Lokalsport

Multi-Kulti auf dem Trainingsplatz

Die Welt zu Gast im Training: Wenn die E-Jugend des VfL Kirchheim hinterm Stadion aufläuft, dann ist das etwa so, als würde "Zizou" sein Abschiedsspiel gegen eine Weltauswahl bestreiten.

BERND KÖBLE

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KIRCHHEIM Von A wie Adriano bis Z wie Zidane Von den Galionsfiguren der Spitzenteams fehlt kaum

O:902F603.EP_ ein Name auf den Trikots der Stars von morgen. Ein Ruhm, von dem jeder hofft, dass er ein wenig abfärbt. Ganz nach oben wollen sie schließlich alle und die Richtung stimmt: Vor zwei Wochen erst haben sich die Knirpse des VfL bei einem Turnier in Kassel unter die besten 24 Teams ihres Jahrgangs gespielt mit 1 300 Mannschaften aus 13 Nationen. "Ein Riesenerfolg", sagt ihr Tainer Manfred Mross. Wenn der über den guten Jahrgang 96 spricht, dann meint er keinen edlen Tropfen, sondern das fußballerische Talent seiner Schützlinge, die er unter den besten 100 Teams in Deutschland wähnt.

Im Konzert der Fußballnationen dieser Welt spielt Mross die erste Geige. Im Argentinien-Trikot lässt er Ronaldinho, Ballack, del Piero und Co. auf dem Jugendplatz hinterm Stadion nach seiner Pfeife tanzen. Die Farben der Gouchos trägt er seit dem WM-Jahr 2002. Damals trug die Nachwuchsmannschaft der Boca Juniors in Kirchheim ein Testspiel aus und lud die Verantwortlichen der VfL-Fußballschule hinterher nach Buenos Aires ein.

Für die Südamerikaner schwärmt auch Harry, dessen Vater aus Griechenland stammt. Dass der WM-Zug ohne den amtierenden Europameister abgefahren ist, hat der Zehnjährige inzwischen verschmerzt. Jetzt drückt er den Argentinos die Daumen, obwohl sein Milan-Trikot die Rückennummer von Brasiliens Kaka ziert. "Argentinien spielt am besten", sagt er. "Vor allem natürlich Riquelme und Messi."

Marcel (9) ist Italien-Fan. Weil die Mama von dort kommt. Als Abwehrspieler scheint er zu wissen, wie beruhigend es ist, einen sicheren Torhüter im Rücken zu wissen. Wohl deshalb ist sein großes Vorbild Gianluigi Buffon. Beim Toreverhindern langt er zwar selbst schon mal hin, das Foul von de Rossi, das dem Italiener im Gruppenspiel gegen die USA einen Platzverweis einbrachte, fand er allerdings alles andere als lustig. "Das war nicht schön", meint er, weil Fairness auf dem Platz schon wichtig sei.

Auch Luciano (10) hat bisher kein Spiel der Italiener versäumt. Sein Idol heißt Allesandro del Piero und dass der bisher zumeist auf der Bank saß, findet er ziemlich blöd. Doch auch die deutsche WM-Euphorie scheint an ihm nicht spurlos vorüber gegangen zu sein. Sollte er selbst einmal ein Nationaltrikot überstreifen dürfen, dann soll es das deutsche sein, gesteht er überraschend ein.

Marc (10) fiele eine solche Entscheidung erst recht nicht schwer. Als Kapitän der Mannschaft eifert er natürlich Michael Ballack nach. Das verrät nicht nur sein Bayern-Trikot, mit dem er zum Training aufkreuzt. Für den Spielmacher der deutschen Elf sprechen schließlich auch handfeste Gründe. Der Pass aus dem Fußgelenk, mit dem er Klose zum 2:0 gegen Ecuador bediente, "das war schon super", sagt er.

Sascha (10) hält es hingegen eher mit Bastian Schweinsteiger. Nicht nur, weil auch er Bayern-Fan ist, sondern weil der Münchner so gute Freistöße schießt. Als Deutschland-Fan hätte auch Sascha Alternativen, schließlich stammt die Mama aus dem fernen Thailand. Doch bis die dortige Elf mit zu einer Fußball-Weltmeisterschaft fährt, kann es noch eine Weile dauern.

Tolgahan (10) ist der Spaßvogel und Trickser in der Mannschaft. Er spielt überall dort, wo man ihn braucht. In der Abwehr oder im Sturm ganz egal. Seine WM-Euphorie hat freilich schon vor dem Start einen herben Dämpfer erhalten, schließlich muss sich seine Heimmannschaft, die Türkei, das Turnier wie er zuhause vor dem Fernseher anschauen. Doch als Frohnatur steckt er es sogar locker weg, dass ihn das Schicksal gleich doppelt bestrafte: mit Nicolas Anelka, dem Franzosen in Diensten von Fenerbahce Istanbul, ist auch sein Idol bei der WM nicht dabei.

Trauer herrschte auch bei Timo (10) daheim über die verpasste WM-Teilnahme der Türkei. Jetzt drückt er natürlich fest den Deutschen die Daumen, vor allem seinem Vorbild Philipp Lahm, den er für den technisch beschlagensten im deutschen Team hält. Bleibt die Klinsmann-Elf im Rennen, könnte es zu einem familieninternen Duell kommen allerdings erst im Finale. Weil Timos Schwester für Ronaldinho und Co. durchs Feuer geht, haben beide ein gemeinsames Ziel: Die Neuauflage des Finales von 2002.