Lokalsport

Nächstes Jahrsteht die "Drei"

BISSINGEN Als der ehemalige Leichtathlet Bächle 1987 die 400-m-Strecke bei einem gelungenen Weltrekordversuch (1000 x 400-Meter-Staffel) unter 55 Sekunden lief, spä-

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JÖRG BÄCHLE

testens da wusste er, wie hart so ein Rennen auf den letzten 250 Metern werden kann wenn man zu schnell angeht. Auch die Bissinger Meile bestraft dich gnadenlos, wenn du dein Pulver gleich zu Anfang verschießt: Die paar Sekunden, die man im ersten Drittel der Strecke bis zur Zuschauerecke durch höchste Gänge gewinnen kann, verliert man doppelt und dreifach, wenn einem am Ende der langen Steigung im zweiten Teil die Luft ausgeht, die Beine brennen, der Puls auf fast 200 ist. Und dennoch drückst du weiter die Pedale, deine Arme ziehen am Lenker. Du beginnst zu hecheln und das Ziel will nicht näher kommen. Alle 200 Meter runterschalten, bevor es an die letzten und steilsten 100 Meter geht. Du denkst, du stehst mit dem Rad, bis dann doch die Quälerei ein Ende hat. Geschafft. Du lächelst.

Es war dein erstes Radrennen auf deinem ersten Rennrad, und es hat Spaß gemacht. In den letzten Wochen hat konsequentes Training die nötige Härte gebracht, um hier bestehen zu können. Insgesamt 1 000 Kilometer hast du in dieser Zeit auf den Radwegen der Region zurückgelegt, jede Steigung für einen Sprint genützt. Das hat sich ausgezahlt: Komplett im Sitzen a la Jan Ulrich nach 4.05,65 Minuten den Zielstrich überquert, nach einer Meile und 100 Höhenmeter bei 30 Grad im Schatten. Dabei nur ein Mal verschalten zum Glück im ersten flacheren Teil der Strecke. Passiert dir das am Berg, dann heißt es, einpacken.

Im nächsten Jahr werde ich wieder mitfahren, wenn nicht höhere Mächte mich daran hindern. Der 1000 x 400-m-Weltrekord, bei dem ich mit ein paar Mitschülern vom Schlossgymnasium vor knapp 20 Jahren in Stuttgart am Start war, soll angeblich noch heute Bestand haben im Guiness-Buch der Weltrekorde, meine Zeit in Bissingen wird dagegen im nächsten Jahr mit einer drei beginnen. Da bin ich mir sicher.