Lokalsport

Müde Knights patzen

Noch nie kamen 1300 Zuschauer zu einem Basketballspiel in die Kirchheimer Sporthalle Stadtmitte. Noch nie war die Chance auf den Aufstieg in die zweite Liga so groß. Doch die Kirchheim Knights verpatzten den Auftakt und verloren 76:80 (34:30) gegen TuS Treis-Karden.

KIRCHHEIM Die größte Überraschung folgte allerdings nach dem Spiel: Coach Theo Leftakis trat nach drei Jahren bei den Knights zurück (siehe Extra-Artikel). Die Emotionen kochten auch schon während der knapp zwei Stunden in Kirchheims Sportpalast ziemlich hoch.

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Kurz vor Spielbeginn machte die Nachricht vom etwas unverhofften 76:75 des TV Rastatt-Rheinau beim Nord-Meister ASC Mainz die Runde. Es war TV-Spielertrainer Zoran Seatovic, der sechs Sekunden vor Schluss mit einem von zwei Freiwürfen den Endstand hergestellt hatte. Die Knights trefen am Sonntag auf Mainz.

Bis dahin heißt es erst einmal für den VfL, die Wunden, die dieser unglückliche Abend geschlagen hat, zu versorgen, über den Fehlstart hinweg zu kommen und bis Mittwoch eine bissige Jetzt-erst-recht-Stimmung zu entwickeln. Beide Auftaktspiele endeten also mit dem Sieg der Auswärtsmannschaft und mit der Niederlage des jeweiligen Meisters. Co-Trainer Pasko Tomic, seit gestern VfL-Trainer, hatte eine Erklärung für das Geschehen: "Wir haben 80 Punkte bekommen. Das geht auf die Kappe der Trainer und der Spieler." Dabei funktionierte die Verteidigung der Knights drei Viertel lang ganz ordentlich. Doch in den dritten zehn Minuten verdoppelten die Moselaner ihr Punktekonto von 30 auf 63, vielleicht waren sie ja inspiriert vom sensationellen Treffer von der Mittellinie von Jonathan Solomon, dem Göppinger, der für Konstanz in der Regionalliga spielt, der damit den 300-Euro-Gutschein der Firma Sport-Räpple gewann. Kirchheim dagegen wirkte alles andere als inspiriert, eher gehemmt und sogar ein bisschen müde.

Verantwortlich für die offensive Explosion des TuS waren fast ganz allein die beiden Teamstars Josip Bosnjak und Mansah Taylor. Kai-Uwe Kranz meinte dazu: "Trotz der DVD-Analyse haben wir die beiden nicht in den Griff bekommen." Zum Teil haben die beiden auch die falschen Leute verteidigt. In diesem dritten Viertel jedenfalls zogen die beiden Treiser der Kirchheimer Defensive ein ums andere Mal eine lange Nase, keiner war in der Lage, sie zu stoppen. Unbegreiflich aber auch, warum Theo Leftakis während des 12:0-Laufs der Gäste keine Auszeit nahm, um deren Rhythmus zu brechen.

So befanden sich die Knights plötzlich auf einer Aufholjagd, und die sagenhaft mitgehenden VfL-Fans trieben sie auch bis an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Doch bis kurz vor Schluss waren Treis-Karden und vor allem Bosnjak zu clever, bis Kai-Uwe Kranz seinen vierten Dreier zum 76:78 und die Halle endgültig in ein Tollhaus verwandelte.

Sechs Sekunden vor Schluss hatten die Knights Ballbesitz. Beim Fangen tritt Kranz auf die Mittellinie: Rückspiel. Doch Bosnjak lässt den Ball ins Aus fallen noch drei Sekunden. Als beim letzten Einwurf Ross Jorgusen zum Ball startet, wird er von Seimet und Stein zunächst gehalten und dann per Ellbogencheck von Stein zu Boden befördert. Jorgusen: "Das war schon lächerlich, dass es da keinen Pfiff gab, aber solche Fehler kommen vor." Anstatt Freiwürfe für Jorgusen gab es einen krachenden Dunking von Stein zum 76:80-Endstand, und nun stehen die Knights mit dem Rücken zur Wand.

Der VfL-Optimismus ist allerdings noch da. Jorgusen: "In dieser Runde spielt es keine Rolle, ob man zu Hause oder auswärts spielt, allein die Tagesform entscheidet." Kai-Uwe Kranz: "Noch ist nichts verloren. Wir haben noch alle Chancen, es zu schaffen." Pasko Tomic wählte eine Metapher diese: "Wo wir jetzt schon in Rom sind, wollen wir auch den Papst sehen. Also Erster werden und aufsteigen."

Die wohl letzte Chance dazu bietet sich am Mittwoch in Rastatt. Im Weissinger-Fanbus (Anmeldung unter 07021/41219 oder ulrich@tangl.de) sind noch reichlich Plätze frei.

mad

VfL Kirchheim: Goehrke (6), Hayden (9/1), Jorgusen (17/1), Kranz (22/4), Lenger (2), Lukic (14/1), Martinovic (6/2), Tsouknidis.TuS Treis-Karden: Bosnjak (24/2), Grunenberg (6), Keifenheim (2), Klär, Nitzsche, Robisch (2), Seimet, Stein (18), Taylor (28/2), Welter.Dreier: 9 (VfL), 4 (TuS).Fouls: 22 (VfL), 21 (TuS).Freiwürfe: 19:21/90 % (VfL), 20:36/55,5 % (TuS).Schiedsrichter: Walter (Stuttgart) und Aichele (Tübingen) boten eine durchschnittliche Leistung.Zuschauer: 1300 (VfL-Rekord).