Lokalsport

„Mir blutet das Herz“: Aus für Fußball-Frauen

TSV Weilheim meldet Mannschaft beim WFV ab

Aus Spielerinnenmangel hat der TSV Weilheim seine Fußball-Frauen-Mannschaft nach elf Jahren vom Spielbetrieb abgemeldet.

Sieht keine Perspektive mehr in Weilheim: Auch Torjägerin Nadine Enoch kehrt den TSVW-Frauen den Rücken. Foto: Markus Brändli
Sieht keine Perspektive mehr in Weilheim: Auch Torjägerin Nadine Enoch kehrt den TSVW-Frauen den Rücken. Foto: Markus Brändli

Weilheim. Der Tod kam schleichend. Tagelang hatte Weilheims Spielleiter Günther Friess nach eigener Aussage gehofft, durch eine personelle Blutauffrischung in Form kurzfristiger Neuzugänge doch noch die lebensrettende Maßnahme einleiten zu können. Die Hoffnung war vergebens: Just am letztmöglichen sanktionsfreien Abmeldetag (30. Juni) zog Friess die Reissleine und meldete die TSV-Frauenmannschaft vom Spielbetrieb des Württembergischen Fußball-Verbandes (WFV) ab. „Wir hätten nur noch 13 sichere Spielerinnen zur Verfügung gehabt“, begründet er den Schritt im Nachhinein. Mit dem Rückzug ist die seit dem Landesliga-Aufstieg 2010 ranghöchste Frauenmannschaft der Teckregion endgültig Geschichte – in die Fußstapfen tritt jetzt Landesliga-Aufsteiger SGM Wendlingen/Ötlingen als neues Aushängeschild.

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Für Friess und Abteilungs-Kollegen war die Mannschafts-Abmeldung alternativlos – neue Spielerinnen kann sich nun mal keiner schnitzen. Dennoch stieß die Rückzugs-Entscheidung vereinsintern nicht auf ungeteilte Zustimmung. Trainer Andreas Gerstenberg (37), der A-Lizenz und viel Spaß am Frauenfußball hat („dort spielt das Geld viel weniger eine Rolle als beim Männerfußball“), hätte trotz des Abstiegs in die Regionenliga Übungsleiter bleiben sollen. Weil er‘s nun nicht mehr kann, ist er „enttäuscht. Es hätte einen anderen Lösungsweg als diese Abmeldung gegeben.“ Für den Polizeihauptmeister, der im Februar TSV-Spielertrainerin Sandra Grill abgelöst hatte, war die Aktion ein Schnellschuss. Besser, man hätte ein paar Tage zugewartet und sich beim FV Faurndau mit seinen vielen abwanderungswilligen Spielerinnen bedient, monierte Gerstenberg. Friess („eine Abmeldung nach dem 30. Juni hätte uns eine Geldstrafe vom WFV eingebracht“) konterte umgehend. Und fügte hinzu, wie leid ihm das Aus für die die 2005 gegründete Frauenmannschaft tue: „Mir blutet das Herz“.

Dass der Weilheimer Frauenfußball in eine tiefe Krise stürzen könnte, hatte sich bereits vor einigen Wochen abgezeichnet, als eine Spielerin nach der anderen mehr oder weniger vernehmbar Wechselabsichten geäußert und danach die Abmeldung vorgenommen hatte. Verena Kawelke, Torjägerin Nadine Enoch (SV Jungingen?), Franziska Richter und Jessica Fichtner (SGM Wendlingen/Ötlingen?) waren nur vier der potenziellen Abgänger, am Ende waren‘s derer acht – die Mannschaft stand vor dem Ausverkauf. Intern brodelte es heftig. Den acht Spielerinnen verweigert die Abteilungsleitung inzwischen die Freigabe. Allen drohen monatelange Sperren.

Bei der Frage nach den Gründen für die große Wechselwelle an der Lindach antwortet Ex-Kapitänin Kawelke so: „Mit unserem Abstieg hat das nichts zu tun. Es waren individuelle Gründe“. Welche, sagt sie nicht.