Lokalsport

Nervosität ade: Bravourakt von Annette Frik

Einen gelungenen Einstand feierte die Kirchheimerin Annette Frik im Team der deutschen Inline-Nationalmannschaft. Bei der Speedskating-EM in Ludwigsfelde half sie entscheidend mit, dass Teamkollegin Michaela Neuling (Gera) die Goldmedaille holte.

JÖRG DIETRICH

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LUDWIGSFELDE Bei der Speed-skating-Marathon-Europameisterschaft auf einem sieben Kilometer langen Rundkurs durch Ludwigsfelde (südlich von Berlin) gab es eine Sensation: Die deutsche Damenmannschaft mit der Kirchheimerin Annette Frik, die als 35. finishte, holte die Goldmedaille. Michaela Neuling (Gera) fuhr auf der langen Zielgeraden der Potsdamer Straße an starker Konkurrenz vorbei und siegte deutlich in 1.16,07,24 Stunden vor Laura Lardani (Italien/1.16,07,498 und der Belgierin Hilde Govaerts (1.16,07,557), die 1995 den WM-Titel gewonnen hatte.

Noch etwas außer Atem, konnte Neuling ihren Triumph kaum fassen und schilderte euphorisch den entscheidenden Schlussspurt: "Meine Trainerin rief: ,Lauf vorbei'! Dann bin ich einfach vorbei gelaufen." Die Siegerin, auch beim Weltcup zuletzt schon überzeugend, konnte sich diesmal auf eine sehr gute Mannschaftsunterstützung verlassen. Der neue Bundestrainer Bill Begg hatte vorher klare taktische Anweisungen gegeben und das Team in drei Gruppen aufgeteilt: Gruppe eins war fürs Schließen kleiner Lücken im Feld zuständig, die zweite Gruppe (mit Annette Frik) sollte Ausreisversuche der sehr starken Schweizerinnen und Italienerinnen kontern und die dritte Gruppe war für die unmittelbare Sprintvorbereitung zuständig.

Nationalmannschafts-Debütantin Annette Frik ging reichlich nervös ins Rennen und hielt sich in der ersten Runde zunächst im hinteren Teil des 55 Frauen starken Feldes auf. Die Spanierinnen mit ihrer etwas rustikalen Gangart wofür sie von den auf Motorrädern fahrenden Schiedsrichtern mehrfach verwarnt wurden sowie die Italienerinnen kontrollierten zunächst das Rennen, das unter etlichen Rangeleien litt. Eines der "Opfer" war die Deutsche Michaela Heinz-Gerten, die, zwischendurch in Führung liegend, stürzte und ausschied. Ende der zweiten Runde wurde Frik stärker, an der einzigen Steigung der Rundstrecke fuhr sie gemeinsam mit der Freiburgerin Jenny Bernd sogar ganz nach vorne. Jetzt kamen die Schweizerinnen und Italienerinnen auf, versuchten davonzufahren doch Frik und Bernd waren hellwach und konnten die entstandenen Lücken immer wieder zu fahren. Die deutsche Teamtaktik funktionierte perfekt.

In der letzten Runde fing es an, sehr stark zu regnen die nasse Zielgerade bereitete den Inlinerinnen Probleme. Doch es blieb dabei: Die deutschen Frauen diktierten das Rennen auch in der Schlussphase und positionierten Michaela Neuling optimal für den Endsprint auf der Potsdamer Straße. Bis etwa 200 Meter vor dem Ziel sah alles nach einem Erfolg für Weltcup-Spitzenreiterin Laura Lardani aus, doch dann drehte Neuling nochmals richtig auf.

Annette Frik rollte die letzten Meter nur noch aus. Die Kirchheimerin hatte die ihr zugewiesene Aufgabe ausgezeichnet gelöst, die eigene Platzierung zählte weniger. Frik freute sich im Ziel, als ob sie selbst gewonnen hätte. Anschließend lagen sich die deutschen Frauen in den Armen, Freudentränen flossen.

Nachdem es längere Zeit keinen deutschen Erfolg bei einer Marathon-EM gegeben hatte, konnte Bundestrainer Begg nach dem Staffel-Gold vom Vortag einen erneuten EM-Triumph verbuchen.