Lokalsport

Mit Wut im Bauch und Heyden

Gegen Spitzenreiter Bayreuth wollen sich die Knights nicht mit der Statistenrolle begnügen

Das Besondere an Wundern ist, dass man sie nicht alle Tage vollbringt. Auch wenn man Erfahrung damit hat – so wie die Knights gegen den designierten Meister aus Bayreuth. Vor dem morgigen Spitzenspiel der Pro A in Kirchheim könnten die Gefühlswelten beider Gegner jedenfalls unterschiedlicher kaum sein.

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Bernd Köble

Kirchheim. Zur Kirchheimer Erstaufführung der Meistersinger wird es in der eher kulturfremd angelegten Sporthalle Stadtmitte morgen nicht kommen. Dafür ist die Zeit noch nicht reif. Anlass zu Freudengesängen könnte es für die Gäste aus der Festspielstadt aber dennoch geben. Gelänge dem BBC in Kirchheim der erwartete Sieg, wäre der Tabellenführer auch rechnerisch aufgestiegen. Die Rückkehr der Oberfranken in die erste Liga nach elf Jahren Abstinenz ist das Gesprächsthema in der Stadt und wird dieser Tage allenfalls von der Trauer um Wolfgang Wagner überdeckt, den Patriarchen der Bayreuther Festspiele, der vergangenen Samstag verstarb.

„Die ganze Stadt fiebert mit dem BBC“, sagt Coach Andreas Wagner. „Die Aufstiegs-Euphorie ist riesig.“ 3 500 Zuschauer verlegten die Festspiele beim jüngsten Heimerfolg gegen Kaiserslautern am Wochenende in die proppenvolle Oberfrankenhalle. 500 werden morgen in Kirchheim erwartet. Ein Sieg aus den verbleibenden fünf Spielen fehlt noch. Am Aufstieg des Traditionsclubs, dem 1989 das Double mit deutscher Meisterschaft und Pokalsieg gelang, zweifelt niemand mehr ernsthaft. „Wir fahren konzentriert und mit dem nötigen Respekt nach Kirchheim,“ meint Andreas Wagner höflich. Schließlich geht es nicht nur um den Aufstieg: Die Franken wollen Meister werden und benötigen dafür noch den einen oder anderen Punkt.

Nimmt man das vergangene Wochenende zum Maßstab, treffen morgen zwei konträre Gefühlswelten aufeinander. Der Tabellenführer lieferte gegen die Braves aus der Saarpfalz seine beste Saisonleistung ab und unterstrich damit eindrücklich seine Erstliga-Ambitionen. Dem gegenüber steht der blamable Auftritt der Knights in Osnabrück, der ebenfalls mit einem Superlativ bedacht werden könnte. Schlechter geht‘s – zumindest was die Trefferquote anbelangt – kaum. Wer hoch fliegt, der landet mitunter hart. Erst noble Feinkost gegen den Vize aus Cuxhaven, am Samstag dann Pichelsteiner Eintopf mit Graubrot. Das weckt Erinnerungen: Im Februar beendete der sportliche Offenbarungseid in Freiburg den Höhenflug der Kirchheimer nach grandiosen Siegen in Karlsruhe und gegen Crailsheim.

Knights-Coach Frenkie Ignjatovic will darin kein System erkennen. „Wir sind nicht überheblich und wir haben keine chronischen Startschwierigkeiten“, meint der Trainer, der zum wiederholten Mal in dieser Saison erleben musste, wie seine Mannschaft vom Start weg einem gewaltigen Rückstand hinterherrannte. „Wir leben nun mal vom Tempo und von Distanzwürfen“, meint der Trainer. „Da gibt es Tage, da gehen die Dinger einfach nicht rein.“ Der Vorteil: Auch andersrum wird ein Schuh draus. Im Dezember reisten die Kirchheimer mit der Hypothek dreier Niederlagen in Serie und einer verletzungsbedingten Rumpfmannschaft zum bis dahin ungeschlagenen Spitzenreiter. Anschließend hatte der große Favorit den ersten Fleck auf der weißen Weste und die Knights für die größte Überraschung der gesamten Hin-Serie gesorgt.

Nicht nur deshalb spricht Bayreuths Coach mit Blick auf die Knights vom stärksten Kader der Liga. Sein Kollege kann darüber freilich nur schmunzeln: „Wer den BBC gegen Kaiserslautern gesehen hat, der weiß, dass diese Mannschaft schon jetzt die Qualität für die erste Liga hat“, meint Frenkie Ignjatovic. Immerhin kann er morgen wieder auf einen wichtigen Mann zurückgreifen. Spiele wie gegen Essen und in Osnabrück haben gezeigt: Ohne Phillipp Heyden sind die Kirchheimer unterm Korb nur Mittelmaß. Eine Erkenntnis, die vor der neuen Saison zeigt, wo dringend nachgerüstet werden muss, denn Heyden wird in der neuen Spielzeit keine Option mehr in Kirchheim sein.

Einziges Sorgenkind vor dem morgigen Spiel ist Mannschaftskapitän Radi Tomasevic, der noch immer an seiner Knieverletzung aus dem Spiel in Heidelberg laboriert. Die behindert den 1,82 Meter großen Wirbelwind offenbar mehr als er zunächst eingestehen wollte. Null Punkte bei 18 Minuten Spielzeit in Osnabrück. „An so etwas kann ich mich in meiner ganzen Karriere nicht erinnern“, meint Tomasevic nachdenklich. Frenkie Ignjatovic glaubt fest an eine Trotzreaktion seiner Mannschaft, die die nötige Wut im Bauch verspürt. Wichtiger als der Blackout seiner Leistungsträger sind die wenigen positiven Signale bei der jüngsten Niederlage: Chris Gilliam und der wiedergenesene Tim Koch bestätigten beide ihre ansteigende Form und empfahlen sich als echte Alternativen auf dem Feld. „Wir haben schlecht gespielt“, meint der Trainer ungeschminkt. „Aber ich habe auch eine Mannschaft gesehen, die sich nie aufgegeben hat.“ Vielleicht ist Ostern die passende Zeit für neue Wunder.