Lokalsport

"Na, wie wär's heut mit uns beiden?", fragt der ...

"Na, wie wär's heut mit uns beiden?", fragt der Kollege gleich bei Dienstantritt mit unternehmungslustigem Augenzwinkern.

I. STRIFLER / P. EIDEMÜLLER

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Der junge Sportredakteur hat dabei alles andere als unlautere Gedanken. Im Gegenteil: Sein Interesse gilt zwar der Bewegung im Gleichtakt mit der Kollegin aus der Lokalredaktion, aber dies in aller Öffentlichkeit und mit entsprechender Funktionskleidung.

Erraten: Mindestens einmal pro Woche werden in der Mittagspause die Schuhe im Doppelpack geschnürt. Kollege und Kollegin verbindet eine gemeinsame Leidenschaft: das Laufen. Seit fast einem Jahr geht's regelmäßig von der Redaktion aus zu mittäglicher Stunde los ins Hohe Reisach, Richtung Rübholz und zu anderen schönen Zielen rundum.

Die Umgebung lernt man dabei ebenso kennen wie die auch in läuferischer Hinsicht sehr unterschiedlich geartete Psyche von Mann und Frau. Da muss kaum erwähnt werden, dass der Sportskollege beständig aufs Tempo drückt. Und das, wo doch jede Frau weiß, dass die Fettverbrennung bei größerer Anstrengung abnimmt! Darüber lässt sich die Lokalredakteurin auch regelmäßig beim Laufen aus, schließlich reicht die Puste bei gemäßigtem Tempo zum Plaudern locker auch das ein Vorteil des gemütlichen Genusses. "Also gut, ich sollte mich eh mal erholen", lenkt der Kollege schließlich ein, ohne zu merken, dass die Kollegin nach dieser Bemerkung erst mal ihren Frust hinunterschlucken muss. Dann jedoch trabt er, ganz Kavalier, ein paar Schritte hinter ihr.

Natürlich nur kurzfristig. Schließlich hat er sich fürs neue Jahr hohe Ziele gesetzt: Neben mehreren Zehn-Kilometer-Läufen sollen auch ein, zwei Halbmarathons in der Saisonbilanz auftauchen das ist nicht mehr als recht und billig, gehört er doch seit Silvester zum erlauchten Kreis der Teckläufer. Insofern ist es zweifellos eine Ehre für die Kollegin, überhaupt an seiner Seite laufen zu dürfen. Dafür überlässt er ihr in den meisten Fällen die Wahl der Strecke. Dass die landschaftlich reizvollere gegenüber der läuferisch anspruchsvolleren dabei meist den Vorzug erhält, verzeiht der Jungspund gerne: Man(n) will der Kollegin ja schließlich nicht den Spaß an der Leibesertüchtigung nehmen.

Immerhin ähneln sich manche Ziele. Getrennt und doch vereint sind beide am Dreikönigstag: Der Kollege misst sich im lokalen Umfeld und verbindet Arbeit mit Vergnügen. Sein Ziel beim Ötlinger Dreikönigslauf: die zehn Kilometer lange Strecke durchs Rübholz unter 50 Minuten. Die Kollegin sucht eher die Anonymität beim Heininger Dreikönigslauf. Ihr Ziel: auf zehn Kilometern über 800 Kalorien verbrennen.

Spätestens Mitte nächster Woche wird dann in der Redaktionsstube Bilanz gezogen. Nämlich dann, wenn's wieder heißt: "Na, wie wär's heut mit uns beiden?"