Lokalsport

Neues Maskottchen bringt Glück

Kirchheimer nach 83:75-Heimsieg Tabellenvierter der Pro A – Crawford mit 25 Punkten top

Der Ritter-Express hat Fahrt aufgenommen: In einem über weite Strecken von Taktik geprägten Basketballspiel besiegen die VfL Kirchheim Knights die Bremen Roosters mit 83:75. Cliff Crawford ragte dabei aus einer geschlossen spielenden Mannschaft hervor und markier­te mit 25 Punkten die absolute Bestmarke des Abends.

Anzeige

Kirchheim. Es war ein Abend des Wiedersehens: Pat Elzie kehrte als Manager der Roosters an seine alte Wirkungsstätte zurück und hätte für seinen neuen Arbeitgeber zu gerne einen Sieg mit in den Norden entführt. Aber auch mit David McCray konnten die Fans einen weiteren Erfolgsgaranten der vergangenen Saison begrüßen. So drehten sich zwar viele Gespräche im Anschluss an das Pro A-Spiel um frühere gemeinsame Erlebnisse, das aktuelle Geschehen und der derzeitige Erfolg der Ignjatovic-Truppe stand angesichts des neuerlichen Heimsieges aber dann doch im Vordergrund.

„Wenn wir einen Topspieler wie Adam Baumann unter zehn Punkten halten und dann trotzdem verlieren, so ist das ein deutliches Indiz für die Qualität der Mannschaft“, resümierte Pat Elzie, der seinen Coach Josipovic auf der Pressekonferenz vertrat und zollte damit auch seinem Nachfolger Frenkie Ignjatovic deutlichen Respekt. Wie sehr die Handschrift des Serben im Team der Knights zu erkennen ist, macht die jüngste Entwicklung deutlich: Der für seine Defensivtaktik bekannte Ignjatovic hatte seine Jungs optimal auf das Spiel eingestellt. Die Tatsache, dass Adam Baumann durch die Bremer Abwehr völlig aus dem Spiel genommen wurde, glichen diszipliniert spielende Ritter durch eine starke Mannschaftsleistung aus.

Die beiden Youngsters Phillipp Heyden und Ziyed Chennoufi setzten nach gewonnenem Sprungball die ersten Akzente des Spiels und brachten ihre Mannschaft mit 4:0 in Führung. Unter dem Beifall der 1 000 Zuschauer konnten sich die Gastgeber schnell mit einigen Punkten absetzen und Radi Tomasevic traf mit seinem Dreier zur 22:15-Führung zum Ende des ersten Viertels. Zu diesem Zeitpunkt hatte der jüngste Ritter bereits seine Arbeit aufgenommen und nahm langsam Betriebstemperatur an: „Mighty Knighty von der Teck“, das neue Maskottchen der Ritter, animierte in seiner Rüstung die Zuschauer.

Allerdings musste er mit ansehen, wie der beste Bremer an diesem Abend, Josh Mueller, im zweiten Viertel das Heft in die Hand nahm. Mit seinen zwei aufeinanderfolgenden Dreiern in der zweiten Spielminute dieses Abschnittes brachte er seine Mannschaft zum 25:24 wieder heran. Da er sich aber schon zu diesem Zeitpunkt sein drittes Foul eingehandelt hatte, musste er im weiteren Spielverlauf zurückhaltender agieren. Die Knights hielten dagegen, konnten sich aber nicht entscheidend absetzen – Ballverluste und Fehlwürfe kennzeichneten diese Spielphase. Sichere Freiwürfe von Hornig und Baumann sowie ein stark aufspielender Phillipp Heyden standen einem weiteren Dreipunkte-Erfolg Josh Muellers gegenüber, der den 39:36-Halbzeitstand markierte.

Während die beiden Trainer in der Halbzeitpause ihre Mannschaften auf die zweite Spielhälfte einschworen, demonstrierten die Jugendspieler der Kirchheimer U10 und U12 ihr Können: Größtenteils zielsicher schlossen die quirligen Nachwuchs-Ritter ihre Übungen ab. Sie zeigten, wie Korbleger, Dribblings und Passen schon von klein auf gelernt werden und wie gut die Kleinen ihren sportlichen Vorbildern nacheifern.

Spannend ging es nach der Halbzeitpause weiter, wobei Cliff Crawford dem dritten Viertel seinen Stempel aufdrückte. Hellwach kehrte vor allem er aus der Pause zurück und sicherte sich fünf der ersten neun Kirchheimer Punkte. Durch erfolgreiche Distanzwürfe von Mueller und Njei zogen jedoch die Bremer zum 50:50 gleich – das Spiel stand kurz davor zu kippen, aber es kam anders: Nach einem weiteren Dreier Muellers legten Crawford und die Knights einen 10:0-Lauf hin. Damit legten sie den Grundstein zur 68:55-Führung am Ende des dritten Viertels.

Waren die Knights damit durch? Reichte die Acht-Punkte-Führung zum Sieg gegen Bremen? Die beiden Kontrahenten boten den Zuschauern im entscheidenden Viertel vor allem Dramatik und Spannung. Trotz guter Aktionen von Crawford und Heyden kamen die Bremer wieder in Schlagdistanz. Zwei Minuten vor Spielende zeigte die Anzeigentafel in der Sporthalle Stadtmitte 75:74 und die Zuschauer hielt nichts mehr auf den Rängen. Hallensprecher Lenger peitschte die Fans zu Defense-Rufen an, während Frenkie Ignjatovic seine Spieler in der letzten Auszeit des Spiels zur Umsicht mahnte. Die Bremer verspielten in dieser entscheidenden Phase durch nervöse Aktionen den Sieg. Hornig, Baumann und Scott dagegen behielten an der Freiwurflinie die Nerven. Kein geringerer als Adam Baumann, P4two-Spieler im November, hatte die Ehre, die letzten Punkte zum 83:75 zu erzielen.

Dieser Erfolg katapultierte die Teckstädter in völlig unerwartete Tabellenregionen. Den dritten Advent dürfen die Aufsteiger auf dem vierten Platz feiern und können so den letzten drei Spielen in der Hinrunde gelassen entgegenblicken. Auch wenn die Bremer in den wichtigen statistischen Werten die Nase vorn hatten, war Ignjatovic voll des Lobes für seine Mannschaft: „Ich bin stolz auf die Leistung meiner Spieler, die das Spiel als Team aus der Defense heraus gewonnen haben. Ich glaube, wir werden noch viel Spaß miteinander haben.“

So hält der sonst eher vorsichtig-pessimistische Headcoach einen Sieg im fernen Cuxhaven am nächsten Samstag für durchaus möglich und stellt seiner Mannschaft für diesen Fall eine Vorweihnachts-Party im Hause Ignjatovic in Aussicht. bs

VfL Kirchheim Knights: Tomasevic (9; 1/3 Dreier), Chennoufi (7; 1/6, 5 Reb.), Baumann (9; 1/4, 10 Reb.), Crawford (25; 2/3), Scott (8; 1/4), P. Klemm, T. Klemm (2), Heyden (18), Hornig (5; 5 Reb.)

Bremen Roosters: Freymond (10), Hakanowitz, Weddle (10), Fennerberg, Njei (16), Franke, Thompson (8), Turuschew, Fikiel (7), Wheeler, Sabourin (5), Mueller (19)

Viertelergebnisse: 22:15, 17:21, 29:19, 15:20