „Fußball mit und ohne Handicap“ am allerwichtigsten. Foto: Manuela Cardenas
Spaß haben und Tore schießen - beim Projekt „Fußball mit und ohne Handicap“ am allerwichtigsten. Foto: Manuela Cardenas

Weilheim. Wenn Kinder miteinander kicken und zusammen Spaß haben, vergessen sie jegliche Unterschiede zwischen ihnen – darauf baut Stephan Cardenas. Im April 2012 hat er das Projekt in Kooperation mit der Lebenshilfe Göppingen ins Leben gerufen. Die letzten sechs Veranstaltungen fanden beim TSGV Albershausen statt. Mit dem Gastspiel in Weilheim am vergangenen Sonntag soll nun eine ganze Serie „Fußball – mit und ohne Handicap On Tour“ starten.

Anzeige

Beim Württembergischen Fußballverband (WFV) gilt sein Konzept als Vorzeigeprojekt. „Vor allem, weil es für andere Vereine so einfach umzusetzen ist, sind wir davon sehr angetan“, freut sich Thomas Gundelsweiler, als WFV-Vizepräsident zuständig für Qualifizierung und Bildung. Er selbst war sechs Jahre lang Jugendkoordinator beim TSV Weilheim. Zusammen mit Oliver Deutscher, WFV-Abteilungsleiter Fußballentwicklung/Soziales, überreichte er die Urkunde der Sepp-Herberger-Stiftung an Stephan Cardenas. – Wer Sepp Herberger ist? „Das ist der Jogi Löw von vor 50 Jahren“, erklärt Gundelsweiler den Kindern.

Im Vordergrund steht für die Teilnehmer im Alter von sieben bis 14 Jahren natürlich der Spaß. Im Fußball manchmal keine Selbstverständlichkeit: „Ich war lange Zeit Jugendtrainer und dachte mir, Fußball müsse doch mehr beinhalten, als nur am Wochenende entweder zu gewinnen oder zu verlieren“, antwortet Stephan Cardenas auf die Frage nach den Beweggründen für sein Projekt.

Auf Spielstraßen geht es hauptsächlich darum, viele Tore zu schießen und völlig ohne Leistungsdruck gemeinsam und mit Inbrunst seiner Lieblingsbeschäftigung zu frönen. Nichtsdestotrotz standen den Kids in Weilheim hochkarätige Trainer zur Seite, wie zum Beispiel Walter Eschenbächer, der in der Jugend des VfB Stuttgart die Torhüter betreut und auch beim TSV Weilheim das Torwarttraining leitet.

Ein Höhepunkt in Weilheim war der Auftritt von VfB-Maskottchen Fritzle. Nachdem es alle Autogrammwünsche erfüllt hatte (auch Cardenas ließ sich seine Trainingsjacke signieren), ließ es sich Fritzle nicht nehmen, mit den Kindern noch knapp eine Stunde aufs Tor zu schießen.

Dem außenstehenden Beobachter wurde schnell klar: Die Unterteilung in VfB- und Bayern-Fans war den jungen Fußballern wichtiger, als die in behindert oder nicht behindert – was Leidenschaft, Bewegung und ein Fußball bewirken können, kann kein Pädagoge oder Inklusionsbeauftragter besser planen. „Je früher man merkt, dass ein Miteinander gut ist, umso besser“, weiß auch Thomas Gundelsweiler.

Das geplante Abschlussspiel fiel dann allerdings wegen des plötzlich einsetzenden Regens ins Wasser. Da die Siegerehrung dementsprechend vorgezogen worden war, übernahm Walter Eschenbächer die Verleihung der Teilnehmer-Medaillen anstelle von Albershausens Bürgermeister Jochen Bidlingmaier.