Lokalsport

Mit Gelassenheit ins zweite U23-Jahr

Saisonstart für Mountainbiker Luca Schwarzbauer

Mountainbike-Talent Luca Schwarzbauer vom MTB Teck steigt am Sonntag beim Swiss Bike Cup in Rivera in die Cross-Country-Saison ein. Der U23-Fahrer aus Reudern sieht sich bereit für ein volles Wettkampfjahr, ist aufgrund der vergangenen Saison aber auch kritisch.

Nürtingen. Um seine Skepsis zu verstehen, muss man zurückblicken. „Im November gab es noch zähe Tage und das Gedöns vom Vorjahr wieder da war.“ Mit diesen Worten beginnt Luca Schwarzbauer von der Vorbereitung auf die Saison 2016 zu erzählen, als sich sein Körper „nicht richtig anstrengen wollte“, wie er sagt. Dieser Zustand begleitete ihn 2015 und riss seine erste U23-Saison regelrecht in Stücke. Der Junioren-WM-Dritte von 2014 startete nur bei wenigen Rennen. Darunter waren allerdings zwei überraschende zweite Plätze in der U23-Bundesliga in Titisee und Bad Säckingen. „Von da an ging es zwar konstant bergauf, aber trotzdem gab es auch Tage, an denen ich mich schlapp gefühlt habe und der Puls nicht hochging“, erinnert er sich.

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Die Ursachen für die Probleme? Schwer zu erfassen, vermutlich multikausal, aber alles unter dem Titel „Körpergefühl“ zwischen Belastung und Ruhe, körperlichem Wohlbefinden und sportlichem Ehrgeiz. „Mein Körpergefühl ist das Allerwichtigste und das entwickelt sich positiv. Ich habe versucht, im Winter deutlich mehr auf die Signale zu hören“, betont der 19-Jährige.

Das bezieht er auch auf seine gesamte Lebensgestaltung. Nach langen Trainingseinheiten prüfe er nun, ob er eine Verabredung mit Freunden einhalte oder lieber zu Hause entspanne – für Leistungssportler ist das Austarieren dieser Balance von großer Bedeutung für Erfolg.

Luca Schwarzbauer musste das 2015 schmerzlich erleben, doch das erste U23-Jahr ist längst nicht die schlechteste Phase in der Karriere für solche Erfahrungen. Da gibt es sportlich noch nichts zu verlieren, höchstens die Lust am Sport. Und die scheint dem Reuderner noch nicht abhandengekommen zu sein. „Ich bin bereit für die Saison“, sagt der Biker vom Lexware-Team jetzt, bleibt aber wachsam und kritisch sich selbst gegenüber. „Ich habe aber nicht den Mut, zu sagen, dass ich schon gefeit bin vor Überbelastungen. Ich will das nicht zu blumig darstellen, aber ich gehe mit einer anderen Einstellung rein als bisher. Wenn’s mal nicht geht, werde ich zurückstecken.“

Dazu gehört auch, die Erwartungen an sich selbst erst zu drosseln und keinen Druck aufzubauen. Ganz unabhängig davon, dass es nach den überstandenen schriftlichen Prüfungen zur Fachhochschulreife in den vergangenen drei Wochen „noch mal einen Schub“ gegeben habe.

Was das wert ist, lässt sich kaum einschätzen. Luca Schwarzbauer war aus schulischen Gründen in keinem BDR-Trainingslager und hat deshalb auch keinen Vergleich mit seinen Kollegen aus der Nationalmannschaft.

„Ich fühle mich gut, aber ich denke, es braucht noch zwei, drei Rennen, um in den Wettkampf-Modus zu kommen“, sagt er. Das erste wird das U23-Rennen morgen in Rivera sein, bevor am 10. April beim Bundesliga-Auftakt in Bad Säckingen bereits der erste Wettkampf ins Haus steht, in dem man die Norm für die EM im Mai in Schweden erfüllen kann. „Klar wäre es schön, bei EM und WM dabei zu sein. Aber ich mache mir da nicht viele Gedanken. Wenn ich die nötige Leistung bringe, wird der Bundestrainer das schon sehen. Und wenn nicht, dann muss ich auch nicht dabei sein“, versucht sich Luca Schwarzbauer in Gelassenheit.