Lokalsport

Mindestlohn für Leidenschaft

VfL bringt FC Astoria Walldorf beim 3:3 an den Rand einer Niederlage

Einen Zähler geholt, beim Publikum mehrfach gepunktet: Fußball-Oberligist VfL Kirchheim brachte am Samstagnachmittag den Regionalliga-Kandidaten FC Astoria Walldorf nach einer leidenschaftlichen Vorstellung an den Rand einer Niederlage. Nach einem zwischenzeitlichen 1:3-Rückstand verhinderten merkwürdige Schiedsrichterentscheidungen in der Schlussphase den möglichen Sieg.

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REIMUND ELBE

Kirchheim. Extra Beifall von den Zuschauern gab es für die aufopferungsvoll kämpfenden VfL-Kicker nach Spielende reichlich – und doch waren die Sympathiebekundungen für die Spieler nur ein Trostpflaster. Zu sehr spukten in den Köpfen der VfL-Akteure noch zwei Szenen in den Köpfen herum, die für extremen Hader sorgten: Gleich zwei Treffer wurden den Kirchheimern in der Schlussphase beim Stande von 3:3 aberkannt. Im ersten Fall soll der eingewechselte VfL-Angreifer Selim Altinsoy bei seinem Torschuss im Abseits gestanden haben. „Ich war nie und nimmer drin“, kritisierte der Kirchheimer später die umstrittene Entscheidung.

Noch merkwürdiger war der Pfiff des Unparteiischen Oliver Kurz (Stuttgart) Sekunden vor dem Abpfiff. Aus einer unübersichtlichen Menschentraube am und im Fünfmeterraum der Walldorfer, hatte Kirchheims Kapitän Mario Grimm das Leder über die Torlinie gespitzelt. Doch den Kirchheimern blieben die Jubelschreie im Halse stecken. Kurz wollte ein Foul des Kirchheimer Kapitäns gesehen haben – selbst die schon zum Mittelkreis laufenden Walldorfer zeigten sich über diesen Pfiff völlig überrascht. Grimm perplex: „Diese Entscheidung ist nicht nachzuvollziehen.“ Die einsame und wohl falsche Interpretation des Stuttgarter Referees trübte die ansonsten ordentliche Leistung des Unparteiischen erheblich.

Dass die Kirchheimer überhaupt noch an der Sensation schnuppern durften, hatten sie ihrer Willenskraft zu verdanken. Der VfL geriet früh in Rückstand, kassierte vor und nach der Pause zu psychologisch ungünstigen Zeitpunkten Treffer, war so gut wie am Boden zerstört und fand trotzdem ins Spiel zurück. Besonders in der letzten halbe Stunde war das Match eine regelrechte Augenweide für die Zuschauer. Das an und für sich schon flotte Tempo wurde von beiden Seiten nochmals erhöht. In beiden Strafräumen spielten sich etliche brenzlige Situationen ab. Wobei der VfL unterm Strich mehr Torchancen verbuchte – aber auch dreimal traf. Auf das frühe 0:1 durch Sven Eller antworteten die Gastgeber mit dem ersten von zwei Treffern des glänzend aufgelegten Antonio Tunjic. Mit einem Fallrückzieher aus sechs Metern Entfernung sorgte der VfL-Stürmer nicht nur für eine akrobatische Einlage, sondern auch für den Ausgleich (31.).

Doch die Kirchheimer mussten weitere Dämpfer hinnehmen. Ein platzierter Kopfball von FCA-Abwehrspieler Christian Daub sorgte für das 2:1 (40.), Sven Eller sorgte fünf Minuten nach der Pause mit einem Schuss aus schrägem Winkel für die vermeintliche Entscheidung zugunsten des FC. Für die Teckstädter war dieses dritte Tor allerdings das Startsignal für einen langen, fulminanten Schlussspurt. Das Team von Michael Rentschler und Christian Hofberger war in der Lage, den Clinch anzunehmen, eroberte sich immer wieder Bälle im Mittelfeld und fuhr für dieses Engagement die Ernte ein. Antonio Tunjic traf (nach perfektem Anspiel durch Youngster Armin Ohran) mit einem Flachschuss aus zehn Metern (63.), zehn Minuten vor Schluss verlängerte Benny Dihl aus einem Gewühl heraus eine Hereingabe zum 3:3.

Erfolgsfördernd: Mit Coskun Isci und Selim Altinsoy hatte das Kirchheimer Trainerduo 20 Minuten vor dem Abpfiff genau zum richtigen Zeitpunkt zwei frische Akteure gebracht. Die beiden halfen mit, die nicht sattelfeste FC-Defensive noch stärker unter Druck zu setzen. Lob gab es nach dem letztlich gerechten 3:3 auch von einem, der es wissen muss. „Die Kirchheimer haben sich mit ihrer Leidenschaft diesen Punkt mehr als verdient, trotz der schlechten Platzverhältnisse war es ein richtig gutes Oberligaspiel“, kommentierte der 208-fache Bundesligaspieler Roland Dickgießer das Duell an der Jesinger Allee. Der Trainer der Walldorfer schien froh zu sein, dass am Ende wenigstens ein Punkt zu Buche stand.

VfL Kirchheim: Gühring – Kutscher, Grimm, Dihl, Eisenhardt – Ohran (71. Isci), Raspe (24. Koch), Er, Spina – Laible (71. Altinsoy), Tunjic. Trainer: Rentschler/Hofberger.

FC Astoria Walldorf: Hillenbrand – Mühlbauer, Theres, Daub, Söder – Hofmann (88. Fetzer), Kretz, Kaufmann (66. Zimmermann), Throm (69. Grunwald) – Eller, Weber. Trainer: Dickgießer.

Tore: 0:1 Eller (11.), 1:1 Tunjic (31.), 1:2 Daub (40.), 1:3 Eller (50.), 2:3 Tunjic (63.), 3:3 Dihl (80.).

Gelbe Karten: Kutscher, Dihl, Spina, Koch – Kaufmann, Kretz.

Zuschauer: 250.

Schiedsrichter: Oliver Kurz (Stuttgart).