Lokalsport

Nicht jeder genießt die Ruhe in den Ferien

Wenn die Schulferien nahen, heißt es für viele Hallensportler: Wir müssen draußen bleiben. Verriegelte Sportstätten während der unterrichtsfreien Zeit sorgen bei Vereinen rund um die Teck seit Jahren für Unmut. Manche Kommunen wie die Stadt Kirchheim lenken inzwischen ein und denken darüber nach, die Frage der Schlüsselgewalt liberaler zu regeln.

BERND KÖBLE

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KIRCHHEIM Steter Tropfen höhlt den Stein. Getreu diesem Sprichwort sind die Kirchheimer Sportvereine derzeit dabei, einen Teilerfolg auf dem Weg zu flexibleren Hallenöffnungszeiten zu verbuchen. Beispiel Basketball: Seit Sommer 2004 hat die Regionalliga-Mannschaft des VfL zu Trainingszwecken Schlüsselgewalt über die Sporthalle Stadtmitte. Das ist wichtig, denn die Sommerferien sind zeitlich deckungsgleich mit der heißesten Phase der Vorbereitung auf die neue Saison. Bis dahin galt es jedoch, einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten. "Das war ein langer Kampf", erinnert sich Abteilungssprecher Uli Tangl. "Dabei dürfte jedem klar sein, dass wir im Sommer nicht einfach sechs Wochen pausieren können."

In Kirchheim hat sich diese Einsicht inzwischen durchgesetzt. Im städtischen Sportamt feilt man derzeit an einer Lösung, von der alle Vereine und Abteilungen vom kommenden Sommer an profitieren sollen. Die vertraglich geregelte Überlassung von Hallenschlüsseln räumt den Vereinen und ihren Mannschaften neue Freiheiten ein. Zunächst in einer halbjährigen Probephase und unter Mitwirkung der jeweiligen Hausmeister, später dann in eigener Regie. "Das setzt ein hohes Maß an Vertrauen und Eigenverantwortung voraus", sagt Sportamtsleiter Steffen Weigel, der zurzeit gemeinsam mit dem Stadtverband für Leibesübungen an Details feilt, um das Thema im Februar in den Gemeinderat zu bringen. Dabei kann die Stadt in einem vergleichbaren Fall durchaus Positives berichten: Im Kirchheimer Hallenbad haben Schulen und Vereine schon seit längerem freien Zugang mit eigenen Schlüsseln. "Dort läuft es bisher völlig problemlos", stellt Weigel fest. Mit Ausnahme der turnusmäßigen Grundreinigung und technischer Wartungsarbeiten, während denen die Hallen auch künftig geschlossen bleiben müssen, könnte es also bald schon vorbei sein mit der gewohnten Brache während der Ferienzeit. So einseitig wie es auf den ersten Blick scheint, ist die Interessenlage im Übrigen nicht: "Auch der Stadt muss daran gelegen sein, dass die Hallen ausgelastet sind", sagt Weigel. "Schließlich geht es hier um teuere Liegenschaften."

Andernorts tut man sich zur Stunde noch schwer, von langjährigen Traditionen abzurücken. In den Gemeinden rund um die Teck sind es vor allem die Handballer, die sportlich den Ton angeben und daher die Hauptleidtragenden eingeschränkter Trainingsmöglichkeiten sind. Besonders hart trifft es mit dem Verbandsligisten SG Lenningen ausgerechnet das spielstärkste Team in der Region. SG-Trainer Bruno Rieke muss sich mit seiner Mannschaft schon während des regulären Trainings zwei Mal pro Woche mit nur einer Hallenhälfte begnügen. Mehr lässt der dicht gedrängte Belegungsplan nicht zu. Mindestens genauso schwer wiegen die alljährlichen Zwangspausen in den Sommer- und Weihnachtsferien. Not macht erfinderisch und so fanden die Lenninger Ballwerfer nach Weihnachten Unterschlupf in Nachbargemeinden wie Grabenstetten oder Neuffen. Um in der eigenen Halle trainieren zu können, wäre die Mannschaft auch bereit, auf die Benutzung der Duschen zu verzichten, um Reinigungskosten zu sparen.

Ähnlich stellt sich die Situation in Owen dar. Auch dort bleibt die Teckhalle während der Grundreinigung und der Urlaubszeiten des Hausmeisters für mehrere Wochen geschlossen. Für Owens Trainer Christoph Winkler, der als Handballer schon zahlreiche Vereine durchlaufen hat, eine völlig neue Situation. "Das sind Bedingungen, die sind alles andere als ideal", meint der Landesliga-Trainer. Während andere Teams im Sommer längst an der spielerischen Feinabstimmung feilten, holten sich die Owener notgedrungen beim Waldlauf den letzten konditionellen Schliff. Am ehesten scheint die Abstimmung dort zu funktionieren, wo der "kleine Dienstweg" als Türöffner dient. In Weilheim ist man in der glücklichen Lage, dass der Hausmeister der Abteilungsspitze angehört. "Bei uns funktioniert das zum Glück unter der Hand", sagt Handball-Abteilungsleiter Bernd Reisgies.

Doch woran liegt es, dass sich die Gemeinden im Umland mit offiziellen Regelungen noch immer schwer tun und allenfalls Grauzonen bereit sind zu dulden? Betriebs- und Reinigungskosten, das Gebot der Gleichbehandlung oder gar Angst vor Vandalismus sind Argumente, die in den Rathäusern allenthalben zu vernehmen sind. "Wir müssten den Vereinen mehr Verantwortung übertragen. So weit sind wir noch nicht, das gebe ich zu", meint Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht, der derzeit noch zögert, "die Schleusen", wie er sagt, "zu öffnen." An anderer Stelle scheinen schlicht Kommunikationsprobleme einen einvernehmlichen Weg zu blockieren. "Wenn die SG auf mich zukommt, können wir uns über Lösungen sicherlich unterhalten", sagt Schlecht, der wie auch sein Owener Amtskollege Siegfried Roser Gesprächsbereitschaft signalisiert. "Mir ist von unerfüllten Wünschen nichts bekannt", meint der Chef im Owener Rathaus. Das muss umso verwunderlicher erscheinen, als nicht weniger als acht Gemeinderatsmitglieder der Handballabteilung angehören und dort sogar in Amt und Würden sind.

Ein Probelauf steht derweil auch in Owen auf dem Programm: Weil der derzeitige Hausmeister sich im Laufe des Jahres zur Ruhe setzt, sollen vom Sommer an die jeweiligen Übungsleiter für die abendliche Schließung der Halle verantwortlich sein. Eigenverantwortung will eben gelernt sein. Notfalls auch in kleinen Dosen.