Lokalsport

Neidlinger Grüße nach Östersund

Wenn die deutschen Biathlon-Stars im schwedischen Östersund ab morgen nach WM-Medaillen greifen, drückt man in Neidlingen einer Läuferin ganz besonders fest die Daumen: Kathrin Hitzer, die Newcomerin im DSV-Team, hat familiäre Wurzeln unterm Reußenstein.

BERND KÖBLE

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NEIDLINGEN Der eine greift nach Dienstschluss bei den "Lindachtalern" in die Saiten, die andere vermisst die Zeit, um sich ihrem Lieblingsinstrument, dem Waldhorn, zu widmen. Fritz Hitzer, Pressewart des TV Neidlingen und Biathletin Kathrin Hitzer verbindet nicht nur die Leidenschaft für die Musik. Während der Name Hitzer unterm Reußenstein für alpinen Skisport steht, knüpft der Rest der Republik dieser Tage Medaillenhoffnungen daran. "Es gibt hierzulande nicht sehr viele Familien mit unserem Namen", sagt Fritz Hitzer, "doch deren Ursprung liegt in Neidlingen." Die 21-jährige Skijägerin, die ihren Wohnsitz inzwischen von der Albgemeinde Obernheim ins bayrische Ruhpolding verlegt hat, ein Abkömmling aus dem Reußensteinort? Fritz Hitzer sagt ja und liefert den Beweis in Form eines Stammbaumes, den er vor zwei Jahrzehnten vom Großvater übernommen hat.

Die Spur führt nach Paris. Dorthin zog es den jungen Johann Jakob Hitzer, der 1863 in der Neidlinger Widerholtmühle das Licht der Welt erblickte, um das Konditorhandwerk zu erlernen. In der Stadt der Liebe hat es dann gefunkt: Rosa Maria hieß die Auserwählte, mit der er 1892 in die Heimat zurückkehrte, um im Städtchen Obernheim auf der Zollernalb eine Bäckerei zu eröffnen. Aus der Ehe gingen zwei Töchter und fünf Söhne hervor. Modest Hitzer führte die elterliche Backstube weiter und sorgte für die dritte Generation in Obernheim. Sein Sohn Josef lebt dort mit der Familie seiner Kinder bis heute. Der ganze Stolz des Großvaters gilt der inzwischen als Sportlerin bekannt gewordenen Enkelin, die im Dress der deutschen Biathleten die kommenden Tage um WM-Lorbeeren kämpft. Er war es auch, der den Hitzers aus Neidlingen die Tür öffnete, als die vor einigen Jahren zu einem Zufallsbesuch in Obernheim aufkreuzten. "Der Empfang war herzlich " erinnert sich Fritz Hitzer. Die familiären Verbindungen nach Neidlingen waren auch in der Albgemeinde nicht unbekannt. Von dort aus hatten die Hitzers dem Neidlinger Stammhaus schon einmal einen Besuch abgestattet, auf der Suche nach Hinweisen auf das Familienwappen. Zehn Familien, die den Namen tragen, leben heute in der Reußensteingemeinde.

"Bei unserem Besuch in Obernheim steckte Kathrin noch in den Kinderschuhen", erzählt Fritz Hitzer. Die heute 21-Jährige hatte ihre ersten Erfolgserlebnisse als Schwimmerin und Fußballerin im rechten Mittelfeld des FC Schönwald. In ihrer zweiten Saison als A-Kader-Biathletin des DSV hofft sie im WM-Jahr 2008 auf den Durchbruch. Zweimal stand sie in diesem Weltcup-Winter mit der Staffel bereits ganz oben auf dem Treppchen. Vergangenes Frühjahr lud sie die Verwandtschaft aus Neidlingen zum Sommerbiathlon des SC Gosheim ein. Ihrem Stammverein, dem auch Nationalmannschaftskollegin Simone Denkinger angehört. Damals verhinderten Urlaubspläne der Hitzers das Treffen. "Vielleicht klappt es ja in diesem Jahr", meint Fritz Hitzer, der sich für Biathlon als Sommersport auch beim TV Neidlingen erwärmen könnte. "Warum nicht? Die Schneelage bei uns wird immer unsicherer." Das alpine Skirennen um den Reußensteinpokal musste im Januar wie schon so oft wegen Schneemangels abgesagt werden. Ersatztermin wäre an diesem Wochenende. Vielleicht gibt es stattdessen im Lindachtal irgendwann einen Biathlon-Cup im Sommer. Eine passende Namensgeberin zu finden, wäre in diesem Fall wohl kein Problem.