Lokalsport

Michael R. und die schwierige Gefühlswelt

LUDWIGSBURG Am Ende war's wie (fast) immer in dieser Saison: Der VfL Kirchheim ist und bleibt ein gern gesehener Gast in fremden Stadien.

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HELGE WAIDER

Auch am Ludwigsburger Fuchshof wird man sich nach der samstäglichen Partie bei optimalen herbstlichen Bedingungen gerne dieser Meinung anschließen.

Den Zuschauern wurde in Zusammenarbeit mit der heimischen Sportvereinigung ein tolles Spiel geboten die Punkte ließ die Truppe von VfL-Trainer Michael Rentschler aber brav im Ludwig-Jahn-Stadion. Pech, Unvermögen, individuelle Fehler und ein überragender Robert Belosevic im Ludwigsburger Tor machten die erneute Auswärtsniederlage der Kirchheimer perfekt. Für Rentschler war es nach der Partie dann auch "schwierig, meine Gefühlswelt zu beschreiben." Schließlich brachte es der VfL-Coach auf einen simplen Nenner: "Wir haben ein Tor weniger erzielt als der Gegner. Deshalb hat Ludwigsburg verdient gewonnen."

Kurz ins Detail gehend, machte Rentschler die leichtfertig vergebenen Chancen und die unnötigen Ballverluste einiger VfL-Akteure für die Niederlage verantwortlich, um dann gleich wieder die sprichwörtliche Kurve zu den Gemeinplätzen zu kriegen: "Wir gewinnen gemeinsam wir verlieren gemeinsam."

Ludwigsburgs Coach Manfred Jung bescheinigte seiner Mannschaft, Charakter und Moral gezeigt zu haben. Allerdings habe er aufgrund der Dramaturgie des Spiels schon an die Einnahme von "Doppelherz" als Beruhigungselixier gedacht. Mit einem Dank an seinen Torhüter machte auch Jung unmissverständlich klar, wem er letztlich den Sieg zuschrieb.

Verhaltene Kritik gab's hingegen für Ex-Profi Adnan Kevric. Auch wenn er läuferisch nicht mehr so agil sei, habe er doch einige Male gezeigt, dass er ein echter Leader sein könne, meinte Jung in der obligatorischen Pressekonferenz. Zwischen den Zeilen gelesen hatte man sich am Fuchshof offenbar mehr vom Ex-Spieler der Stuttgarter Kickers und des SSV 1846 Ulm erwartet.

Die Erwartungen voll erfüllt hat indes erneut ein Kirchheimer, der vor der Saison nicht unumstritten war. Cem Korkmaz unterstrich mit seinen beiden Treffern erneut seine Torjägerqualitäten, schraubte sein Konto auf nunmehr 13 Treffer und bleibt damit Ligaprimus. Zwar war der kompakte Stürmer während der Partie immer wieder mal abgetaucht, im entscheidenden Moment war er aber zur Stelle, um die VfL-Treffer zwei und drei zu markieren und die Anhängerschar auf der Gegengeraden in Verzückung zu versetzen und von alten Zeiten träumen zu lassen, als sich beide Teams noch in der Oberliga gegenüberstanden. Dieser Tatsache wurde auch in der 07-Stadionzeitung Rechnung getragen, die noch einmal das letzte Duell der Protagonisten in der Saison 2000/2001 beleuchtete, das damals mit einem 1:1 endete.

Rentschler war zu diesem Zeitpunkt zwar nicht mehr als Ludwigsburger Spieler dabei, dennoch erinnerten sich am Samstag noch einige Alteingesessene an den Ex-Akteur und tauschten mit ihm ebenso Erinnerungen an alte (bessere) Zeiten aus, wie mit Norbert Krumm. Der heutige sportliche Leiter des VfL war zu Regionalliga- und Oberligazeiten als 07-Berichterstatter für ein großes Massenblatt tätig und somit bei jedem Heimspiel präsent.

Für den VfL war das damalige Remis übrigens eines der Mosaiksteinchen, die am Saisonende zum Abstieg aus der Oberliga führten. Aber das ist fünf Jahre her ein Schelm, wer Böses dabei denkt.