Lokalsport

Mit "ein bisschen Bammel" ins Badische

Während es für "alte Hasen" wie Tobias Unger schon zur Routine gehört, stellt ein Hallenmeeting wie das in Karlsruhe am Sonntag für Athleten wie Lukas Erdmann, Ann-Kathrin Fischer oder Stephanie Lichtl ein echtes Erlebnis dar. Die Vorfreude auf das mit zahlreichen Top-Athleten gespickte Event ist aber bei allen vieren da.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Tobias Unger freut sich aufs Wochenende. Nicht nur, weil er am Sonntag beim renommierten Karlsruher Hallenmeeting seine Kräfte mit namhaften Athleten messen kann. Nein, als bekennender Fußballfan fiebert der Kirchheimer Sprinter auch dem Beginn der Bundesliga-Rückrunde entgegen. "Am Samstag schaue ich mir ganz entspannt den Spieltag auf Premiere an", freut er sich. Als bekennender Fan des FC Bayern München analysiert er auch den Pokal-Auftritt des Rekordmeisters unter der Woche gegen Mainz 05: "Solche Spiele zeigen die Klasse der Mannschaft."

Seine eigene Klasse will der 26-Jährige in der Karlsruher Europahalle ("Das ist quasi ein Heimspiel für mich") einmal mehr unter Beweis stellen. Nachdem ursprünglich ein Doppelstart über 60 m und 200 m vorgesehen war, konzentriert sich der frisch gebackene baden-württembergische Doppel-Meister in Karlsruhe nur auf die 200 m. "In den letzten Rennen hat es ein bisschen an der Schrittlänge gehapert", meint Unger, "daran wollen wir nun verstärkt arbeiten." Dennoch stellt das Meeting im Badischen einen Höhepunkt im Wettkampfkalender dar, allein schon wegen der Konkurrenz. Neben Ungers Dauerrivalen über die 200 m innerhalb des DLV, Sebastian Ernst, sind vor allem Joseph Batangdon (Kamerun) und Coby Miller (USA) hochkarätige Gegner. Der 29-jährige Miller ist der einzige Sprinter, dem die zweifelhafte Ehre zu Teil wurde, bei den US-amerikanischen Ausscheidungswettkämpfen zur Olympiade über 100 m unter zehn Sekunden zu laufen und dennoch nicht ins Team für Athen 2004 gekommen zu sein. Und mit dem Kameruner Batangdong hat Unger einen alten Bekannten als Gegner. Im vergangenen Jahr gewann der "Schwabenpfeil" die 200 m in Karlsruhe vor Batangdon und stellte nebenbei auch den aktuellen Meetingrekord (20,61 Sekunden) auf. Ungers Prognose: "Es wird schwer, zu gewinnen. Aber ich hoffe auf eine gute Zeit."

Dieselben Hoffnungen hegt auch Lukas Erdmann, der sich wie ein Schneekönig auf seinen Start über die 60 m Hürden freut. "Das wird bestimmt toll." Für den 22-jährigen Weilheimer ist die Teilnahme eine Belohnung für die guten Leistungen der vergangenen Wochen. Sein Trainer Micky Corucle nutzte seine Kontakte zu Meeting-Koordinator Alain Blondel und verschaffte Erdmann so einen Platz im illustren Starterfeld. Bis auf Jerome Crews, der bei den süddeutschen Meisterschaften in Erfurt laufen wird, ist die gesamte deutsche Hürden-Elite in Karlsruhe vertreten: Mike Fenner, Falk Balzer, Jan Schindzielorz und Thomas Blaschek. Weitere Top-Läufer sind der Österreicher Elmar Lichtenegger und der Amerikaner Ron Bramlett Grund genug für Lukas Erdmann, nervös zu sein. "Ein bisschen Bammel habe ich schon", gibt er zu, "aber eigentlich kann ich bei so einer Veranstaltung nur gewinnen." Eine Zeit um die 7,80 Sekunden rechnet sich der Student, dessen Bestleistung bei 7,92 liegt, bei optimalem Verlauf aus.

Auch für Ann-Kathrin Fischer ist die Teilnahme in Karlsruhe ein Bonbon ihres Coachs Corucle. Die 18-jährige Sprinterin im Dress des VfL Kirchheim geht über 60 m neben so starken Athletinnen wie Chandra Sturrup von den Bahamas (unter anderem Staffelolympiasiegerin aus dem Jahr 2000) und der Französin Sylviane Felix (Staffelbronzemedaillegewinnerin bei Olympia 2004) an den Start. "Dabei sein ist alles" kann angesichts dessen nur die Devise für Fischer lauten ebenso wie für Stephanie Lichtl, die über die 60 m Hürden an den Start gehen wird.

Das Hallenmeeting in Karlsruhe gilt unter Experten als eines der besten weltweit. In den vergangenen 20 Jahren verfolgten über 90 000 Zuschauer zahlreiche Topleistungen. Der Sender "Eurosport" wird am Sonntag von 16.30 bis 18 Uhr live aus der Europahalle übertragen.