Lokalsport

Mit spitzen Pfeilen gegen die Vereinsspitze

Beim TSV Ötlingen hängt der Haussegen schief. Weil der jüngste Spross der Familie erwachsen wird, herrscht Enge in der Kinderstube. Der Streit um ein zu klein gewordenes Übungsgelände der Traditionellen Bogenschützen droht für Abteilung und Verein zur Zerreißprobe zu werden. Von Nötigung bis Erpressung reichen die Vorwürfe.

BERND KÖBLE

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KIRCHHEIM Seit drei Jahren bereichern die "Tradbogner" das sportliche Spektrum im TSV Ötlingen. Das Schießen mit sogenannten Langbögen aus Holz ist die familienfreundliche Variante des wettkampforientierten und inzwischen auch hochtechnisierten Bogenschießens. 15 Anhänger der exotischen Sportart fanden sich damals zusammen, um als Splittergruppe der Ötlinger Turner ihrem Hobby nachzugehen. Im folgenden Jahr 2004 riefen die "Tradbogner" eine eigene Abteilung ins Leben und verzeichneten fortan gewaltigen Zulauf: Inzwischen hat die jüngste Sparte im TSV Ötlingen mehr als 90 Mitglieder im Alter zwischen sieben und sechzig Jahren.

So weit, so erfreulich. Doch eine große Familie braucht auch eine geräumige Bleibe, respektive ein weitläufiges Übungsgelände. Das Baumwiesle beim Sportgelände "Rübholz", das bisher als solches dient, ist neuerdings jedenfalls zu klein, um den nötigen Sicherheitsabstand zu Nachbargrundstücken zu garantieren. Das sahen auch die TSV-Verantwortlichen so und reichten den Tradbognern die Hand zum Bunde, indem sie ein Ausweichquartier am Waldrand jenseits der Sportanlagen aus dem Ärmel zogen. In dem bisher noch landwirtschaftlich genutzten Flurstück, das in den Plänen der Stadt ohnehin als Erweiterungsfläche für das Sportgelände vorgesehen ist, sieht die Vereinsführung das ideale Objekt.

Bei den Tradbognern ist man inzwischen anderer Meinung, seit der Verein bei der Stadt einen Antrag auf Nutzungsänderung gestellt hat und dieser zunächst abgelehnt wurde. "Die Auflagen sind für uns nicht akzeptabel", sagt Abteilungssprecher Wolfgang Lemm. Dabei geht es unter anderem um die Errichtung eines Schutzwalls mit entsprechender Bepflanzung und Entwässerung, um erschwerte Zufahrt oder die Tatsache, dass der bisher als Gerätedepot benutzte Bauwagen auf dem neuen Grundstück laut Unterer Naturschutzbehörde nichts zu suchen hat. Inakzeptabel sei auch die Forderung, die Vorrichtungen für Zielscheiben während des Winters zu entfernen, weil diese nicht ins Landschaftsbild passten. "Wir trainieren ganzjährig", nennt Lemm den Grund, "bei uns gibt es keine Saison."

Weit mehr als die durchaus üblichen Einwände der Behörden empört Lemm ein Ultimatum, das der Verein inzwischen gestellt hat: Entscheidet sich die Abteilung für das neue Grundstück, kann das bisherige bis zum Jahresende 2007 genutzt werden. Bleibt die Abteilung bei ihrer ablehnenden Haltung, wird der Pachtvertrag bereits zum 31. März gekündigt. "Uns droht im Frühjahr das Aus, nur weil wir nicht willens sind, ein ungeeignetes Grundstück zu übernehmen", sieht Wolfgang Lemm das Tischtuch zwischen Abteilung und Verein zerschnitten. Mehr noch: Bei den Tradbognern denkt man inzwischen laut über eine Trennung nach und holt spitze Pfeile aus dem Köcher, wenn von Erpressung die Rede ist.

Anders sieht dies Helmut Blasi. Der Vorsitzende des TSV Ötlingen hält den eingeschlagenen Weg für den einzig richtigen: "Einigen Abteilungsmitgliedern ist nicht klar, dass für den Hauptverein Sicherheit an erster Stelle steht." Die beginnt für den Vereinsboss bereits beim Zugang zum jetzigen Grundstück, der weglos über eine kleine Böschung führt. Mit dem Ultimatum habe man die Angelegenheit vorantreiben wollen, um zu verhindern, dass das neue Flurstück ein weiteres Jahr bewirtschaftet werde. Den Aufschrei der Abteilung hält Blasi für überzogen. Bei einem Großteil der behördlichen Auflagen sieht der Vorsitzende Lösungswege, die allen Beteiligten gerecht werden könnten. Jetzt soll erst einmal ein offizielles Gutachten des Schützenbundes Klarheit in puncto Sicherheitsstandards bringen.

Die nasskalte Witterung zu Wochenbeginn hat mit Blick auf den umstrittenen Bauwagen im Rübholz ein Bild mit Symbolwert geschaffen: Die Karre sitzt gehörig im Dreck.