Lokalsport

"Mit Zeit und Energie kann man hier was auf die Beine stellen"

Ein reines Läufermeeting im Kirchheimer Stadion Wunschtraum idealistischer Leichtathletikfreunde oder mit zu hohem Aufwand verbundenes Risikoevent? Wir sprachen mit einem, der als Kenner der Szene gilt und sich für eine Veranstaltung unter der Teck stark macht: Kirchheims Ex-Nationalsprinter Marc Kochan (27), der inzwischen als PR-Fachmann für die "in.Stuttgart"-Veranstaltungsgesellschaft tätig ist.

PETER EIDEMÜLLERHerr Kochan, was spräche für ein reines Läufermeeting in Kirchheim?Wenn man sich die Bekanntheit eines Tobias Unger vor Augen führt, dann ist das ein Pfund, mit dem man schon ordentlich wuchern könnte. Hätte man ihn als Zugpferd und weitere Athleten aus Micky Corucles Trainingsgruppe drum herum, wäre das schon Mal eine gute Grundlage. Ich bin mir sicher, dann ließe sich die nationale Sprintelite auch nach Kirchheim locken.Wie könnte eine solche Veranstaltung in Kirchheim denn aussehen?Ein Meeting nur um des Meetings Willen wäre nicht sinnvoll. Abendsportfeste gibt es genug. Viel eher müsste man so etwas nutzen, um innovative Konzepte auf die Bahn zu bringen. Sprints im Turniermodus, Zeitenaddierung oder Ähnliches. Die Leichtathletik muss moderner werden, damit sie den Kontakt zu den Menschen außerhalb der großen Leichtathletik-Metropolen nicht verliert. Und gerade im Stuttgarter Raum gibt es eine Vielzahl an Leichtathletik-InteressiertenNun würde aber auch ein Tobias Unger sicher nicht nur aus reiner Gefälligkeit in Kirchheim starten oder doch?Da müsste man miteinander reden. Ein Betrag um die 15 000 Euro wäre sicher notwendig, um neben Unger weitere deutsche Top-Sprinter her zubekommen. Logistische Dinge wie Hotelunterbringungen, Verpflegung und Ähnliches mit eingerechnet.Woher soll das Geld angesichts leerer Kassen bei Stadt und Verein denn kommen?Ohne Sponsoren würde überhaupt nichts gehen. Aber wenn man ein schlüssiges Konzept hat, das man potenziellen Geldgebern präsentieren kann, dann würde sicher der eine oder andere anbeißen. Zumal man bei zunehmender Prominenz der Teilnehmer ja auch das Fernsehen mit ins Boot bekommen könnte. Das A und O ist, bei den entsprechenden Leuten Überzeugungsarbeit zu leisten. Hätte man die Zusage des Fernsehens zuerst, würde man natürlich leichter Sponsoren finden. Stars, Sponsoren, TV das hängt alles sehr stark voneinander ab.Die Angst vor dem finanziellen Risiko ist groß, vor allem beim VfL. Wie kann man diese Risiko mindern?Gängige Praxis bei solchen Dingen ist eine Ausfallbürgschaft, die normalerweise die Stadt übernimmt. Dadurch bekommt der veranstaltende Verein die Gewähr, dass eine bestimmte Deckungssumme vorhanden ist. Logischerweise dürfte man mit so einer Veranstaltung kein Minus erwirtschaften, sondern sollte bei "null" rauskommen. Grundlage ist eine realistische Planung und keine vollmundigen Versprechen gegenüber potenziellen Sponsoren und dem Fernsehen.Was wäre denn über den finanziellen Rahmen hinaus noch nötig?In Sachen "Man-Power" ist man auf die Unterstützung des Vereins angewiesen. Die Kampfrichter stellt der WLV. Dann braucht man natürlich eine Zeitenmessung, ein Windmessgerät und die dazugehörige EDV. Am wichtigsten ist aber ein drei-, vierköpfiges Team, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Sicher bräuchte man auch eine Person, die in den letzten Wochen vor der Veranstaltung quais in Vollzeit arbeiten kann.Welche Chancen würden sich für Verein, Stadt und Leichtathletik-Szene ergeben?Viele Kinder und Jugendliche wären begeistert, einen Tobias Unger mal hautnah erleben zu könnnen. Das könnte dem Verein zusätzliche Mitglieder bringen. Darüber hinaus kann durch Bewirtung Geld in die Vereinskassen gespült werden. Und die Stadt stünde im Mittelpunkt des Leichtathletik-Interesses, wenn Top-Athleten hierher kämen.Gibt es Fälle, in denen vergleichbare Städte und Gemeinden ins Rampenlicht gerückt sind?Das Pfingstsportfest in Rehlingen im Saarland ist ein gutes Beispiel. Das ist ein Ort mit knapp 4 000 Einwohnern trotzdem findet dort alljährlich eine renommierte Veranstaltung statt, bei der unter anderen auch schon Frank Fredericks gelaufen ist.Das klingt alles im ersten Moment sehr einleuchtend, fast schon einfach. Wo sehen Sie Probleme?Man braucht wirklich Leute, die sich sehr intensiv damit beschäftigen und so etwas professionell aufziehen. Die Vorlaufzeit läge sicher bei rund einem Jahr. Zweites großes Problem ist die Sponsorengewinnung. Aber ich bin optimistisch, dass sich die lokale Wirtschaft von entsprechenden Konzepten begeistern lassen würde. Wichtig ist allerdings, dass alle an einem Strang ziehen: Wenn Stadt, Verein und eine handvoll Organisatoren mit Zeit und Energie an die Sache rangehen, kann man auch etwas auf die Beine stellen.Das klingt sehr idealistisch . . .Natürlich, aber wenn man den Kopf von Beginn an in den Sand steckt, wird es definitiv kein Meeting geben. Ich denke, man sollte es probieren und in den nächsten Monaten einige grundsätzliche Dinge abklopfen. Dann sehen wir, ob dieser Plan gehalten werden kann. Wenn nicht, hat es zumindest niemandem geschadet.

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