Lokalsport

Mit Vierjahresplan nach Peking

Niedergeschlagenheit sieht anders aus. Knapp drei Wochen nach dem offiziell verkündeten Aus für das Team T-Mobile tragen die Fumic-Brüder betonte Lockerheit zur Schau. Mit den Plänen für einen eigenen Rennstall in der kommenden Saison, wird der Neubeginn für die beiden Mountainbike-Profis zu einer Reise in die Vergangenheit.

BERND KÖBLE

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KIRCHHEIM Zurück zur Basis. An der Parole der Fumic-Brüder vor der kommenden Rennsaison haften Erinnerungen. Nach zweijähriger Arbeit im wohl professionellsten Umfeld der internationalen Mountainbike-Szene werden die T-Mobile-Fahrer im nächsten Jahr unter eigener Regie an den Start gehen. Das Fumic Racing Team das gab's schon einmal. 1998 nahm Lado Fumic als damaliger Bikeshop-Betreiber Herz und Talent in beide Hände und forderte mit grenzenlosem Selbstvertrauen und kesser Lippe die arivierte Konkurrenz heraus. Während Lado von Rennstrecke zu Rennstrecke tingelte hielt der 16-jährige Manuel, der sich gerade die ersten Sporen im Juniorenfeld verdiente, daheim die Stallwache.

Die Zeiten haben sich geändert: Aus dem Himmelsstürmer von einst ist ein Gejagter geworden und der kleine Bruder geht in seiner ersten Saison im Elitefeld als U23-Weltmeister an den Start. Das Jahr 2005 für die Fumic-Brüder wird es ein richtungsweisendes sein. Nach den Tiefschlägen bei den Olympischen Spielen in Athen und bei der anschließenden WM in Frankreich, will der viermalige Deutsche Meister endlich einen internationalen Titel. Sein sechs Jahre jüngerer Bruder hingegen muss beweisen, dass er es nach einem herausragenden Jahr als U23-Fahrer auch mit der Weltspitze aufnehmen kann.

Doch statt nahtlos in einen großen Profistall zu wechseln, will das Duo seine Ziele auf eigene Faust verwirklichen. Kann das gut gehen? "Der Etat für das kommenden Jahr steht", zeigt sich Lado Fumic unbekümmert. Mögliche Sponsoren will er so lange nicht nennen, wie der Vertrag mit dem Bonner Rennstall noch läuft. "Wir konnten bei T-Mobile zwei Jahre lang unter sehr professionellen Bedingungen arbeiten", meint er, "jetzt freuen wir uns auf einen Neubeginn." Der soll die beiden wieder enger an die Heimat binden und damit auch dem Privatleben mehr Platz einräumen. Lado hat soeben seine neue Wohnung in Kirchheim bezogen, Manuel baut daheim um.

Dass die Zäsur zum Jahresende positive Seiten offenbart, hängt auch mit neu gewonnenen Freiheiten zusammen. 46 Tage gespickt mit PR-Terminen standen allein im vergangenen Jahr im Kalender. In medialer Enthaltsamkeit will sich das Duo zwar auch in Zukunft nicht üben, doch verspricht man sich nun freie Hand bei der Vermarktung des eigenen Labels. Dessen Marktwert wird freilich an sportlich Zählbarem gemessen werden. "Wenn wir es schaffen, konstante Leistung zu bringen, sind wir zu zweit das stärkste Team in Deutschland", ist Lado überzeugt. Hinzu kommt, dass der extrovertierte Kirchheimer, der auf die Werbewirksamkeit der Familienbande setzt, kein Unerfahrener in Sachen Selbstvermarktung ist.

Nach einer ereignisreichen Saison mit EM, WM und Olympischen Spielen heißt das Fernziel nun erneut Olympia. In Peking wollen die beiden Brüder 2008 noch einmal gemeinsam an den Start gehen. Für Manuel könnte dies der Gipfel seiner sportlichen Karriere sein, für Lado ein würdiges Finale, denn danach soll Schluss sein. "Es gibt auch noch andere Dinge im Leben", meint der 28-Jährige, der als kompromissloser Rackerer in der Szene gilt. Dass sich die Familienhierarchie allsbald ändern könnte, ist für beide kein Problem. In Expertenkreisen gilt Manuel schon heute als der Fahrer mit dem größeren Potenzial. "Ich bin durch Lado nach oben gekommen", macht dieser deutlich, weshalb ein Ausscheren aus dem Mannschaftsverbund für ihn kein Thema ist. "Wir pushen uns gegenseitig. Je näher ich Lado komme, desto eher können wir unsere Paarstärke auch im Rennen ausspielen."

Der Weg nach Peking soll einem Vierjahresplan folgen. Nach dem Solo im kommenden Jahr wird 2006 ein neues Kapitel eröffnen. "Dann wird es ein neues Team mit einem starken Partner geben", verspricht der ältere der beiden Brüder. Gerüchte, wonach die US-Radschmiede Specia-lized, zu denen Fumic seit den Anfängen gute Kontakte pflegt, Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert haben soll, wird dort bereits heftigst dementiert.

Unter welchem Namen auch immer das Team 2006 an den Start gehen wird, bis dahin gilt es finanziell kleinere Brötchen zu backen. "Mehrwöchige Trainingslager in Südafrika wie im vergangenen Jahr wird es sicher nicht mehr geben," meint Lado Fumic. Doch das ist nicht entscheidend. "Die Region bietet ideale Trainingsmöglichkeiten." Und wenn in der Vorsaison die Kälte aufs Gemüt schlägt, versprechen auch europäische Sonnenziele Linderung. Die Trennung von T-Mobile trifft die Fumic-Brüder auch aus anderen Gründen nicht ins Mark: "Für uns wird sich nicht viel ändern", sagt Lado. "Wir haben früher nach Gefühl trainiert und werden dies auch weiter tun." Der Kontakt zu den Verbandstrainern Frank Brückner und Thomas Schediwie bestehe unverändert und mit Tobias Braunwarth und Daniel Hespeler stehen den beiden auch künftig zwei erfahrene Mechaniker zur Seite. Auch an der Teamzentrale auf dem Kirchheimer Riethmüller-Areal, wo Racing Team GmbH und T-Mobile-Managment miteinander verschmolzen, wird sich vorerst nichts ändern.

Im November beginnt die Vorbereitung auf die neue Saison. Am 1. Dezember will Lado Fumic bei den Giants of Rio den Zuckerhut erklimmen. Dass gleich den ersten Termin im Rennkalender eine Juxveranstaltung markiert, mag ein Fingerzeig in Richtung Zukunft sein: Bei dem kuriosen Staffel-Wettkampf aus Schwimmen, Laufen, Mountainbiking und Paragliding steht neben sportlicher Höchstleistung der Spaß im Mittelpunkt.