Lokalsport

Mit Alkohol und Drogen ins Abseits

Das Bier nach dem Training, der Sekt im Pokal Alkohol ist für Generationen von Vereinssportlern ein stetiger Begleiter. Dies alleine mag die Welt nicht aus den Fugen reißen. Wenn Kinder und Jugendliche dem kollektiven Rausch verfallen, ist jedoch Wachsamkeit geboten. Die VfL-Fußballschule, Vereinssponsor und Polizei nehmen derzeit gemeinsam das Thema Alkohol und Drogen ins Visier.

BERND KÖBLE

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KIRCHHEIM Die Sportvereine als sozialer Kitt der Gesellschaft ein Bild, das gerne gezeichnet wird. Geselligkeit, Kameradschaft, Abwechslung vom Schul- oder Berufsalltag, all dies bieten die zahllosen Sportvereine im Land. Doch wo der tägliche Trott ein Ventil findet, ist Alkohol meist nicht weit. Schon machen Erhebungen die Runde, die Auskunft darüber geben, in welchen Sportarten der kollektive Suff das straffste Regiment führt. Fakt ist: Die Sportvereine sind Teil des Alltagslebens und spiegeln insofern nur wider, in welche Richtung das Fähnchen weht. Wer also wissen will, was die Kids in Sporthallen und Stadien umtreibt, braucht vor allem eines: einen scharfen Blick und spitze Ohren.

Übungsleiter und Trainer der VfL-Fußballschule waren am Mittwochabend in die Stadiongaststätte eingeladen, diesen Blick zu schärfen und gemeinsam mit Fachkräften der Polizei das Thema "Alkohol und Drogen" gemeinsam zu diskutieren und nützliche Informationen zum Umgang mit auffälligen Kindern und Jugendlichen zu sammeln. Den Anstoß zu dem mehrtägigen Projekt, dem im Laufe des Jahres weitere folgen sollen, gab der Kirchheimer Unternehmer Dr. Jörg Mosolf, der sein finan-zielles Engagement für den Verein an Inhalte gekoppelt sehen wollte. Perspektiven nicht nur auf dem Fußballplatz aufzuzeigen, sondern den Sport als Chance dafür zu verstehen, Heranwachsende mit all ihren Problemen zu erreichen, für die Alkohol und Drogen oft nur Ausdrucksmittel sind, nannte auch VfL-Vorsitzende Doris Imrich als Ziel des Projekts.

Die Idee ist nicht neu. Im Arbeitskreis interkommunale Kriminalprävention machen Polizei, Stadt und Schulen schon seit längerem gemeinsame Sache in puncto Suchtvorbeugung. Vereinstrainer und Jugendbetreuer mit ins Boot zu holen, ergibt Sinn: "Sie sind für uns wichtige Multiplikatoren, die frühzeitig registrieren, wenn sich im Umfeld der Kinder und Jugendlichen etwas verändert", machte Kirchheims Revierleiter Thomas Pitzinger deutlich.

Dass nicht jede Form des Alkohols die selben Gefahren birgt, gab Polizei-Jugendsachbearbeiter Jens Müller zu verstehen. Neben Informationen zu Jugendschutzgesetz und rechtlichen Konsequenzen bekamen die Zuhörer auch Hochprozentiges in die Hand. Im Selbstversuch konnte sich, wer wollte, überzeugen, wie gut sich selbst härtester Stoff hinter einem Cocktail aus Chemie und Zucker verstecken lässt. Schmeckt wie Limo, ist es aber nicht. Alcopops heißt die inzwischen hinlänglich bekannte Schöpfung der Getränke-industrie, die nicht nur völlig unverhohlen für die ultimative Party-Dröhnung wirbt, sondern nebenbei auch noch alles beeinhaltet, was geeignet ist, im heranwachsenden Körper Schaden anzurichten. Wer die Hauptkonsumenten der grellbunt leuchtenden Fläschchen sind, weiß die Statistik inzwischen ziemlich genau: Jugendliche im Alter zwischen 12 und 14 Jahren.

Nicht wegschauen, sondern Stellung beziehen, lautete auch der eindringliche Appell von Drogensachbearbeiter Holger Kiedaisch. Der Polizeiexperte beleuchtete Arten und Wirkungsweisen illegaler Drogen und nannte die häufigsten Einstiegsgründe. Die Strafanzeige nicht als Dolchstoß zu verstehen, sondern als "rechtzeitigen Schuss vor den Bug", so sein Rat. Die strafrechtlichen Folgen beim Besitz geringer Drogenmengen seien für Jugendliche in aller Regel weniger dramatisch als angenommen.

Die Veranstaltungsreihe soll bereits heute im Kirchheimer Polizeirevier ihre Fortsetzung finden: Diesmal diskutieren Mannschaften der C- und D-Jugend mit den Fachleuten über das Thema Rauchen und Alkohol.