Lokalsport

Mit dem richtigen Durchblick in Richtung Peking

Die Olympischen Spiele 2008 in Peking zahlreiche Athleten träumen davon, bei diesem Großereignis dabei zu sein. Eine, die in dieser Hinsicht gute Karten hat, ist Stephanie Lichtl. Die Hürdensprinterin aus Kleinbettlingen gehört dem Perspektivkader "Peking 2008" des DLV an und hat mit ihrem Wechsel zu Trainer-Koryphäe Micky Corucle die Weichen in die entsprechende Richtung gestellt.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Die Aussage ist klar: "Wenn ich vor oder während der Olympiasaison unter 13 Sekunden laufen sollte, kann ich mir Hoffnungen auf eine Teilnahme machen." Das 20-jährige Hürdentalent der TG Nürtingen denkt mit zu Buche stehenden 13,36 Sekunden über 100 m Hürden zwar noch nicht an Olympia 2008, doch ihr Traum ist eine Teilnahme allemal. Voraussetzung dafür? "Ich muss wieder einigermaßen schnell werden", verrät sie, "vor allem der Start ist meine große Schwäche." Stark ist sie im Hürdensprint vor allem auf den letzten Metern, da überholt sie meistens ihre Konkurrentinnen. "Für mich wäre es, glaube ich, ideal, wenn man 120 Meter Hürden laufen würde", sagt sie lachend.

Nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei der Jugend-Weltmeisterschaft 2004, der auch die Berufung in den Peking-Kader nach sich zog, war die Saison 2005 nicht sonderlich erfolgreich. Hauptgrund dafür war der schulische Stress. Die gebürtige Nürtingerin hatte ihr Abitur am Sportinternat des Olympiastützpunkts Stuttgart zu absolvieren. "Ich habe weniger trainiert, um mich gut vorzubereiten", sagt sie, "aber gebracht hat es nichts: Ich hatte einen Schnitt von 3,4." Dann der sportliche Rückschlag: Obwohl sie die Norm für den Saisonhöhepunkt, die U23-Europameisterschaften in Erfurt, bereits unterboten hatte, musste sie zu Hause bleiben. Grund: Bei den deutschen Meisterschaften in Braunschweig waren drei Jahrgangskolleginnen schneller als sie da der DLV nur drei Plätze für die Junioren-EM zu vergeben hatte, zog sie den kürzeren. "Da war ich schon traurig", gibt sie zu.

Wie viele junge Athleten kam auch Stephanie Lichtl über den Mehrkampf zur Hürdenstrecke. "Beim Siebenkampf war das immer meine beste Disziplin", sagt sie, "zusammen mit dem Weitsprung." Selbigen betreibt sie eigentlich nur als Ergänzung zu den Hürden, doch selbst in der Sandgrube macht sie regelmäßig eine gute Figur: Mit 6,35 m holte sie Anfang vergangenen Jahres (neben dem Titel über 60 m Hürden) den ersten Platz bei den deutschen Jugendmeisterschaften in der Halle. Gern gesehen war die zweite Liebe Weitsprung bei ihren Trainern nie. "Die hatten immer Angst, dass ich mich verletze", erzählt sie.

Auch ihr neuer Coach Micky Corucle, der sie seit vorletztem Dienstag betreut (wir berichteten), blickt nicht gerade wohlwollend auf die Weitsprungambitionen seines neuen Schützlings. Zu sehr ist der Rumäne bestrebt, Lichtl mit ähnlichen Trainingsmethoden wie bei Tobias Unger die entscheidende Schnelligkeit zu verschaffen. Auch abseits der Tartanbahn ist der 43-Jährige neuer Strippenzieher in Lichtls Hintergrund. So führte er bereits Gespräche mit den Verantwortlichen des LAZ Salamander Kornwestheim und der MTG Mannheim in Sachen Vereinswechsel. "Die Entscheidung, wohin, ist schon meine Sache. Aber dass ich wechsle, steht auf jeden Fall fest", versichert sie. Da sie ohnehin öfters nach Mannheim zum Training bei Hürden-Bundescoach Rüdiger Harksen fahre, sei ein Wechsel zur MTG nicht einmal so abwegig.

Einen Umzug würde der Vereinswechsel indes nicht nach sich ziehen. "Ich bleibe bei meinen Eltern in Kleinbettlingen wohnen", sagt sie. Schließlich beginnt Ende Oktober auch ihr Studium der Sportwissenschaften an der Uni Tübingen von Mannheim aus wohl eher schwer zu bewältigen. Zumal ihre zwei Jahre ältere Schwester Christine (1998 immerhin selbst deutsche Mehrkampf-Schülermeisterin) in der Neckarstadt wohnt und studiert. In Sachen Studienplatz hatte Lichtl Glück, ergatterte sich die Immatrikulation nach einer ersten Absage über das Nachrückverfahren. "Das hatte wohl mit meinem Abischnitt zu tun", vermutet sie und verrät weiter, dass sie sich zwar auf das Studium freue, doch es nicht ihr Wunschtraum sei. "Eigentlich wollte ich zum Bundesgrenzschutz, wurde aber wegen meiner schlechten Augen abgelehnt." Mit knapp 4,0 Dioptrin hatte die Kontaktlinsenträgerin beim BGS schlechte Karten jetzt trägt sie sich mit dem Gedanken, ihre Sehschwäche operativ beheben zu lassen: "Vielleicht lasse ich mir die Augen lasern und bewerbe mich im nächsten Jahr nochmal." Ein guter Durchblick ist schließlich auch im Hürdenwald nicht unwichtig.