Lokalsport

"Möchte am liebsten gleichmorgen wieder einsteigen"

Nach der 0:1-Niederlage in Plauen im Spiel der Fußballoberliga Nord Ost kam der Abpfiff: Wolfgang Frank, der seine fußballerischen Wurzeln in Schlierbach und Kirchheim hat, musste als Trainer des FC Sachsen Leipzig seinen Hut nehmen. Doch Frank, der als Wandervogel gilt, ist nicht nachtragend. "Wenn es nicht läuft bei der Mannschaft, geht halt der Trainer. So sind die Gesetze des Geschäfts", bestätigte der 54-Jährige.

THOMAS PFEIFFER

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KIRCHHEIM/LEIPZIG Tabellenplatz acht, nur 13 Punkte aus acht Spielen, meilenweit weg vom anviserten Regionalligaaufstieg Sachsen Leipzigs Trainer Wolfgang Frank wurde am Montag mit sofortiger Wirkung entlassen. Das ist die schlechte Nachricht die gute: Der nationale Trainermarkt bekommt eine schillernden Ex-Profi mehr. Hallo Herr Frank. Der Grund unseres Anrufs ist kein erfreulicher. Noch geschockt, dass Sie Oberligist FC Sachsen Leipzig am Montagabend entlassen hat?Wolfgang Frank: Ich wusste schon bei meinem Amtsantrit vor 18 Monaten, dass ich hier ein hohes Risiko einging. Im Verein und Umfeld herrscht großer Erwartungsdruck, alle wollen in die Regionalliga aufsteigen. Zur Trennung kam's, weil die Vorstandschaft keine Geduld aufgebracht hat.Scheiden Sie mit unguten Gefühlen vom FC Sachsen Leipzig?Frank: Nein, Leipzig war eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Auch wenn mich einige Ultras unter den Fans nach einer Niederlage neulich anspuckten: mein Engagement in Leipzig bereue ich nicht. Und im Verein gibt es ja auch einige sehr fähige Leute.Jetzt müssen Sie zwangsläufig eine Weile pausieren, bis sich ein neuer Verein findet.Frank: Wenn es nach mir ginge, würde ich gleich morgen wieder einsteigen.Am liebsten wo?Frank: Ich möchte zurück in den bezahlten Fußball. Oder, sagen wir mal, wenigstens zu einem ambitionierten Amateurverein. Der Verein, der mich haben will, muss aber wissen, dass auf die Spieler harte Arbeit wartet. Jetzt warte ich erstmal ab. Was wäre die unterste Spielklasse, in der sich Profitrainer Wolfgang Frank eine Tätigkeit vorstellen könnte?Frank: Starre Grenze ziehe ich nicht. Der Gedanke, einen Verbandsliga-Club zu trainieren, kommt mir allerdings nicht. In Ihrer etappenreichen Trainerkarriere schafften Sie mit dem damaligen Zweitligisten Rot-Weiss Essen 1994 den Einzug ins DFB-Pokalfinale, Gegner im Berliner Olympiastadion war Werder Bremen mit Otto Rehagel . . . Ihr bisher größter Triumph als Trainer? Frank: An das Spiel kann ich mich noch gut erinnern. Wir verloren damals 1:3. Sicherlich war dieses Spiel ein Highlight meiner Trainerkarriere.Als Trainer sind Sie viel rumgekommen, als Spieler in den 70er-Jahren auch. VfB Stuttgart, Eintracht Braunschweig, Borussia Dortmund welchem Ihrer Ex-Vereine drücken Sie heute die Daumen? Frank: Einen absoluten Lieblingsverein habe ich nicht. Allerdings zieht's mich immer wieder nach Mainz, wo ich ja insgesamt vier Jahre lang Trainer war. Mainz war eine wichtige Trainerstation für mich. Dort wohnt übrigens auch meine neue Lebensgefährtin, gut möglich, dass ich bald nach Mainz umziehen werde.Können Sie sich noch an ihre Zeit als Kirchheimer B-Jugend-Fußballer Mitte der 60er-Jahre erinnern?Frank: Vage. Ich kam damals vom TSV Schlierbach und habe mich dem VfL Kirchheim angeschlossen für mich war das damals ein "großer" Verein. In den anschließenden zwei VfL-Jahren habe ich mich so gut weiterentwickelt, dass VfB-Späher auf mich aufmerksam wurden. Nach einem einmaligen Probetraining war ich plötzlich Jugendspieler des VfB Stuttgart.Der Beginn einer Fußball-Karriere . . .Frank: Da muss ich meinem Vater, der 72 ist und in Schlierbach lebt, heute noch Dank sagen. Er hat mich damals immer zum Training und und zu den Spielen gefahren.In 215 Bundesligaspielen schossen Sie 89 Tore, und trotz 1,72 Meter Körpergröße und 66 Kilogramm waren Sie in ihrer Profizeit recht kopfballstark. Den Sprung in die A-Nationalmannschaft haben Sie dennoch nie geschafft.Frank: 1978, noch unter Trainer Helmut Schön, stand ich kurz davor: Er berief mich in den Kader. Dann hab ich mir eine Adduktorenverletzung zugezogen, und aus war der Traum.Herr Frank, wir danken für das Gespräch.

INFOWolfgang Frank wuchs in Schlierbach auf und ist heute DFB-Fußballlehrer. Spielerstationen waren u. a. VfL Kirchheim (B-Jugend), VfB Stuttgart (1971 bis 1973), AZ Alkmaar (1973/74), Borussia Dortmund (1977 bis 1980) und FC Nürnberg (1980 bis 1982), als Trainer hatte er Engagements beim FC Aaarau/Schweiz (1989 bis 1991), RW Essen (1994 bis 1995), Mainz 05 (1995 bis 1997 und 1998 bis 2000) und SpVgg. Unterhaching (2002 bis 2004). Frank, der als Torjäger galt, absolvierte sechs B-Länderspiele.