Lokalsport

Nachgefragt

Nicht nur Defizite wachsen

Immer mehr Wettkampfsportler wollen es auf ihre alten Tage noch mal wissen. Das neue Selbstverständnis der Senioren macht sich auch im Sport bemerkbar. Die Motive der Sportler sind durchaus sinnvoll, sagt Professor Dr. Jens Kleinert, Psychologe an der Sporthochschule in Köln.

Bernd Köble

Herr Professor Kleinert, was treibt Männer im reiferen Alter dazu, ihrem Körper Jahr für Jahr Höchstleistungen abzuverlangen?

Kleinert: Das entscheidende Motiv, meine ich, ist nicht der Vergleich mit Jüngeren oder mit der eigenen Leistung vor zwanzig Jahren. Der Anreiz besteht darin, in der augenblicklichen Entwicklungsstufe das Optimum herauszuholen. Die Altersforschung zeigt, dass auch bei Älteren Anpassungsprozesse unterschiedlicher Art ablaufen und in bestimmten Bereichen sogar Verbesserungen möglich sind. Sowohl aus biologischer als auch aus psychologischer Sicht ist das Trainieren und sich Messen nach dem scheinbaren „Zenit“ durchaus sinnvoll.

Ist die wachsende Zahl älterer Wettkampfsportler nur demografisch bedingt?

Kleinert: Die Veränderung der Altersstruktur in der Gesellschaft führt dazu, dass die Sichtweise aufs Altern sich verändert. Älteren werden in vielen Bereichen immer häufiger hohe Kompetenzen zugewiesen. Alter wird nicht mehr nur mit Defiziten oder Schwäche verbunden. Dies gilt auch für den sportlichen Sektor. Der Wettkampf, das Training zur Steigerung oder zum Erhalt der Leistung ist nicht der Jugend vorbehalten.

Ausdauersport, so heißt es, könne süchtig machen. Sind lebenslange Sportler weniger oder mehr gefährdet als Späteinsteiger?

Kleinert: Es gibt keine Hinweise darauf, dass die ohnehin eher seltene Sportsucht ein besonderes Phänomen von Späteinsteigern sein könnte. Vielmehr besteht eine gewisse Gefahr, dass insbesondere anfangs ein zu schneller Trainingsanstieg oder plötzliche Wettkampfbelastungen zur Überforderung führen können. Auch Regenerationsprozesse benötigen im Alter längere Zeit als bei jungen Sportlern, weshalb Erholungs- und Belastungsphasen noch besser koordiniert sein müssen.

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