Lokalsport

Nacht des Grauens an Halloween

Kirchheims Basketballer beim 66:80 gegen den USC Freiburg von allen guten Geistern verlassen

Auf dem Höhenflug jäh gestoppt: Mit einer erschreckend schwachen Leistung gegen den bis dahin sieglosen USC Freiburg verloren Kirchheims Basketballer ihr drittes Heimspiel mit 66:80. Fassungslose Zuschauer mussten bereits im ersten Viertel mit ansehen, wie stark aufspielende Breisgauer mit einem 13-0-Lauf die Ritter zu Statisten degradierten.

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Kirchheim. Wie schnelllebig der Sport ist, mussten die Knights am vergangenen Samstag schmerzhaft erleben. Vor zwei Wochen noch umjubelter Tabellenführer, mit Tempobasketball und aggressiver Verteidigung bereits als Team der Stunde gefeiert, musste die Mannschaft von Coach Frenkie Ignjatovic nach dem Spiel gegen Freiburg sogar Pfiffe der enttäuschten Zuschauer hinnehmen. Vorangegangen war eine deprimierende Leistung eines Teams, das an diesem Abend diesen Namen nicht verdient hatte. Wie gelähmt wirkten die Gastgeber, der Korb schien wie vernagelt zu sein. Die Gäste aus dem Breisgau dagegen düpierten ein ums andere Mal die statische Kirchheimer Abwehr und profitierten von einer überdurchschnittlichen Trefferquote.

Mit Tomasevic, Freymond, Scott, De Michael und Lischka starteten die Knights ins Spiel. Erst kurz zuvor eingetroffen und zum wiederholten Mal verspätet, die Ludwigsburger Kooperationsspieler Phillipp Heyden und Ziyed Chennoufi. Da auch der grippegeschwächte David Michalczyk nur in Zivil auf der Bank Platz nahm, konnte Ignjatovic nicht mit seiner stärksten Formation beginnen. Schon bei den ersten Aktionen der Gäste zeigte sich Kirchheims Abwehr völlig orientierungslos. Mit dem Dunking zum 5:7 von Ryan De Michael in der dritten Spielminute, witterten die 800 Zuschauer schon die Wende, ohne zu wissen, dass sie gerade den einzigen Korberfolg ihres Teams für die nächsten fünf Minuten bejubelten. Was folgte war eine Demonstration des Teams von Coach Markus Zilch. Freiburg erzielte 13 Punkte in Folge und Kirchheims Zuschauer versuchten vergeblich, ihr Team durch Anfeuerungsrufe zum Erfolg zu treiben. Mit zwei erfolgreichen Freiwürfen setzte Nils Menck der Kirchheimer Durststrecke vorläufig ein Ende (7:20). Zwei Dunkings von Gordon Scott machten erneut Hoffnung, doch die Freiburger hatten jeweils die passende Antwort, sodass das erste Viertel mit 12:26 zu Ende ging.

Auch im zweiten Viertel waren die Ritter auf der Suche nach Sicherheit, Einstellung und Form. Während die Freiburger, angeführt von Roquette und Sharda, nach Belieben punkteten, agierte das Heimteam glücklos. Zwanzig Punkte betrug der Vorsprung der Freiburger (16:36), als einer von insgesamt nur zwei erfolgreichen Dreipunktewürfen durch Scott Freymond den Ansatz einer Aufholjagd einläutete: den Knights gelang ein 9-0-Lauf, die Freiburger wurden durch eine aggressivere Abwehr zu Fehlern gezwungen. Trotzdem war der Rückstand zur Halbzeit mit 34:46 immer noch deutlich.

Ob die daheimgebliebenen Fans bereits eine Vorahnung hatten? Die für Kirchheimer Verhältnisse überschaubaren Zuschauer feuerten ihr Team unermüdlich an und hofften insgeheim noch auf den Umschwung – der aber kam auch im dritten Viertel nicht. Egal, in welcher Kombination Ignjatovic seine Spieler aufs Feld schickte, sie fanden nicht zusammen. Eine zweiminütige Durststrecke zum Ende des dritten Spielabschnitts ließ die mittlerweile hoch foulbelasteten Freiburger wieder auf 50:67 davonziehen. Kennzeichnend für die Leistung der Kirchheimer war, dass auch aus der hohen Foulbelastung des Gegners im abschließenden Viertel kein Profit gezogen wurde. Im Gegensatz zum erwarteten Aufbäumen schienen sich die Ritter wehrlos in ihr Schicksal zu ergeben. Freiburg verwaltete den sicheren Sieg, und so verliefen die ersten viereinhalb Minuten des letzten Viertels ohne einen einzigen Punkterfolg. So viel Destruktivität auf dem Feld blieb auch auf den Rängen nicht ohne Wirkung. Die Partie endete in fassungsloser Stille, lediglich unterbrochen vom Szenenapplaus für Freiburgs Topscorer And­rew Hunter nach dessen Dunking zum 66:80-Endstand.

Wo aber war der Spielwitz der vergangenen Spiele geblieben? Lediglich Ryan De Michael zeigte mit 16 Punkten und 13 Rebounds Normalform, Scott Freymond setzte in der ersten Halbzeit positive Akzente, alle anderen verschwanden kollektiv im Niemandsland der Statistik. „Wir standen uns heute selbst im Weg und müssen mit dieser schmerzhaften Erfahrung fertig werden“, versuchte sich ein sichtlich ratloser Trainer in ersten Erklärungen. Die Suche nach den wahren Gründen für die inakzeptable Leistung wird erst in der kommenden Woche stattfinden, um dann einen Schlussstrich zu ziehen und den Blick nach vorne zu richten. Am Ende blieb die Entschuldigung des Trainers an die Adresse der Fans, das Abrutschen auf Tabellenplatz fünf und die Zuversicht, dass es im nächsten Spiel gegen die Baskets aus Essen wieder aufwärts gehen wird. bs

VfL Kirchheim Knights – USC Freiburg: 66:80 (12:26, 22:21, 16:20, 16:30)

VfL Kirchheim Knights: Tomasevic 9 (1/5 Dreier), Chennoufi 2 (0/2, 1 Reb), Freymond 13 (1/6, 3 Reb.), Scott 9 (1/6, 1 Reb.), De Michael 16 (13 Reb.), Menck 4 (0/2, 2 Reb.), Koch, Lischka 2 (0/1, 4 Reb.), Heyden (0/1, 1 Reb.), Gilliam 2 (2 Reb.)

USC Freiburg: Petric 11, Bosse, Sharda 12, Robinson 6, Evans 15, Becker, Hunter 16, Haag, Grübler 5, Herdrich, Roquette 15, Tessmann