Lokalsport

"Mein Ziel in Berlin sind die Endläufe"

"Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin" der alljährlich vor dem Pokalfinale aus Fußballerkehlen erschallende Ruf stand in den letzten Tagen auch bei Familie Fritz aus Brucken hoch im Kurs. Grund: Die 17-jährige Fabienne geht bei den heute beginnenden deutschen Schwimm-Meisterschaften in der Hauptstadt an den Start.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Begleitet wird das Talent der SF Dettingen von ihren Eltern Margot und Klaus Fritz. "Normalerweise geht nur die Mama mit", verrät Fabienne. Für die gebürtige Kirchheimerin stellen die nationalen Titelkämpfe in Berlin bereits das fünfte Event dieser Art dar. "Seit 2001 war ich bei jeder deutschen Meisterschaft dabei."

Dass die sprichwörtlichen Trauben in diesem Jahr besonders hoch hängen, führt die Brustschwimmerin auf ihr junges Alter zurück. "Ich schwimme mit 18- und 19-Jährigen", sagt sie, "doch mein Ziel sind dennoch die Endläufe bei den Junioren." Der Youngster wird über 100 m (Dienstag ab 9 Uhr) und 200 m (Sonntag ab 9 Uhr) an den Start gehen, rechnet sich über 200 m aber etwas mehr aus. "Eigentlich müsste eine Zeit unter 2,40 Minuten drin sein." Ihre persönliche Bestzeit über diese Distanz steht bei 2,41 Minuten. Von einem Podiumsplatz wagt sie bei einem Teilnehmerfeld von knapp 50 Nachwuchsschwimmern gar nicht zu träumen. "Trotzdem bin ich positiv gestimmt", sagt sie, die ihre größte Schwäche im mentalen Bereich sieht. "Rein physisch klappt alles immer ganz gut. Aber kurz vor dem Start werd' ich immer so nervös", gibt sie zu.

Dass sie dazu keinen Grund hat, bewies Fabienne vor zwei Wochen bei den süddeutschen Meisterschaften in Sindelfingen: Gold (100 m) und Silber (200 m) sprangen in der Daimlerstadt für sie heraus Lohn für einen entbehrungsreichen Alltag, den andere 17-Jährige so nicht haben. Als Angehörige des Württembergischen D4-Kaders trainiert sie sechsmal pro Woche im Stuttgarter Inselbad, dienstags und donnerstags sogar zweimal. Viel Zeit für andere Hobbys bleibt da nicht. "Wenn ich Zeit habe, gehe ich gerne mit Freunden weg."

Die Schulbank drückt die Elftklässlerin zusammen mit gut 15 anderen Schwimm-Talenten am Wirtschaftsgymnasium Stuttgart Ost. Da das Elternhaus aber im Lenninger Tal steht, ist jeden Tag Pendeln und entsprechend frühes Aufstehen angesagt um ihrem geliebten Sport nachgehen zu können, nimmt Fabienne das alles aber gerne in Kauf: "Ein Leben ohne Schwimmen könnte ich mir nicht vorstellen", sagt sie, "momentan hat das noch Priorität." Noch, denn ihr Blick ist bei weitem nicht nur auf das Schwimmbecken gerichtet. "Ich will ein gutes Abitur machen", blickt sie voraus, "danach vielleicht ein halbes Jahr ins Ausland." Ihre sportlichen Träume drehen sich neben dem Erreichen eines offenen Finales mit den besten Schwimmerinnen Deutschlands ("Das wäre was ganz Tolles") auch um die finanzielle Unterstützung durch einen Sponsor. "Der Verein schießt zwar ein bisschen was zu, aber für Wettkämpfe, die weiter weg sind, muss ich selber noch was drauflegen." Auch der Trip nach Berlin ist selbst finanziert, was aber nicht heißen soll, dass nicht auch Sightseeing auf dem Programm stünde. "Wir wollen uns da schon einiges anschauen", freut sich Fabienne, "vielleicht am Montag, wenn ich keinen Wettkampf habe."