Lokalsport

Nach der Party ist vor dem Spiel

Bei den Kirchheimer Basketballern brach mit Wochenbeginn eine neue Zeitrechnung an

In der Nacht des größten Erfolgs blieb kein Auge trocken. Bis zum Morgengrauen feierten die Knights am Sonntag ihr Husarenstück in der Bayern-Metropole. Was im Fußball nur den Glücklichsten beschieden ist, öffnet den Kirchheimer Korbjägern das Tor in den Vorhof der Bundesliga. Der finale Paukenschlag in München war gleichzeitig das Signal zum Aufbruch. Seit gestern laufen die Vorbereitungen für das Abenteuer Pro A.

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bernd köble

Kirchheim. Gelegenheit für erholsame Stunden dürfte Angelika Matt-Heidecker am Wochenende kaum gefunden haben. Am Samstagabend genoss sie in der Städtischen Sporthalle zu München nach nervenzerfetzendem Programm das Bad in der tosenden Menge, herzte Spieler und Funktionäre, um anschließend bei der Siegesfeier im heimischen Revier aktive Bürgernähe zu praktizieren. Gestern dann wartete auf die Rathauschefin ein arbeitsreicher Tag, und auch dabei stand ein Thema ziemlich weit oben auf der Tagesordnung: Basketball. Beim Treffen mit Knights-Geschäftsführer Siegfried Meissner dürften herzliche Umarmungen freilich ausgeblieben sein. Vorsichtiges Abtasten hieß die Devise beim Sondierungsgespräch. Wie so oft in der Schaltzentrale der Stadtverwaltung ging es darum, Wünschenswertes von Machbarem zu unterscheiden und bestenfalls in Einklang zu bringen.

Die Wunschliste des frischgebackenen Zweitligisten ist zum überwiegenden Teil von fremder Hand diktiert. Ab der Saison 2009/10 gelten für die Lizenzerteilung in der Pro A strengere Auflagen. Ein wesentlicher Punkt betrifft die Sportstätten der Clubs, die bis dahin Platz für 1 800 Zuschauer bieten müssen. Für die Kirchheimer, die mit einem Schnitt von 1 120 Gästen in der zurückliegenden Saison in der Pro B nur von Essen und Crailsheim überflügelt wurden, ein ernst zu nehmendes Problem. Die Sporthalle Stadtmitte hat ihre Belastungsgrenze längst erreicht. Für ausreichend Sitzplätze sorgen 400 Plastikstühle, die sich bei jedem Heimspiel am Spielfeldrand drängen. Die Notwendigkeit zum Handeln ist unbestritten. Die Frage ist, in welcher Form? „Es gibt eine große und mehrere kleine Lösungen“, sagt Siegfried Meissner, der mit seinen Vorschlägen zurzeit Hausieren geht. Neben den Optionen eines vollständigen Hallenneubaus oder eines möglichen Umbaus der Konrad-Widerholt-Halle, für die sich nur schwer ein mehrheitsfähiges Votum finden lassen dürfte, wäre auch eine Teilerweiterung der Halle denkbar, um zusätzliche Tribünenplätze zu schaffen. Meissner weiß, dass er als Bittsteller keine offenen Türen einrennt. „Politisch wird dies alles nicht leicht durchzusetzen sein“, gesteht er ein, zumal die Wunschliste damit noch lange nicht erschöpft ist. Weil die alte defekt ist und zudem den Anforderungen der Pro A nicht mehr entspricht, muss eine neue Anzeigetafel her und ab 2010 wird Parkett als Spielfläche mit großer Wahrscheinlichkeit zum Standard erhoben. Hinzu kommt die Forderung des Ligaausschusses nach einem separaten VIP-Raum, in dem Ehrengäste und Sponsoren betreut werden können. „Wir sind nicht die, die nur die Hand aufhalten“, betont Meissner, „aber wenn die Stadt vom Basketball-Boom profitieren will, muss sie gelegentlich auch investieren.“

Bei den Knights will man deshalb dafür sorgen, dass der Erfolg von Dauer ist. Der für die Lizenzerteilung geforderte Jahresetat von 400 000 Euro bereitet Meissner demzufolge am wenigsten Kopfzerbrechen. Dreiviertel davon sind bereits gesichert. Täglich laufen die Verhandlungen mit alten und neuen Sponsoren und am Donnerstag bereits geht es in Gesprächen mit dem Hauptgeldgeber EnBW um die Neuausrichtung in der kommenden Saison.

Den Erfolg freilich kann nur die Mannschaft sichern, und die soll zum Saisonstart im Oktober schlagkräftig genug sein, um den Klassenerhalt zu garantieren. Ein neuer Hoffnungsträger ist schon da: Phillipp Heyden hat gerade einen Fünfjahresvertrag in Ludwigsburg unterschrieben und soll nun im Kirchheimer Trikot Spiel­praxis für eine mögliche Karriere in der BBL sammeln. Der 2,06 Meter große und erst 19 Jahre alte Center kommt von Alba Berlin, war zuletzt für den Kirchheimer Ligakontrahenten Lichterfelde am Ball und gilt als große Nachwuchshoffnung im deutschen Basketball. „Ein hungriger Spieler mit einer hervorragenden Einstellung, der das Zeug hat, auch in der ersten Liga zu bestehen“, verspricht Ludwigsburgs Teamsprecher Mario Probst.

Ein Fragezeichen steht derweil hinter David McCray, der entscheidenden Anteil am Aufstiegserfolg der Kirchheimer hatte. Wenn man in Ludwigsburg die Qualitäten des 21-jährigen Kraftpakets in höchsten Tönen preist, schrillen in Kirchheim die Alarmglocken. Zwar rechnet Knights-Teammanager Michael Schmauder zum jetzigen Zeitpunkt fest mit seinem Bleiben, doch beim Erstligisten in der Barockstadt gibt man sich höflich zurückhaltend: „David wird in unseren Planungen sicherlich eine Rolle spielen“, orakelt Michael Probst, ohne sich festzulegen. Man wolle seine Entwicklung im Sommer genau beobachten, sagt Probst, und dann entscheiden, ob er in der Pro A weiter Erfahrung sammeln soll. So viel verspricht er: „Wir werden gemeinsam mit Kirchheim eine klare Entscheidung treffen. An einem Hin und Her hat niemand Interesse.“

Für das Trio Paul Howard, Wilu Lenger und Jan Reichmuth dürfte in Zukunft die Rolle der Standby-Spieler reserviert sein. Reichmuth wird im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres als eine von zwei hauptamtlichen Kräften künftig die neue Geschäftsstelle betreuen. Auch dies ein weiterer notwendiger Schritt in Richtung Professionalisierung. Frühestens im Juli will Michael Schmauder den endgültigen Kader beisammen haben. „Wir haben keine Eile“, betont er im Blick auf die anstehenden Einzelgespräche, deren Ziel sein soll, den Kern der Mannschaft zu halten. Nur in einem Punkt will Schmauder so schnell wie möglich Klarheit: Mit Coach Pat Elzie sei man sich weitgehend einig. „Er ist unser Lieblingstrainer, wir sind sein Lieblingsverein.“ Was soll da noch schief gehen?