Lokalsport

Mit der Begeisterung für alles Runde

Der 13-jährige Simon Geßner aus Holzmaden ist eines der größten Tischtennistalente der Region

Kleiner Mann ganz groß: Mit seinen 13 Jahren mischt der Holzmadener Simon Geßner im Dress des VfL Kirchheim die aktive Tischtennisszene auf. Bei den baden-württembergischen Meisterschaften am kommenden Wochenende in Offenburg greift das hoffnungsvolle Talent nach dem Titel bei den U 15.

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Peter Eidemüller

Holzmaden. Der große Timo Boll höchstpersönlich wacht über den größten Schatz des kleinen Simon Geßner: Ein Riesenposter der deutschen Tischtennis-Ikone hängt über dem Regal, auf dem der 13-Jährige all die Pokale aufreiht, die er auf der Jagd nach dem weißen Zelluloidbällchen bereits ergattert hat. Dabei ist Boll nicht einmal Geßners Vorbild in Sachen Tischtennis: „Ich mag ­Torben Wosik lieber“, sagt er. Kein Wunder: Als der heute 35-Jährige noch in Diensten des TTC Frickenhausen war, holte sich der junge Holzmadener nach Heimspielen mehrmals den Schlägerbelag von seinem Idol. „Ich hab ihn gefragt, ob er ihn mir gibt und er hat‘s einfach gemacht. Das war toll“, schwärmt Geßner. Quasi zur Belohnung grinst einen Wosik von der Wand in Geßners Zimmer an: Eine komplette Sammlung alter Autogrammkarten des Bundesligisten aus dem Neuffener Tal prangt neben dem Poster von Timo Boll – klarer Fall: Das Leben von Simon Geßner dreht sich um Tischtennis.

„Schon als Kleinkind hat ihn alles begeistert, was rund ist“, bestätigt Vater Roderich (46) schmunzelnd. Was lag für den selbst beim TSV Jesingen an der Platte aktiven Herrn Papa da näher, als den Filius mit zum Tischtennis zu nehmen? Dass sich dieser Schritt lohnen sollte, bewies der damals Siebenjährige schnell: Auf Anhieb gewann er eine Meisterschaft bei den Minis, woraufhin er ins Training beim TSV Holzmaden einstieg. Dort wurde ein Mann mit Auge für Talente auf ihn aufmerksam: Verbandstrainer Martin Keller lud Geßner nach dessen allererster Übungseinheit zum Stützpunkttraining nach Nürtingen ein – der Beginn eines steilen Aufstiegs.

Ein Wechsel in die renommierte Jugendabteilung des TSV Jesingen wurde schnell unumgänglich, wobei das Talent seinen Heimatverein nicht im Bösen verließ. „Die Holzmadener haben sich sehr bemüht, dafür sind wir auch dankbar“, so Roderich Geßner, „aber in Jesingen boten sich Simon bessere Bedingungen.“ Die Abteilung in Jesingen gilt schließlich seit Jahren als Aushängeschild in Sachen Jugendarbeit, die jeweiligen Teams mischen auf Verbandsebene weit oben mit. So spielte auch Simon Geßner für die Jesinger U 18-Mannschaften in Bezirksklasse und -liga, ehe er in der Rückrunde der vergangenen Saison auch erstmals bei den Aktiven zum Einsatz kam – mit Erfolg: Von den sechs Partien, die er für die Jesinger in der Kreisklasse A absolvierte, gewann der Youngster stolze vier.

Um seine Fähigkeiten noch weiter zu entwickeln, wechselte Geßner vor Beginn der aktuellen Saison zum VfL Kirchheim, wo er zur festen Größe der dritten aktiven Mannschaft in der Bezirksklasse geworden ist und auch schon Landesligaluft bei der „Zweiten“ schnuppern konnte. Der größte Unterschied zum Jugendbereich? „Die Aktiven verzeihen dir keinen Fehler“, weiß Geßner, der seine größten Erfolge bisher jedoch als Einzelspieler feierte.

Neben zahlreichen Bezirkstiteln und Podiumsplätzen bei baden-württembergischen Meisterschaften war der elfte Platz beim süddeutschen Ranglistenturnier im vergangenen Jahr sein größter Coup – vorerst, denn wenn er am kommenden Wochenende bei den baden-württembergischen U 15-Meisterschaften in Offenburg antritt, stehen die Chancen auf den Titel gar nicht mal schlecht. „Da kann jeder jeden schlagen“, weiß Vater Roderich, der zusammen mit Ehefrau Annemarie den sportlichen Spross ins Badische begleitet – für Simon kein Problem. „Mir macht das nichts aus, wenn meine Eltern mich in der Halle anfeuern.“ Der 13-Jährige weiß, dass er seinem Sport ohne Unterstützung der Eltern kaum im momentanen Umfang nachgehen könnte: Bei fünf Mal Training in der Woche ist durch einen beruflichen Wechsel des Vaters nach München vor allem die Mutter gefordert. Das Organisationstalent von Annemarie Geßner macht oft auch das scheinbar Unmögliche möglich: So zum Beispiel, als Simon regelmäßig sein Mittagessen auf dem Schoß während der Autofahrt von Weilheim nach Wendlingen vertilgen musste. Verköstigung auf dem Weg von der Schule ins Training – ohne die Frau Mama kaum möglich. Dass Schwester Monja (15) da oft zurückstecken muss, macht der Mutter mitunter zu schaffen. „Sie gönnt es ihrem Bruder aber von Herzen“, sagt Annemarie Geßner.

Dass der ganze Aufwand lohnt, den die Familie für ihren Jüngsten betreibt, davon ist auch der Bezirkspressewart überzeugt: „Wenn Simon dabei bleibt, kann er noch viel erreichen“, glaubt Eberhard Einselen, der gemessen an Geßners Alter feststellt: „Der Junge ist ein Riesentalent.“ Dessen offensive Spielweise nötigte schon so manch Arriviertem gehörigen Schweiß ab: Von den fünf Einzeln, die er in dieser Saison für die Kirchheimer Landesligamannschaft absolvierte, hat das Tischtennis-­Juwel vier gewonnen, in der Bezirksklasse waren‘s in zwölf Partien acht Siege – eine Bilanz, die er ganz bescheiden abtut: „Bei meinen ersten Spielen in der Aktivenklasse haben mich einige bestimmt unterschätzt.“

Kein Wunder: Bei nur 1,60 Meter Körpergröße erscheint der rotblonde Youngster nicht gerade respekteinflößend – doch Vorsicht: Hat sich Simon Geßner, dessen Paradeschlag die Rückhand ist, erst einmal in ein Match verbissen, ist ihm nur schwer beizukommen. Dass er dabei stets fair agiert, macht vor allem die Eltern stolz. „Es ist mir wichtig, dass er auch bei Niederlagen dem Gegner gratuliert“, betont Roderich Geßner, „das macht er aber immer von allein.“